Seit einem Jahr hängt die Zukunft des „Luxembourg Science Center“ in der Schwebe. Der Gründer des Zentrums tut sich schwer, die Bedingungen für die staatliche Finanzierung zu erfüllen. Dabei bestätigten sich in den vergangenen Wochen neue schwere Missstände.
Nicolas Didier hat noch eine Rechnung mit Claude Meisch offen – das glaubt er zumindest. Der Präsident, Gründer und Direktor des „Luxembourg Science Center“ (LSC) wollte auf der Kostenübernahme des Staates für drei Forderungen im Wert von 1,9 Millionen Euro bestehen. Genau dieser Betrag hatte beim Bildungsministerium bereits vor einem Jahr Fragen aufgeworfen. Denn von zwei der drei Rechnungen gibt es unterschiedliche Versionen, die innerhalb kurzer Zeit erstellt wurden und insgesamt rund 790.000 Euro auseinanderliegen.
Der Streit nahm teils absurde Züge an. Ein Audit sollte klären, ob die Stundenabrechnung auch der geleisteten Arbeit entsprach. Für den Verwaltungsrat des Wissenschaftszentrums war vor fast drei Wochen die Sache klar: „Das Audit kann nicht bestätigen, ob die Rechnungen der Realität entsprechen, jedoch ohne Beweise für diese Erkenntnis zu liefern“, hieß es in einer Resolution des Verwaltungsrates vom 5. Juli.
Inzwischen ist der Ton ein anderer. Am vergangenen Samstag verschickte der Verwaltungsrat eine neue Resolution an die Presse. „Die Mitglieder des Verwaltungsrates akzeptieren die Bedingungen des Bildungsministeriums“, schrieben die Verantwortlichen nun. Im Umkehrschluss sei damit die Zahlung von rund 1,9 Millionen Euro an die Firma „GGM11“, die ebenfalls Nicolas Didier gehört, vom Tisch. Der Sinneswandel wurde nötig, weil die Finanzierung des Zentrums nicht mehr gesichert ist.
Dieses Risiko besteht bereits seit Monaten. Der öffentliche Druck wuchs, seitdem die Ergebnisse des Audits bekannt geworden waren. Das bewirkte nun einen Kurswechsel. Doch ein wichtiger Teil der Verhandlungen steht noch aus, sodass die Zukunft des Zentrums längst nicht gesichert ist.
Ein Spiel auf Zeit
Die Bedingungen für eine weitere Zusammenarbeit des Ministeriums mit dem Wissenschaftszentrum stehen seit einem Jahr fest. Eigentlich hatte Nicolas Didier diese bereits im Oktober 2023 akzeptiert, als er das „Protocole d’entente“ mit dem Bildungsministerium unterzeichnete. Doch das schien danach wieder vergessen. Im April – kurz vor Ablauf der ersten Übergangskonvention – hatte das Science Center keine der Bedingungen erfüllt. Erst einen Monat zuvor einigten das Ministerium und der Verwaltungsrat des Zentrums sich, welche Beratungsfirma den Zuschlag für die Überprüfung der strittigen Rechnungen erhält. Dies war allerdings nur eine der Bedingungen des Ministeriums.
L’analyse révèle des ratios élévés pour certains de ses employés, avec des taux multiplicateurs supérieurs à 6, sur base des taux horaires facturés au LSC.“KPMG-Audit zum Science Center
Die Ergebnisse dieser Überprüfung hat „KPMG“ vor gut einem Monat dem Ministerium und dem Science Center präsentiert. Das Dokument liegt Reporter.lu inzwischen vor. Auch hier spielte Nicolas Didier erneut auf Zeit. Erst eine Woche vor dem Auftragsende der Auditfirma hatte diese Tausende von Dokumenten vom Science Center und von GGM11 erhalten. Rund 500 folgten einen Tag vor Abschluss des finalen Berichts, beklagten die Prüfer. Obwohl ein Großteil der beantragten Dokumente erst kurz vor Ende geliefert wurde, konnte die Firma mehrere Zweifel an der Wahrhaftigkeit der Rechnungen erheben.
Doch die Interpretationen der Ergebnisse könnten kaum unterschiedlicher sein …
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