Der „Uhren-Prozess“ gegen den Baulöwen Flavio Becca schlug hohe Wellen. Jetzt wurde ein Teil der konfiszierten Luxusuhren versteigert. Von betuchten Gästen, Geboten in 500-Euro-Schritten und einem Namen, der nicht genannt werden soll. Eine Reportage.

Bad Mondorf, Samstagmittag. Auf den Parkplatz des „Casino 2000“ rollt eine Parade des Luxemburger Geldes. Porsche folgt auf Porsche folgt auf Porsche, dazwischen zwei Ferraris, vereinzelt ein Mercedes SL, ein Jaguar und ein Maserati. Mit dem teilnahmslosen Gesichtsausdruck der Selbstverständlichkeit paradieren die Fahrer vor dem Eingang des Casinos.

Doch der Einlauf will nicht so recht zur Kulisse passen. Denn jene Grandezza, die der Name „Casino“ hervorruft, bleibt ein hohles Versprechen. Die Spielhalle in Bad Mondorf ist ein schmuckloses, anonymes Gebäude aus den frühen 1990er Jahren, das Gelb des Reklameschildes durch die Jahre in der Sonne verblichen. Es ist kurz nach 14 Uhr und in einer halben Stunde sollen hier 150 Luxusuhren unter den Hammer kommen.

Vor der Eingangstür unterhalten sich drei Männer um die 30 über die anstehende Versteigerung. Ein Thema: die Historie der Uhren. Vorteil oder Nachteil? Das Fazit fällt eindeutig aus: Nachteil. Die Verpackung fehle und zum großen Teil auch die Papiere. Einer der Männer schätzt die Wertminderung auf mindestens 20 Prozent. Für Sammler wären sie eigentlich nichts und der Vorbesitzer sei auch nicht unbedingt ein wertsteigernder Faktor, meint ein weiterer Mann. Schnäppchen könnten trotzdem drin sein, erwidert der Erste.

Die Auktion an diesem Nachmittag ist eine Ausnahmeveranstaltung. Nicht nur wegen ihrer Größe oder der angebotenen Luxusuhren. Die meisten gehörten einst dem Baulöwen Flavio Becca. Sie sind Teil jener 643 Exemplare, die am 20. September 2011 von der Kriminalpolizei unter anderem im Privathaus des Unternehmers sichergestellt wurden. Darunter etwa 100 „Rolex“-Uhren, weitere 100 der Marke „Chopard“ und 30 „Patek Philippe“, wie aus den damaligen Ermittlungsakten hervorgeht. Die Kriminalbeamten fanden die Uhren in einem gesicherten Raum im Untergeschoss des Hauses, teilweise auf dem Boden liegend, die meisten ohne Echtheitszertifikat oder die zugehörigen Schachteln.

„Die ganze Welt der Haute-Horlogerie“

14.45 Uhr. Das Publikum wird ungeduldig. Erste Zwischenrufe schallen Richtung Bühne des Festsaals, in dem im November unter anderem der deutsche Schlagersänger Nino de Angelo auftreten wird. Die Versteigerung hat eine Viertelstunde Verspätung. Gerichtsvollzieher Carlos Calvo beginnt die Auktion mit einem Vorwort an die rund 250 anwesenden Mitbieter.

Wir betreiben kein Blame and Shame. Wir stellen die Auktionen so zusammen, dass für jede Käuferschicht etwas dabei ist.“Laurent Heyder, Justizministerium

Carlos Calvo spricht von einer für Luxemburg historischen Veranstaltung: „1.500 Menschen aus der ganzen Welt nehmen via Internet an der Auktion teil. Die ganze Welt der Haute-Horlogerie schaut heute auf das Großherzogtum. Und Luxemburg setzt damit ein starkes Zeichen im Kampf gegen die Geldwäsche.“ Der Name Flavio Becca fällt an diesem Nachmittag nicht ein einziges Mal. Auch die Frage, welche Uhren genau aus dem Besitz des Immobilienmoguls stammen, bleibt unklar. Es werden nämlich auch Uhren versteigert, die auf andere Verfahren zurückgehen.

Historisch ist die Auktion dabei auch wegen des Auftraggebers. Denn die Uhren werden im Auftrag des „Bureau de gestion des avoirs“ versteigert. Die 2022 gegründete Behörde untersteht dem Justizministerium. Der Erlös der Auktion fließt in den „Fonds de Lutte contre certaines formes de criminalité“ und soll unter anderem zur Bekämpfung von Geldwäsche und Finanzkriminalität aufgewendet werden. Deshalb hat die Auktion auch ein eigenes Motto: „Crime ne paye pas“ …