Das Science Center will seine Missstände hinter sich lassen und nach vorne schauen. Der langjährige Direktor wurde entlassen und eine Nachfolgerin eingestellt. Seitdem läuft die interne Aufarbeitung weiter. Die Verfehlungen des Gründers werden dabei umso deutlicher.
„Wir fangen wieder mit einem weißen Blatt an“, sagt Camille Feyder im Gespräch mit Reporter.lu. Der neue Präsident des „Luxembourg Science Center“ bezieht sich dabei auf die Zukunft des Wissenschaftszentrums in Differdingen. Unter dem Gründer und langjährigen Direktor Nicolas Didier sollte das Zentrum noch in nahegelegene Hallen von „ArcelorMittal“ umziehen. Sein Unternehmen „GGM 11“ sollte dafür die Renovierungsarbeiten übernehmen. Inzwischen wurde per Gericht ein Insolvenzverfahren gegen die Firma eingeleitet und von den Plänen, die sein Sohn einst für den Ausbau erstellt hatte, will heute niemand mehr etwas wissen. Auch Nicolas Didier ist nicht mehr Teil des Science Center.
Das ist allerdings nicht das einzige „weiße Blatt“, vor dem die neue Führung des Science Center sitzt. Das Wissenschaftszentrum befand sich seit März 2023 im Krisenmodus. Zu dem Zeitpunkt hatte Reporter.lu erstmals über die Missstände im Science Center berichtet. Seitdem musste die Organisation des Zentrums umstrukturiert, neues Personal eingestellt und Vertrauen bei Investoren wiedergewonnen werden. Weitere Posten konnten noch immer nicht besetzt werden. Doch der Reihe nach – beziehungsweise zurück auf Anfang.
Am Anfang steht ein offensichtlicher Interessenkonflikt. Nicolas Didiers Unternehmen GGM 11, das er als Direktor führte, arbeitete nämlich jahrelang exklusiv für das Wissenschaftszentrum, das er ebenfalls als Direktor leitete und dessen Verwaltungsrat er zudem noch als Präsident vorstand. Da die Aufträge des Science Center nicht öffentlich ausgeschrieben wurden, konnte Nicolas Didier die Preise dafür frei festlegen, die er dann als Präsident und Direktor des Science Center an sich selbst als Unternehmer zahlte.
Aufbruch durch Rauswurf
Finanziert wurde dieses lukrative System vor allem vom Bildungsministerium. Doch zeitgleich mit den Recherchen von Reporter.lu wurde auch das Ministerium stutzig. Claude Meisch (DP) schaltete zum gleichen Zeitpunkt die Finanzinspektion ein, die auf mehrere auffällige Rechnungen stieß. Daraufhin kündigte das Ministerium die Konvention mit dem Zentrum bis auf Weiteres auf. Eine Übergangsfinanzierung für ein Jahr sollte das Überleben gewährleisten. In der Zwischenzeit sollte das Zentrum mehrere Bedingungen des Ministeriums erfüllen. Dazu zählte etwa eine Reform der Satzung, die dafür sorgen würde, dass Nicolas Didier nicht gleichzeitig Direktor und Präsident des Science Center sein könnte.
Wir waren zu lange zu gutgläubig. Die Kritik, dass wir zu lange nicht gehandelt haben, müssen wir über uns ergehen lassen.“Camille Feyder, Präsident des Verwaltungsrates
Da nach über einem Jahr keine der Bedingungen von Claude Meisch erfüllt war, musste die Übergangsfinanzierung verlängert werden. Erneut begründete der Minister das damit, dass man verhindern wolle, dass das Zentrum seine Türen schließen musste. Allerdings verlor er langsam die Geduld mit Nicolas Didier. Der Konflikt beruhte hauptsächlich auf drei Rechnungen, für die das Ministerium nicht aufkommen wollte. Sie beliefen sich auf rund 1,9 Millionen Euro und waren innerhalb kurzer Zeit, gleich nach dem Beschluss des Ministeriums, die Konvention aufzukündigen, erstellt worden. Dabei handelte es sich um fast identische Rechnungen, die jedoch eine Differenz von 790.000 Euro aufwiesen.
Am 5. Juli 2024 stellte der Verwaltungsrat sich noch hinter Nicolas Didier und erklärte, der Prüfbericht könne „nicht bestätigen, ob die Rechnungen der Realität entsprechen, jedoch ohne Beweise für diese Erkenntnis zu liefern“. Zwei Wochen später lenkte er ein und stimmte den Bedingungen des Ministeriums zu …
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