Lydia Mutsch hat als Gesundheitsministerin einige große Projekte umsetzen können, musste dafür aber mindestens genauso viele Streitgespräche über sich ergehen lassen. Dabei sind Konfliktsituationen nicht gerade ihre Stärke. Ein Porträt.

Wie von einem gelben Kokon wird Lydia Mutsch umhüllt. Der Ohrensessel, in dem sie Platz nimmt, wirkt übergroß für die zierliche Frau. Sie versinkt praktisch darin, rutscht für das Gespräch lieber wieder ein Stück weit nach vorne.

Nein, auf den ersten Blick erweckt die Ministerin nicht gerade den Eindruck einer zähen Polit-Figur, eher so als könnte ein kurzer, kräftiger Windstoß sie einfach umwerfen. In den vergangenen fünf Jahren musste sie aber einigen politischen Stürmen standhalten. Immer wieder hagelte es Kritik.

Dabei ist sie vorsichtig mit dem, was und wie sie etwas sagt. Vielleicht zu vorsichtig. Auf jede Frage antwortet sie erst einmal mit einem kurzen „Ja“, dann erst kommt ihre eigentliche Antwort. So gewinnt sie ein paar Millisekunden Zeit, kann ihre Gedanken noch einmal schnell ordnen.

Denn alles will sie erklären. Sie holt weit aus, um am Ende vielleicht auf den Punkt zu kommen. Zahlen zu Budgets oder Investitionen hat sie nicht immer im Kopf. Lieber steht sie während des Gesprächs auf, geht zum Schreibtisch und macht sich eine Notiz, um noch einmal bei ihren Beratern nachzufragen.

Das Problem, das sie sich dadurch einhandelt: Sie wirkt eher zurückhaltend als stark, erzählt viel, aber oft wenig Konkretes. Sie geht auf Nummer sicher, und offenbart genau so ihre fehlende Selbstsicherheit.

Wenn die Unsicherheit kommt

Bei Bürgerversammlungen versucht sie sich dennoch locker zu geben. Die Brille steckt in den Haaren, direkter Blickkontakt mit dem Moderator und dem Publikum. Alles so, wie es nach außen hin sein soll. Bis ihre Unsicherheit ihr dann doch manchmal in die Quere kommt.