Seit der Monarchie-Reform muss der großherzogliche Hof erstmals Rechenschaft über die Verwendung staatlicher Gelder ablegen. Dabei zeigt sich: Die Reisekosten sind beträchtlich, nicht zuletzt, weil der Staatschef auch ohne offiziellen Anlass oft im Ausland weilt.

Juli 2021: In den Straßen Viandens steht das Wasser mehrere Zentimeter hoch, es reicht bis in die Läden und Restaurants. Die Sandsäcke, die die Überschwemmung eigentlich aufhalten sollen, liegen nutzlos neben Türen und Geschäftseingängen. Es ist schlammig, auf den Bürgersteigen stapeln sich kaputte Möbel und Schuttberge. Einmal mehr wurde Luxemburg von heftigen Niederschlägen heimgesucht, im Norden des Landes waren die Auswirkungen besonders schlimm.

Die Aufräumarbeiten sind im Gange, Innenministerin Taina Bofferding (LSAP) macht sich ein Bild der Lage. Begleitet wird sie von Großherzog Henri. Dunkelblaues Jackett, beige Hose, Wanderschuhe. Er steht auf einer Brücke, schaut hinunter auf ein kleines Mädchen mit farbenfrohem Regenmantel und legt dem Kind behutsam die Hand auf den Kopf. Hinter seiner Maske – die Corona-Regeln sind noch in Kraft – kann man ein Lächeln erahnen.

Der Großherzog sei gekommen, um den Einwohnern „Unterstützung und Trost zu spenden“, liest man auf der Webseite der „Maison du Grand-Duc“. Dafür ist er nicht etwa von Schloss Berg aus in das rund 30 Minuten entfernte Vianden gefahren. Das Staatsoberhaupt wurde aus der Provence eingeflogen. Dort, in Cabasson, hat die großherzogliche Familie eine Sommerresidenz. Kostenpunkt für den Charterflug: 8.400 Euro. Das geht aus den Spesen der Maison du Grand-Duc hervor, die Reporter.lu exklusiv vorliegen.

Mit dem Privatjet zum Termin in der Heimat

Dass der Großherzog eigens aus seiner Sommerresidenz nach Luxemburg reist, um den betroffenen Einwohnern seine Empathie auszudrücken, mag eine gerechtfertigte Nutzung von öffentlichen Geldern sein – eine dem Notfall geschuldete Ausnahme. Allerdings zeigen die Ausgaben der großherzoglichen Verwaltung auch: Der Großherzog reist öfter für Veranstaltungen von Südfrankreich nach Luxemburg. Die Kosten trägt der Staat, und damit letztlich der Steuerzahler …