Die Notarin Karine Reuter muss sich vor Gericht verantworten. Sie soll ihre Berufspflichten im Kampf gegen Geldwäsche missachtet haben. Hintergrund sind Immobiliendeals mit dubiosen Investoren aus Aserbaidschan. Es ist nicht der erste Fall ihrer Berufsgruppe.
„Dat ass een Néant total. Dat ass ee Laxismus, dee senges Gläiche sicht“, resümiert die stellvertretende Staatsanwältin Dominique Peters die Vorwürfe gegen Karine Reuter rund zwei Stunden nach Prozessbeginn. Die Anklage gegen die bekannte Notarin lautet auf Missachtung der Geldwäscherichtlinien, denen ihr Berufstand unterliegt.
Das Anti-Geldwäsche-Gesetz von 2005 sieht unter anderem vor, dass Notare eine Risikoeinschätzung ihrer Kunden vornehmen und angemessene Maßnahmen ergreifen müssen, um nachzuvollziehen, woher deren Gelder stammen. In diesem konkreten Fall, der diese Woche vor der siebten Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg verhandelt wurde, geht es dabei um mehrere Immobilientransaktionen aus dem Jahr 2017.
Die Notarin finalisiert zu der Zeit eine Reihe Immobiliendeals von Investoren aus Aserbaidschan. Diese wollen mehrere Immobilien in Luxemburg-Stadt und in der Gemeinde Bartringen kaufen. Die Verkäufe werden über zwei Gesellschaften abgewickelt: „Global Build International“ und „Landscape Development“. Zwischen April und Dezember fließen dabei einmal 1,44 Millionen Euro sowie ein weiteres Mal 501.000 Euro zwischen den Konten der Gesellschaften bei der „ABLV Bank“ und dem Firmenkonto von Karine Reuter bei der „Spuerkeess“.
Globaler Geldwäsche-Automat
Die Muttergesellschaft der ABLV im lettischen Riga wird 2018 aufgrund von Geldwäschevorwürfen der US-Finanzverfolgungsbehörde „Fincen“ abgewickelt. Die Bank steht im Zentrum der Affäre um den sogenannten „Aserbaidschan Laundromat“ mit im Fokus dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew und Mitgliedern seines Machtapparats. Neben dem Verdacht auf Geldwäsche und Korruption geht es damals auch um die mögliche Einflussnahme auf europäische Politiker durch Aserbaidschan.
Am Staatsrot hunn ech gesot: Dee GAFI geet mir fuerchtbar op d’Strëmp.“Lydie Lorang, Anwältin von Karine Reuter
Infolge der Auflösung der lettischen Muttergesellschaft gerät auch die Luxemburger Tochtergesellschaft unter Druck. Die „Commission de surveillance du secteur financier“ (CSSF) ordnet im selben Jahr die Liquidierung der Bank an. In diesem Zusammenhang signalisiert die Finanzaufsicht auch die verdächtigen Transaktionen zwischen den beiden Firmen und Karine Reuter bei der „Cellule de renseignement financier“ (CRF).
Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft nimmt die Justiz kurz darauf Ermittlungen auf. Diese sollen vor allem klären, ob die Notarin die nötigen Schritte unternommen hat, um nachzuvollziehen, woher das Geld der Investoren aus Aserbaidschan stammt. In diesem Zusammenhang kommt es im März 2019 zu einer Hausdurchsuchung in den Geschäftsräumen von Karine Reuter. Dabei werden auch mehrere Dokumente beschlagnahmt …
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