Die Aufarbeitung der Missstände beim Gemeindesyndikat SIGI erweist sich als sehr aufwendig. Ein externer Berater füllt die Lücke aus, die Direktor Carlo Gambucci hinterlassen hat. Seine kostspieligen Rechnungen werfen jedoch Fragen auf.

Für Pierre Mangers war 2022 ein gutes Jahr. Sein Beratungsunternehmen „Manghini S.A.“ erzielte einen Umsatz von 238.463 Euro und damit rund 160.000 Euro mehr als im Vorjahr. Laut dem Handelsregister war es das beste Geschäftsjahr seit der Gründung der Ein-Mann-Firma. Die Zahlen für 2023 könnten diese gute Bilanz allerdings nochmal deutlich übersteigen. Zu verdanken hat er diesen Aufschwung dem „Syndicat Intercommunal de la Gestion informatique“, kurz SIGI.

Das Gemeindesyndikat ist seit fast zwei Jahren dabei, jene Missstände aufzuarbeiten, über die Reporter.lu im Juni 2022 exklusiv berichtet hatte. Unter anderem waren drei Audits in Auftrag gegeben worden. Um diesen Prozess zu begleiten und die entsprechenden Ausschreibungen vorzubereiten, griff das SIGI wie so oft auf externe Hilfe zurück. Schnell fiel die Wahl auf Pierre Mangers. Mit dem Wirtschaftsberater hatten sowohl der jetzige Präsident des Syndikats, Philippe Meyers (LSAP), als auch sein Stellvertreter, Guy Breden (CSV), bereits in Esch/Alzette und Luxemburg-Stadt zusammengearbeitet – den Gemeinden, in denen sie hauptberuflich als Informatiker tätig sind.

Es gab viel zu tun. „Wir standen da wie der Ochs vor dem Berg“, sagt Philippe Meyers im Gespräch mit Reporter.lu. Die Missstände beim Informatiksyndikat betrafen nämlich fast alle Bereiche. Das Syndikat wurde den Anforderungen der Gemeinden nicht mehr gerecht, die Finanzen wiesen Auffälligkeiten auf und das Personal warf der Direktion Mobbing und Machtmissbrauch vor. Der Umfang der Missstände veranlasste den erweiterten Vorstand dazu, bereits im September 2022 vor Beginn der Audits das Budget für diese zu erhöhen.

Drei Audits für 370.000 Euro

Für das Finanzaudit waren ursprünglich lediglich 60.000 Euro vorgesehen. Doch allein für diese Aufgabe erhielten die Prüfer von „Muller & Associés“ bereits 135.000 Euro. Weitere 44.240 Euro flossen an die Firma „Quest“, die bei den Mitgliedsgemeinden eine Umfrage über die Zufriedenheit mit dem SIGI durchführte. Das teuerste Audit betraf das Personalmanagement. Der Vorstand war sich offenbar des Ausmaßes des personellen Missmanagements nicht bewusst. „Wir hatten mit rund 20 Personen gerechnet, die bereit wären, über die Arbeitsbedingungen zu reden. Letzten Endes waren es allerdings deutlich mehr als das“, sagt Philippe Meyers. Für dieses Audit erhielt „Arendt & Medernach“ denn auch fast 188.000 Euro.

Wir bezahlen heute den Preis für jahrelanges Missmanagement.“
Philippe Meyers, Präsident des SIGI

„Das sind die Kosten, um zu bestätigen, was zuvor bei Reporter.lu zu lesen war“, sagt der SIGI-Präsident Philippe Meyers. Doch das ist nur ein Bruchteil der tatsächlichen Kosten für die Aufarbeitung. Die Mission von Pierre Mangers ist nämlich gut ein Jahr nach Veröffentlichung der Audits noch immer nicht beendet.

„Nach den Audits waren wir in einem totalen Ausnahmezustand, in dem das Syndikat quasi kopflos war“, sagt Philippe Meyers. Zur Erinnerung: Der ehemalige Direktor Carlo Gambucci, gegen den sich ein Großteil der Kritik und der Vorwürfe richtete, hatte sich im Juli 2022 krankschreiben lassen, nachdem die Audits beschlossen worden waren. Anschließend nutzte er sein gut gefülltes Zeitsparkonto, um bis zu seinem Renteneintritt am 1. Mai dieses Jahres dem Syndikat gänzlich fernzubleiben. Zuvor hatte bereits die Verantwortliche für die Kommunikation gekündigt …