Die Lehre über die Einzigartigkeit der Shoah ist eine konstante Herausforderung. Hierzulande arbeiten die Schulen zudem oft mit veralteten Büchern, in denen Luxemburgs Rolle im Zweiten Weltkrieg kaum vorkommt. Neue Konzepte und didaktische Materialien sollen gegensteuern. 

Die heute 20-Jährige Marie-Brufina Leshwange-Mokita gehörte damals noch zu den Kleinen ihres Lyzeums, als ihre Klasse Besuch von Schülerinnen und Schülern der Oberstufe bekam, die gerade von ihrer Reise nach Auschwitz zurückgekehrt waren. „Den Tag werde ich nie vergessen“, sagt Marie im Gespräch mit Reporter.lu. Die Älteren erzählten von ihrer Begegnung mit einem Zeitzeugen. „Während sie von dem alten Mann sprachen, hatten sie Tränen in den Augen und wir hingen an ihren Lippen“, erinnert sich Marie.

Heute, am 28. Oktober 2021, fährt wieder eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern nach Auschwitz. Die Gelegenheit, einen Zeitzeugen zu treffen, haben sie nicht mehr. Paul Sobol, der Holocaust-Überlebende, der die Schülergruppen aus Luxemburg jahrelang begleitet hatte, ist im November vergangenen Jahres gestorben.

Zeitzeugen gehen verloren

Dabei ist die Authentizität von Zeitzeugen schwer durch historische Fakten, Bücher oder Filme zu ersetzen. Doch nun, 82 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges, muss Erinnerungsarbeit überwiegend ohne diese Unmittelbarkeit auskommen. Gleichzeitig hat die Geschichtsforschung in den letzten Jahren viele neue Kenntnisse hervorgebracht, besonders über die Rolle Luxemburgs im Zweiten Weltkrieg.

Zeitliche Distanz einerseits und neue Forschungsergebnisse andererseits stellen die Geschichtsvermittlung vor große Herausforderungen. Diskussionen wie jene um die Vermischung der Opferkategorien bei einer Stolperstein-Verlegung in Junglinster, sowie Vergleiche zwischen den Corona-Maßnahmen der Regierung und der Judenverfolgung im Dritten Reich machen den Handlungsbedarf deutlich.

Mehr als 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges geht es nicht mehr darum, die altbekannten und liebgewonnenen Narrative weiterzuvermitteln, die die Geschichte eines kleinen, wehrhaften Landes erzählen.“Zentrum fir politesch Bildung

„Wir brauchen eine konsequente Beschäftigung mit der Shoah in unseren Schulen“, sagt Mil Lorang, Autor des Buches „Luxemburg im Schatten der Shoah“, im Gespräch mit Reporter.lu. Der Nationalsozialismus sei ein perfektes Beispiel, um Schülern und Schülerinnen zu zeigen, was passiert, wenn humanistische und demokratische Werte umgekehrt würden …