Der DP-Politiker Siggy Rausch ist seit 30 Jahren Mitglied im Steinseler Gemeinderat. Seit den Wahlen 2023 ist er erstmals Schöffe. Seine Söhne sind im Immobiliengeschäft tätig, auch im Auftrag der Gemeinde Steinsel. Der Verdacht eines Interessenkonflikts drängt sich auf.

Es könnte eine Immobilienanzeige wie jede andere sein, wenn es sich beim Verkäufer nicht um eine Gemeinde handeln würde. In der Anzeige preist die „DRP Group“ ein Haus in Heisdorf an, das die Gemeinde Steinsel vor rund zehn Jahren erworben hatte. Die Abkürzung DRP steht für David, Romain und Philippe. Die Firma haben die Zwillingsbrüder David und Philippe Rausch gemeinsam mit ihrem Freund Romain Weynand gegründet. Der Sitz der Firma ist in Steinsel. Dort wuchsen die Brüder auf – und dort sitzt ihr Vater seit drei Jahrzehnten im Gemeinderat.

Die DRP Group ihrerseits ist erst seit fünf Jahren auf dem Immobilienmarkt tätig. Während Philippe Rausch für die Geschäftsleitung des Unternehmens und für das Immobiliengeschäft verantwortlich ist, leitet David Rausch ein Architektenbüro. Die Geschwister führen eine Vielzahl von Unternehmen in der Gemeinde, die trotz des Namens DRP Group nur in der Außendarstellung, aber nicht gesellschaftsrechtlich zusammengehören. Die Zahl der eigenen Projekte, die vollständig von den Rausch-Brüdern erstellt wurden, ist ihrer Webseite zufolge noch recht überschaubar. Die Krise im Bausektor hat die Lage für die Geschwister weiter erschwert. Laut dem Portfolio auf der Internetseite von DRP haben die Brüder lediglich vier Projekte in Eigenregie erstellt. Umso wichtiger sind die kleinen Aufträge, die sie zusätzlich erhalten.

Den Auftrag, das Haus der Gemeinde in Heisdorf zu verkaufen, erhielten die Gebrüder Rausch vom Steinseler Schöffenrat, dem seit den Wahlen im Juni 2023 auch ihr Vater Siggy angehört. Die Umstände des Verkaufs werfen Fragen auf. Die Opposition wittert einen Interessenkonflikt. Dabei ist es wohl nicht das erste Mal, dass der Schöffe wissentlich oder nicht sein Amt für die Kinder ausnutzte.

Vorsichtige Ausgabenpolitik statt Wohnungsbau

Doch der Reihe nach: Warum muss dieses Haus überhaupt verkauft werden? „Der Gemeinderat hat einstimmig entschieden, dieses Haus für die Teilfinanzierung eines weiteren Gebäudes zu verkaufen“, antwortet die Gemeindesekretärin im Namen des Bürgermeisters auf Nachfrage von Reporter.lu.

Konkret geht es um eine weitere Immobilie neben der Schule im Dorfkern von Steinsel, die für einen Ausbau benötigt wurde. Schulden aufnehmen wollte die Gemeinde dafür nicht. „Wenn wir für zehn Millionen Euro Geld leihen, dann sind 800.000 Euro weg“, sagte Bürgermeister Fernand Marchetti (LSAP) während der Gemeinderatssitzung am 22. Mai. Die wirtschaftliche Lage und die hohen Zinsen zwinge die Gemeinde zu einer vorsichtigen Ausgabenpolitik. Gerade die schlechte Lage auf dem Markt sei eher Grund, das Haus im Gemeindebesitz zu lassen, entgegnet dem das Ratsmitglied Bob Morbach (CSV).

Die Rausch-Kinder waren einmal in der Gemeinde. Dann habe ich sie gefragt: Wollt ihr nicht da was bauen. Sie antworteten: Nein, aber wir könnten es verkaufen.“Fernand Marchetti, LSAP-Bürgermeister

„Der Wert des Hauses wurde vor einem Jahr noch auf über eine Million Euro geschätzt, nun verliert die Gemeinde 200.000 Euro an potenziellen Einnahmen, weil zum historisch ungünstigsten Zeitpunkt verkauft werden soll. Damit hätte man zwei Jahre Schuldzinsen zahlen können, um das Haus dann gewinnbringend zu verkaufen“, sagt Bob Morbach im Gespräch mit Reporter.lu. Während dieser Zeit hätte man auch drei Sozialwohnungen im Haus einrichten können …