Der Ex-Geheimdienstagent Frank Schneider ist seit einem Jahr untergetaucht. Laut Recherchen von Reporter.lu führen bislang unbekannte Spuren nach Dubai und Bali. Die Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht auf die Rolle des Luxemburgers in der OneCoin-Betrugsaffäre.

Am 21. März 2020 ist die Welt für Frank Schneider noch in Ordnung. Kurz nach Mittag dreht er mit dem Fahrrad eine Runde über die Palm Jumeirah. Von seiner Wohnung auf der künstlich aufgeschütteten Insel vor Dubai fährt er eine Schleife an Luxushotels, Luxusvillen und einer Moschee vorbei. Der ehemalige Operationschef des Luxemburger „Service de Renseignement de l’Etat“ (SRE) scheint sowohl seine Heimat als auch die Wirren der Vergangenheit um die Geheimdienstaffäre und den „Bommelëeer“-Prozess hinter sich gelassen zu haben.

Warum es Frank Schneider nach Dubai verschlug und wie er in mehreren Ländern in Immobilien investierte, zeigt „Dubai Unlocked“, eine internationale Recherche, an der Reporter.lu beteiligt war. Neben dem Kauf einer Wohnung in Dubai hat der Ex-Spion demnach auch in Indonesien eine Gesellschaft gegründet, um Ferienwohnungen auf Bali zu betreiben. „Luxembourg Citizen, Dubai Resident, Businessman – Travelling Relentlessy“, lautet seine Selbstbeschreibung auf seinem AirBnB-Konto, auf dem er sich vorsichtig nur als „Frank“ bezeichnet.

Die Recherche „Dubai Unlocked“

„Dubai Unlocked“ ist ein Datenbank-Leak, das die Besitzer und Mieter von Hunderttausenden Immobilien in Dubai umfasst. Die Daten stammen größtenteils aus den Jahren 2020 und 2022. Das Leak ging an das „Center for Advanced Defence Studies“ (C4DS), eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Washington D.C., die zu internationalen Konflikten und Kriminalität forscht. Das C4DS teilte die Daten mit dem norwegischen Finanzmedium „E24“ und dem „Organized Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP).

Über sechs Monate lang arbeiteten Journalisten und Journalistinnen von 74 Medien und aus 58 Ländern, darunter Reporter.lu, an dem Projekt. Gemeinsam identifizierten sie Drogenbarone, korrupte Politiker und andere flüchtige Kriminelle, die im Emirat Dubai einen sicheren Hafen gefunden haben.

Der Ursprung für Frank Schneiders neuen Wohlstand ist allerdings auch der Grund, warum sich sein Leben wenige Monate nach der besagten Radtour grundlegend verändern wird: seine Rolle in der sogenannten „OneCoin“-Affäre.

Frank Schneider war ein wichtiger Berater von Ruja Ignatova – der seit Oktober 2017 untergetauchten Gründerin des OneCoin-Netzwerkes, die bis heute auf der „Most Wanted“-Liste des FBI steht. Mindestens vier Millionen Euro verdiente der heute 54-Jährige laut eigenen Angaben seit 2015 mit seinen Tätigkeiten für OneCoin. Um mehr als vier Milliarden US-Dollar sollen Ruja Ignatova und ihre Mitstreiter weltweit Investoren betrogen haben.

Immobiliengeschäfte im Hausarrest

In Abwesenheit der „Cryptoqueen“ Ruja Ignatova ging die US-Justiz mit aller Härte gegen ihre Komplizen vor. Die zuständige Staatsanwaltschaft „Southern District of New York“ beantragte im August 2020 vor einer „Grand Jury“ Einsicht in das Google-E-Mailkonto von Frank Schneider. Mit der Adresse „frankrobertdubai@gmail.com“ hatte er sich auch bei der Fitness-App „Strava“ angemeldet, mit der er seine Runde in Dubai aufzeichnete.

Der Google-Konzern gab dem FBI schließlich Zugang zu Frank Schneiders E-Mails. Ende September 2020 erhob das Bezirksgericht New York Anklage gegen den Luxemburger Ex-Spion und erließ einen Haftbefehl gegen ihn. Die US-Justiz legt ihm bandenmäßigen Überweisungsbetrug („wire fraud“) und Geldwäsche für den Zeitraum 2014 bis 2019 zur Last, wie Reporter.lu bereits berichtete. Auf beide Straftaten stehen laut US-Bundesrecht hohe Geldstrafen sowie Haftstrafen von bis zu 30 Jahre.

Ich muss Ihnen mitteilen, dass ich denke, gewisse Delikte in Luxemburg begangen oder geholfen habe, sie zu begehen.“Frank Schneiders „Selbstanklage“ an die Luxemburger Justiz

Im April 2021 verhaftete die französische Polizei den ehemaligen SRE-Mitarbeiter nahe der Luxemburger Grenze in Audun-le-Tiche. Frank Schneider kam vorerst ins Gefängnis in Nancy, wo er bis zum 22. November 2021 blieb – danach stand er bis zu seinem Verschwinden unter Hausarrest an seinem Zweitwohnsitz im lothringischen Joudreville. Es folgte ein langer Rechtsstreit, denn Frank Schneider versuchte, mit allen Mitteln, seine Auslieferung in die USA zu verhindern.

Während seiner Zeit im Hausarrest tätigte Frank Schneider aber weitere Transaktionen. Aus den Daten der „Dubai Unlocked“-Recherche geht hervor, dass er die Wohnung in Dubai, die er im Jahr 2018 erworben hatte, am 17. Januar 2022 für umgerechnet rund 2,1 Millionen Euro verkaufte. Laut Informationen von Reporter.lu nutzte Frank Schneider für den Verkauf eine Immobilienfirma namens „Palma Holding“. Weiteren Quellen zufolge stellte sich die Firma in Dubai weder beim Kauf noch beim Verkauf der Wohnung Fragen über den Besitzer …