Die Caritas-Affäre, der Fall Pim Knaff, ein Ex-Agent auf Abwegen und Flavio Beccas Uhren: Das sind nur einige der Recherchen, die dieses Jahr bei Ihnen auf besonderes Interesse stießen. Unser Rückblick auf die meistgelesenen Artikel, die 2024 auf Reporter.lu erschienen sind.

Ein kriminelles Netzwerk, 61 Millionen Euro Beute, eine Wohlfahrtsorganisation am Boden, E-Mails eines falschen Generaldirektors und was eine Wahrsagerin mit alledem zu tun hat: Was wie der Plot einer spannenden Netflix-Serie klingt, ist einer der größten Finanzskandale der Luxemburger Geschichte. Wenig überraschend, dass die Caritas-Affäre auch bei den Lesern von Reporter.lu auf großes Interesse stieß.

So konnte die Journalistin Véronique Poujol bereits Anfang August rekonstruieren, wie in dieser verblüffenden Affäre über mehrere Monate Gelder der Caritas auf Konten bei einer spanischen Bank überwiesen werden konnten. Eine weitere Recherche beschäftigte sich mit der zentralen Rolle der Finanzdirektorin und den bereits seit geraumer Zeit bekannten Missständen im Management der Caritas. Ebenso berichtete Reporter.lu exklusiv über die Untersuchungen der Justiz und der Finanzaufsicht CSSF zur Rolle der Luxemburger Banken „BGL“ und „Spuerkeess“.

(Foto: Mike Zenari)

Ob die verschwundenen Millionen jemals wiedergefunden werden, ist unwahrscheinlich. Denn wie eine weitere exklusive Recherche von Reporter.lu aufzeigte, wurde das Geld laut den Ermittlungen weiter in andere Länder überwiesen – allein rund 25 Millionen Euro nach China. Die Recherche enthüllte zudem, dass die Luxemburger Ermittler auf der Spur eines kriminellen Netzwerks aus Bulgarien sein sollen und auch eine Wahrsagerin aus Belgien in den Fall involviert sein könnte.

Die juristische Aufarbeitung des Kriminalfalls ist aber nur ein Aspekt dieser beispiellosen Affäre. Auch die politischen und sozialen Folgen bestimmten in den vergangenen Monaten die Aktualität. So berichtete Reporter.lu nicht nur über die Folgen für die internationalen Caritas-Projekte, sondern auch über den durchaus „chaotischen Übergang“ zur neuen Organisation „Hëllef um Terrain“. In einer Analyse befasste sich Reporter.lu-Chefredakteur Christoph Bumb zudem mit dem mangelnden Verantwortungsbewusstsein in der ganzen Affäre.

Topverdiener, Steuerbetrüger, Steuergelder

Ums liebe Geld und den teils fragwürdigen Umgang damit ging es denn auch in anderen Storys von Reporter.lu, die bei den Lesern auf großes Interesse stießen. So auch die Recherche der Journalisten Pol Reuter und Laurent Schmit über „Die Topverdiener des Parlaments“, die die Nebenverdienste der Luxemburger Abgeordneten beleuchtete. Nach dem Wechsel des einstigen Spitzenverdieners Léon Gloden (CSV) in die Regierung ging der Spitzenplatz diesmal an den DP-Politiker Patrick Goldschmidt.

Besondere Aufmerksamkeit erregte auch jener Artikel, in dem Véronique Poujol exklusiv über die Verurteilung von Pim Knaff berichtete. Der Anwalt, Escher DP-Schöffe und ehemalige Abgeordnete war im Mai wegen schwerer Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Pim Knaff hatte einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt, wodurch ihm ein öffentlicher Prozess erspart blieb. Die Affäre schlug hohe Wellen. Pim Knaff räumte einen „Fehler“ ein, allerdings ist in dem Urteil gegen ihn von bewussten Handlungen die Rede.

(Foto: Mike Zenari)

Nicht um Steuern, sondern um Spesen ging es in einem anderen viel beachteten Artikel auf Reporter.lu: Im Mittelpunkt der exklusiven Recherche der Journalistin Charlotte Wirth stand niemand Geringeres als Großherzog Henri. Dabei zeigte sich, dass die Reisekosten des Staatschefs mit über einer halben Million Euro recht beträchtlich sind – nicht zuletzt, weil er auch ohne offiziellen Anlass oft im Ausland weilt.

Exportschlager und ein Ex-Agent auf Abwegen

Die Nachbarstaaten Russlands gehören eher nicht zu den favorisierten Reisedestinationen des Großherzogs. Dafür sind sie aber ein beliebtes Ziel des Luxemburger Außenhandels, wie eine Recherche von Reporter.lu über den „Wundersamen Exportboom“ des Großherzogtums offenbarte. Da dabei auch Material von militärischem Nutzen geliefert wird, besteht der Verdacht, dass auf diesem Weg Sanktionen gegen Russland umgangen werden.

Ins Ausland reichte auch eine Recherche, die Reporter.lu im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit durchführte. Der Journalist Luc Caregari begab sich dabei auf die Spur von Frank Schneider. Der ehemalige Operationschef des Luxemburger Geheimdienstes ist untergetaucht, seitdem die USA seine Auslieferung beantragten, um ihm im Zusammenhang mit der sogenannten „OneCoin“-Affäre den Prozess zu machen. Die Recherche von Reporter.lu führte nach Dubai und Bali und warf ein neues Licht auf Frank Schneiders Rolle in der Betrugsaffäre.

