Erstmals muss sich ein Führungsmitglied der Cenaro-Gruppe vor Gericht verantworten. Im Zentrum des Prozesses steht eine Luxusuhr und der Verdacht der Veruntreuung von Firmengeldern. Das Hauptverfahren zur Cenaro-Affäre steht allerdings noch aus.

Es ist eine eher ungewöhnliche Verteidigungslinie, mit der der Anwalt Geoffrey Paris seinen Mandanten an diesem Morgen vor Gericht vertritt: Im Vergleich zu den anderen Verfahren, die gegen den Angeklagten liefen, sei dieser Sachverhalt doch „Peanuts“. Er könne nicht verstehen, dass sich die Richter überhaupt mit einer solchen Affäre beschäftigen, so Geoffrey Paris in seinem Plädoyer vor der zwölften Strafkammer des hauptstädtischen Bezirksgerichts.

Sein Mandant, das ist Christophe Chevallier. Der gebürtige Franzose war bis Anfang 2022 Vorstand der „Cenaro Group“. Die Immobiliengruppe steht wie vielleicht keine andere für die Goldgräberstimmung, die bis vor einigen Jahren auf dem Luxemburger Immobilienmarkt herrschte. Investoren versprach Cenaro Traumrenditen, teilweise zwischen zehn und zwölf Prozent. Käufer lockte die Immobilienfirma mit dem Traum vom Eigenheim. Reporter.lu berichtete mehrmals über die Affäre, zum ersten Mal exklusiv im Dezember 2022.

Zeitweilig beschäftigte die Immobiliengruppe rund 320 Mitarbeiter und konnte auf Investitionen in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro zurückgreifen. Die Führungsriege um Christophe Chevallier und seinen Geschäftspartner Arnaud Emmenecker lebte in Saus und Braus, samt teuren Autos und mitunter monatlichen Spesen im fünfstelligen Bereich.

Doch dann fiel das Kartenhaus in sich zusammen. Käufer warteten vergeblich auf die Fertigstellung ihrer Häuser und Investoren auf ihr Geld. Schnell wurde aus der vermeintlichen Erfolgsgeschichte ein Fall für die Gerichte.

Eine Rolex auf Firmenkosten

Was an diesem Morgen vor Gericht verhandelt wird, könnte als ermittlungstechnischer Beifang bezeichnet werden. Und doch: Es ist das erste Verfahren, in dem sich ein ehemaliges Mitglied der Geschäftsführung in der Cenaro-Affäre juristisch verantworten muss.

Eigentlich geht es dabei nur um eine Uhr. Konkret: Eine „Rolex Milgauss“, Kaufpreis knapp 14.000 britische Pfund, umgerechnet rund 16.000 Euro. Die Ermittler hatten das Exemplar Anfang 2023 bei einer Hausdurchsuchung im Privatdomizil von Christophe Chevallier sichergestellt. Die Durchsuchung fand im Rahmen der Ermittlungen in der Cenaro-Affäre statt …