Ein Ministerrücktritt, kommunale Korruption, Polizeiaffären und das „Phantom der Chamber“: Das sind nur einige der Recherchen von Reporter.lu, die bei unserer Leserschaft auf besonderes Interesse stießen. Wir präsentieren: unsere meistgelesenen Storys des Jahres 2025.

2025 war wahrlich ein ereignisreiches Jahr. Was für das Weltgeschehen und die Luxemburger Politik gilt, trifft natürlich auch auf den Journalismus zu. Während die Schlagzeilen oft vom tagespolitischen Geschehen dominiert wurden, machte die Arbeit der Redaktion von Reporter.lu aber noch mehr als die Berichterstattung oder das kritische Kommentieren der Aktualität aus.

Unsere investigativen Recherchen sorgten auch in diesem Jahr für mehr Transparenz, deckten Missstände auf und hatten oft spürbare Konsequenzen. Sie bewegten, empörten und lassen jede für sich erahnen, welches Engagement und welche Hartnäckigkeit die Journalistinnen und Journalisten von Reporter.lu auszeichnet.

Die „besten Storys“, die wir Ihnen an dieser Stelle präsentieren, wurden also nicht nur am meisten geklickt und gelesen – sie bewirkten auch etwas, führten zu politischen Diskussionen und schufen so gewissermaßen ihre eigene Aktualität.

Schwarzgeld im Rathaus: Das System Henri R.

Er war der Beamte, dem die Gemeinden vertrauten. Über zwei Jahrzehnte lang pflegte der Gemeindebeamte Henri Reding ein beispielloses System aus Einflussnahme, Freundschaftsdiensten und schwarzen Kassen. Als scheinbar unumgänglicher „Super-Berater“ für Schulmahlzeiten war er für insgesamt 35 Kommunen aktiv und ließ sich unter anderem mit fingierten Spesen und Sitzungsgeldern reichlich entlohnen.

Mit ihrer Recherche „Le fonctionnaire et l’argent noir des communes“ enthüllte Véronique Poujol die Schattenseiten der Luxemburger Kommunalpolitik: Von Hausdurchsuchungen in Dutzenden Rathäusern des Landes über ein diskretes „Jugement sur accord“ bis hin zur Verlegenheit von manchen prominenten Weggefährten. Das Ausmaß der Affäre lässt bis heute große Fragen zur politischen Verantwortung offen und dürfte auch im neuen Jahr noch so manchen Gemeinderat beschäftigen.

(Illustration: Studio Polenta)

Das Ende des Schweigens im „Kannerduerf“

Auch eine weitere unserer meistgelesenen Investigativ-Storys des Jahres geht auf Recherchen der Journalistin Véronique Poujol zurück. Für die Öffentlichkeit galt das „Lëtzebuerger Kannerduerf“ in Mersch stets als sicherer Hafen für Kinder in Not. Doch schwere Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs gegen einen ehemaligen Direktor erschütterten dieses Bild zutiefst. Die Enthüllungen von Reporter.lu vom Oktober 2025 thematisierten nicht nur den Leidensweg des Opfers, sondern zeichneten auch das Bild eines jahrelangen institutionellen Versagens.

(Foto: Mike Zenari)

Von der Affäre Sportmuseum zur Affäre Mischo

Es sollte ein Denkmal für den Luxemburger Sport werden, doch es wurde zum politischen Fiasko – und führte zum Rücktritt eines am Ende politisch untragbaren Ministers. Die exklusiven Recherchen von Reporter.lu zum geplanten nationalen Sportmuseum in Esch gehörten nicht nur zu den meistgelesenen, sondern zweifellos auch zu den folgenreichsten Storys des Jahres 2025.

Was mit einer Recherche von Pol Reuter über das glanzvolle „Prestigeprojekt“ von Ex-Minister Georges Mischo begann, führte letztlich zur latenten Regierungskrise und zu einer unaufhaltsamen politisch-medialen Dynamik. Und auch wenn die CSV-DP-Koalition nach dem „Rücktritt“ und der Kabinettsumbildung jetzt nach vorne blicken möchte, dürfte die Affäre Mischo nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

(Foto: Mike Zenari)

Gewalt, Fälschung, Betrug: Polizeiaffären mit System

„Wa mir dat, wat e Polizist schreift, net méi gleewe kënnen, da kënne mir hei apaken“: Mit diesen Worten brachte es der vorsitzende Richter in einem Prozess um mutmaßliche Polizeigewalt in Esch/Alzette auf den Punkt. Denn, als wäre die mögliche Anwendung von exzessiver körperlicher Gewalt durch Polizeibeamte noch nicht genug, paarte sich diese Anschuldigung mit dem Vorwurf von versuchter Vertuschung. Konkret: Polizisten sollen einen Menschen „wéi e Stéck Véi“ (Zitat des Richters) behandelt und daraufhin den Polizeibericht gefälscht haben.

(Foto: Mike Zenari)

Die Gerichtsreportage „Als Polizisten die Wahrheit fälschten“ ist aber leider nicht das einzige Mal, dass sich unser Journalist Maximilian Richard solchen Verdachtsfällen widmete. In der exklusiven Recherche zur „Akte Bahnhofswache“ blickte er hinter die Kulissen eines Kommissariats, das mittlerweile zum Symbol für systematische Missstände bei der Luxemburger Polizei wurde. Die gleiche Dienststelle war denn auch der Schauplatz für einen weiteren Prozess – und eine weitere, viel beachtete Recherche von Reporter.lu über den „Betrug im eigenen Revier“.