(Foto: Mike Zenari)

Im Visier der Luxemburger Justiz befindet sich derweil ein Arzt aus Echternach, über dessen Fall Reporter.lu im Frühjahr berichtete. Der Allgemeinmediziner war in Untersuchungshaft genommen worden, nachdem mehrere männliche Patienten ihn des sexuellen Missbrauchs bezichtigt hatten. Die Vorwürfe wiegen schwer, wie aus den Aussagen der mutmaßlichen Opfer hervorgeht.

Diplomaten vor Gericht und Uhren unter dem Hammer

Überhaupt stießen auch 2024 wieder viele Artikel auf das Interesse der Leserinnen und Leser, in denen die Justiz ermittelt, sich die Protagonisten vor Gericht verantworten mussten oder selbst Klage führten. So war dies etwa im Fall eines Berufssoldaten, der gegen seine Suspendierung klagte: Der Korporal hatte ihm unterstellten Soldaten unter anderem befohlen, die Felgen seines Privatautos zu waschen.

Wiederholt hatten auch Diplomaten mit der Justiz zu tun. Zumeist, weil sie gegen Disziplinarstrafen vorgingen, die gegen sie verhängt worden waren. In einem Fall ging es um falsche Angaben, in einem anderen um gefälschte Mietverträge, – beides mit dem Ziel, mehr Geld vom Staat zu beziehen. Besonders hervor stach allerdings die Episode eines Botschafters, der sich wegen eines „undiplomatischen Zwischenfalls im Nachtclub“ vor den Richtern erklären musste.

(Foto: Mike Zenari)

Oft kam in viel gelesenen Artikeln die Justiz mit dem Gesundheitswesen in Kontakt. So etwa beim Fall einer Gruppe von Geriatern aus dem „Centre hospitalier Emile Mayrisch“ (CHEM), gegen die wegen mutmaßlich fiktiver Verschreibungen ermittelt wird. Oder auch beim Verfahren der früheren Personalchefin der Gesundheitsbehörde, die gegen ihre Entlassung inmitten der Covid-19-Pandemie geklagt hatte.

Ebenfalls mit der Justiz zu tun hatte bekanntlich Flavio Becca. Mit zum Teil außergewöhnlichen Folgen. So musste der Bauunternehmer im Juni dieses Jahres miterleben, wie Hunderte seiner infolge seiner Verurteilung konfiszierten Luxusuhren in einer Versteigerung unter den Hammer kamen. Ein Event der besonderen Art, dem der Journalist Pit Scholtes eine lesenswerte Reportage widmete.

Alte Familienbande und ein neuer Freundeskreis

In ganz andere Gefilde, nämlich den Fleischfachhandel, führte der Fall der „Salaions Meyer“. Wie Reporter.lu berichtete, eskalierte in der Metzgerei-Unternehmensgruppe ein Familienstreit dermaßen, dass die Bankkonten gesperrt wurden. Um Geschäfte von Familienmitgliedern ging es denn auch in einem Fall aus Steinsel. Wie der Journalist Pol Reuter enthüllte, vergab dort die Gemeinde auch Aufträge an die Söhne des Ersten Schöffen, die im Immobiliengeschäft tätig sind. Der Verdacht eines Interessenkonflikts drängt sich dabei auf.

Wie Frank Engel es mit Luxusuhren hält, das entzieht sich unserer Kenntnis. Recherchen von Reporter.lu zeigten aber, dass der frühere CSV-Parteipräsident noch immer an Honorarverträgen mit Parteien interessiert ist, denen er selbst angehört. Mit seiner neuen Partei „Fokus“ wollte Frank Engel nämlich einen Beratervertrag abschließen. Das kam aber nicht bei allen Mitgliedern gut an. Es entbrannte ein Streit, bei dem es neben Geld auch darum ging, wie transparent die Parteiführung Entscheidungen trifft.

(Foto: Mike Zenari)

Vom alten CSV-Präsidenten ist der Weg nicht weit zum neuen. Wobei doch, immerhin ist der aktuelle Parteivorsitzende der Christsozialen auch Premierminister. Und als solcher natürlich auch für Reporter.lu von Interesse – und für seine Leser und Leserinnen. So fand denn auch der Artikel „Der neue alte Luc“ über den politischen Stil von Luc Frieden aus der Feder von Chefredakteur Christoph Bumb großen Anklang.

Anklang bei der Leserschaft finden auch regelmäßig Artikel über die Situation bei der Luxemburger Steuerverwaltung. Sei es über die Überlastung der Beamten und die verschlafene Digitalisierung oder den Führungsstil der langjährigen Direktorin Pascale Toussing. Nachdem deren Mandat nicht verlängert worden war, dachte sie gar nicht daran, Platz zu machen. Stattdessen kandidierte sie für ihre eigene Nachfolge. Letzten Endes soll die hohe Beamtin nun im Finanzministerium die Steuerreform vorbereiten.


Mehr zum Thema