Ein Jahr nach einer der größten Immobilienpleiten der Luxemburger Geschichte warten einige Betroffene noch immer auf ihre Wohnung, andere wohnen mittlerweile in ihrem neuen Zuhause. Doch spurlos ist die „Cenaro-Affäre“ an den Wenigsten vorbeigegangen.

Es ist kurz vor Mittag an einem nassen Dezembermorgen in Godbringen und die Pumpe pumpt. Der Keller samt Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses steht unter Wasser und seit dem frühen Morgen versuchen einige Besitzer, das Wasser zu bekämpfen. Der Rohbau ist nicht an die Kanalisation angeschlossen und demnach kann das Wasser nirgends hin. Die Besitzer hoffen durch die Maßnahme mögliche Folgeschäden an dem Gebäude zu verhindern.

Die Gullydeckel und Teile der Verrohrung liegen zwar gleich hinter dem Absperrzaun und sind eigentlich bereit, eingebaut zu werden. Doch passiert ist seit einem Jahr nichts. Wie eingefroren wirkt die Baustelle. Neben Eimern mit Mörtelresten und Verschalungsbrettern erinnert an einem Gitter eine unscheinbare Banderole daran, wieso das so ist: „Cenaro Promotions“.

Cenaro: Dieser Name, über den Reporter.lu erstmals im Dezember 2022 exklusiv berichtete, steht seit mittlerweile einem Jahr für eine beispiellose Firmenpleite: strafrechtliche Ermittlungen, unfertige Immobilienprojekte und Menschen, die nicht wissen, ob ihre Wohnung je fertig gebaut wird und wie sie das alles finanzieren sollen.

Die Nachwehen eines möglichen Betrugs

Sven* und Max* sind zwei davon. Sie haben sich an diesem Dezembermorgen erneut Urlaub genommen. Beide sind Anfang-Mitte 30, beide arbeiten beim Staat und beide wollen ihren richtigen Namen nicht in der Presse lesen. Eigentlich sollten sie längst hier wohnen. Stattdessen warten sie darauf, wie es weitergeht. „Wir wollen natürlich, dass unsere Wohnungen weitergebaut werden. Doch ob und wann das passiert, ist unklar“, sagt Max.

Die Betroffenen haben eine eigene Whatsapp-Gruppe gegründet, ihre Interessen lassen sie von einem Anwalt vertreten. Denn auch wenn sie eigentlich eine Wohnung erworben haben, die Entscheidung, was mit dem Haus in der Gemeinde Junglinster passiert, liegt nicht alleine bei ihnen.

Die sogenannte „Garantie d’achèvement“ soll Käufer absichern, wenn ein Immobilienentwickler in Schieflage gerät. Die Versicherung ist bei jedem Neubau Pflicht. Dabei wird der Kaufpreis über eine Garantie gedeckt. Möglich ist entweder eine Versicherung über die Bank oder über einen Rückversicherer. Kommt es zum Schadensfall, sieht die Garantie zwei Szenarien vor: Entweder der Versicherer finanziert den Weiterbau oder das bereits investierte Kapital wird den Käufern erstattet. Demnach hängt die Entscheidung, ob überhaupt weitergebaut wird, maßgeblich vom Bauversicherer ab. Im Fall von Cenaro ist das die Gesellschaft „Stonefort“, die sich bei der administrativen Bearbeitung vom Versicherungsmakler „Eurocaution“ unterstützen lässt.

Stonefort und Eurocaution antworten schriftlich auf einen Fragenkatalog von Reporter.lu. Auf die Frage, wieso so lange nichts auf den Baustellen passiert sei und wer am Ende weiterbauen wird, erklärt die Versicherung: „Stonefort hat den Käufern von Anfang an klar mitgeteilt, dass die Fertigstellung der Immobilienprojekte zwar durch den Versicherungsgeber im Rahmen der Garantie finanziert werde, die Rolle des eigentlichen Bauträgers jedoch automatisch auf die Käufer übergegangen sei.“ Die Verpflichtungen des Versicherers seien ausschließlich finanzieller Natur und würden sich auf die im Lastenheft der Wohnungen festgehaltenen Leistungen beschränken, so der Bauversicherer weiter.

Wir wurden von unserem Immobilienentwickler beklaut und wir wollen, dass die Versicherung diesem Umstand Rechnung trägt.“Paul, betroffener Käufer

Mit ihrem Problem sind Sven und Max und die anderen Käufer in Godbringen nicht alleine. Rund ein Jahr nachdem Reporter.lu erstmals über den Fall Cenaro berichtet hatte, herrscht auf vielen Baustellen weiterhin Stillstand. Und immer sind die Probleme nahezu die gleichen. Welche Arbeiten hat Cenaro wirklich ausgeführt? Wurden diese Arbeiten auch tatsächlich bezahlt? Wenn nicht, was heißt das für die ursprüngliche Finanzierung der Käufer? Und vor allem: Wird der Weiterbau finanziert oder geht die Versicherung auf den Weg einer finanziellen Erstattung?

Stillstand auf Baustellen

Dann gibt es noch die anderen Fälle. Jene, bei denen sich die Käufer dafür entschieden haben, auf ihren Versicherungsanspruch zu verzichten und selbst weiterzubauen. Und auch wenn einige von ihnen mittlerweile in ihrem Haus wohnen, begleitet die Cenaro-Pleite sie bis heute. Neben den finanziellen wiegen auch die psychischen Folgen für viele Betroffene schwer …