Ein „Phantom“ und eine beispiellose Datenrecherche

Wie fleißig sind unsere Volksvertreter wirklich, also auch wenn die Kameras aus sind? Eine weitere unserer meistgelesenen und -diskutierten Storys des Jahres 2025 war die aufwändige Recherche zur Anwesenheit der Abgeordneten in den Ausschüssen – also dort, wo die eigentliche Arbeit an Gesetzen stattfindet. Während Luxemburgs Parlament bisher nur die Präsenz der Abgeordneten im Plenum in nachvollziehbarer Form dokumentiert, werteten Pol Reuter und Laurent Schmit mit einem eigens programmierten Code über 3.000 Ausschussberichte aus sieben Jahren aus.

Das Ergebnis war ein kleiner politischer Paukenschlag, den selbst die Journalisten zu Beginn ihrer Datenanalyse nicht erwarteten: Denn der heutige Minister Serge Wilmes fehlte in seiner Zeit als Parlamentarier bei sage und schreibe 80,1 Prozent aller Kommissionssitzungen. Statistisch gesehen war demnach die Chance auf einen Gewinn bei der „Picobello“-Lotterie größer, als den CSV-Politiker bei der Arbeit im Ausschuss anzutreffen.

(Foto: Mike Zenari)

Unsere Berichterstattung entlarvte nicht nur „Das Phantom der Chamber“, sondern auch die gängige Ausrede der Doppelmandate. Die Auswertung der Daten zeigte nämlich, dass manche Bürgermeister oder Schöffen ihren Job im Parlament deutlich ernster nahmen als andere.

Die Recherche lässt sich durchaus als Musterbeispiel für modernen Datenjournalismus bezeichnen, denn sie schaffte konkret und nachweislich dort die nötige Transparenz, wo die Institution des Parlaments sie der Öffentlichkeit vorenthielt. In diesem Sinn veröffentlichte Reporter.lu die Daten, auf denen die Recherche basierte, auch auf der staatlichen Open-Data-Plattform.

(Illustration: Studio Polenta/Reporter.lu)

Politische Analysen und Hintergrundberichte

Neben diesen fünf größten Storys stießen jedoch auch andere Beiträge auf besonderes Interesse unserer Leserinnen und Leser. Im Jahr 2025 fanden übrigens knapp 180.000 aktive Nutzer den Weg auf unsere Webseite und verweilten dort durchschnittlich rund vier Minuten. Insgesamt wurden die Inhalte auf Reporter.lu seit dem 1. Januar 2025 über 720.000 Mal aufgerufen.

Dazu gehören die politischen Hintergrundberichte „Auch Abgeordnete müssen Steuern zahlen“ über die Steuerschulden des Piraten-Abgeordneten Marc Goergen, „Die ahnungslosen Abgeordneten der DP“ über das Regierungswirrwarr in der Rentenpolitik und „Auf dem Weg zum CSV-DP-Staat“ über eine neue Nominierungswelle von politischen Beamten durch die seit Ende 2023 regierende schwarz-blaue Koalition.

Auch einige unserer politischen Analysen und Kommentare – wie etwa zur Rentenreform, zum Sozialdialog, zum Umgang mit dem Populismus der ADR oder zur Rolle der „Spuerkeess“ in der Caritas-Affäre – platzieren sich auf den vorderen Rängen der meistgelesenen Artikel.

Recherchen, die bewegen und etwas bewirken

Gleiches gilt natürlich für die vielen Recherchen, die es vielleicht nicht auf die große politische Bühne schafften, dafür aber umso mehr Probleme und Fehlentwicklungen thematisierten, welche die Allgemeinheit angehen. Dazu gehören „Die Notarin, die keine Fragen stellte“ über die missachteten Berufspflichten der bekannten Notarin Karine Reuter, „Wie Ärzte ein Berufsverbot umgehen können“ über systematische Missstände in der EU bei der Kontrolle von Berufsverboten in der Medizin oder die Reportage „15 Jahre Rechtsstreit nach missglückter Operation“ über den Leidensweg eines querschnittsgelähmten Opfers von mutmaßlichen medizinischen Behandlungsfehlern.

Auch die Recherchen über die Hintergründe von andauernden Justizaffären, wie „L’heure des comptes pour un promoteur systémique“, „Le détonant parcours des Ferrari de Grand Frais“, „SpuerkeessLeaks, une affaire sensible classée“ oder „L’agent du fisc et ses activités occultes“, zogen die gesteigerte Aufmerksamkeit unserer Leserschaft auf sich.

Ein besonderer Fall ist die internationale Recherche „Scam Empire“, an der Reporter.lu dieses Jahr beteiligt war. Infolge der Recherche beschleunigten zahlreiche Länder – darunter Frankreich, Belgien und Deutschland – ihre Ermittlungen zum weltweit organisierten Krypto-Betrug. In den vergangenen Wochen richteten sich erste Durchsuchungen und Festnahmen unter Leitung von Europol gegen ein Netzwerk, das über 700 Millionen Euro an Kryptowährungen gewaschen haben soll.

All diese Recherchen von Reporter.lu blieben in diesem Jahr also nicht folgenlos. Der Impakt unserer Arbeit lässt sich etwa anhand von parlamentarischen Anfragen, Debatten im Parlament oder in Gemeinderäten nachvollziehen. Auch die Reaktionen unserer Leserinnen und Leser zeigen uns nicht nur, dass es noch viel zu tun gibt. Sie zeigen auch, dass unser Journalismus etwas bewirken kann – und dass wir zum Glück nicht alleine sind mit unserer Überzeugung, dass Transparenz, Rechenschaftspflicht und informierte Debatten für das Funktionieren einer modernen Demokratie unabdingbar sind.


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