Die traditionelle Presse steht wirtschaftlich massiv unter Druck. Je schneller ihre Auflagen sinken, desto mehr scheuen sich Luxemburgs Printmedien aber, die Krise im eigenen Interesse öffentlich zu thematisieren. Dabei ist die Lage zunehmend kritisch. Eine Analyse.

„Ist das noch meine Zeitung?“, fragte sich das „Luxemburger Wort“ neulich im Namen einer zweifelnden Leserin. Die Frage sei sowohl ehrlich als auch berechtigt, schreibt Chefredakteurin Ines Kurschat in ihrem Lagebericht in eigener Sache. Eine Zeitung befinde sich ständig im Wandel und müsse sich deshalb auch immer wieder neu erfinden, heißt es weiter.

Ebenso offensichtlich ist aber, dass immer weniger Menschen diese Frage mit „Ja“ beantworten. Denn was die Chefredakteurin nicht schreibt: Das „Luxemburger Wort“ verliert seit Jahren Abonnenten.

So wurden im Jahr 2009 noch durchschnittlich fast 70.000 „Wort“-Exemplare pro Tag verkauft, wie die Erhebungen des belgischen „Centre d’Information sur les Médias“ (CIM) zeigen. 2018 waren es noch etwas mehr als 52.000. Heute beträgt die bezahlte Auflage noch rund 44.000 (darunter knapp 9.000 Digitalabos). Das entspricht einem Rückgang um fast 15 Prozent innerhalb der letzten acht Jahre.

Auflagenschwund und Rationalisierung

Seit dem Verkauf an den belgischen Konzern „Mediahuis“ im Jahr 2020 verfolgt das „Luxemburger Wort“ zwar eine konsequente Digitalstrategie. Das zeigt sich auch in einem stetigen Anstieg der Online-Abos. Doch kann dieser positive Trend den Sinkflug im Print kaum kompensieren. Der CEO der „Mediahuis Group“, Gert Ysebaert, hatte einst in seinem Antrittsinterview einen Anteil an digitalen Lesern von „40 bis 50 Prozent“ als Benchmark ausgegeben. Davon ist die traditionsreiche Tageszeitung jedoch auch sechs Jahre nach dem Eigentümerwechsel weit entfernt.

Noch deutlicher ist der Abwärtstrend beim Wochenmagazin „Télécran“, das ebenso von „Mediahuis Luxembourg“ (ehemals „Saint-Paul Luxembourg“) herausgegeben wird. Die bezahlte Auflage hat sich laut den Zahlen des CIM im gleichen Zeitraum (2018-2026) von 20.706 auf 10.232 geradezu halbiert. Und anders als beim „Wort“ fehlt bei diesem Printprodukt nach wie vor jede Spur von einem digitalen Geschäftsmodell.

Wer nicht die Profitabilität seines Geschäfts sichert, ist stets abgelenkt. Die größte Sorge ist dann nicht mehr, guten Journalismus zu praktizieren, sondern am Leben zu bleiben.“Gert Ysebaert, CEO der „Mediahuis Group“

Finanziell scheint die Gesamtrechnung dennoch aufzugehen. Zwar schwindet die zahlende Leserschaft, doch im vergangenen Geschäftsjahr 2025 machte „Mediahuis Luxembourg“ bei einem Gesamtumsatz von 47,5 Millionen Euro einen satten Gewinn in Höhe von 6,1 Millionen Euro. Bereits in den beiden Vorjahren (2024: 6,8 Millionen; 2023: 5,9 Millionen) hatte sich die Devise des „Mediahuis“-CEO „Wir betreiben ein Geschäft, am besten mit Profit“ bewahrheitet.

Die Gründe für die gesteigerte Profitabilität dürften aber weniger der Fokus auf mitunter aggressive Online-Werbung und den dadurch finanzierten „Kontroversen“-Journalismus oder sonstige journalistische Akzente sein. Vielmehr wurde das Unternehmen in den vergangenen Jahren durchgehend verschlankt. Auf den Sozialplan unmittelbar nach der „Mediahuis“-Übernahme im Jahr 2020 folgten – etwa mit dem Outsourcing des Druckereigeschäfts und dem Abschaffen der Regionalbüros im Norden und Süden – weitere Rationalisierungsschübe.

Der Preis der kurzfristigen Profitabilität

Am deutlichsten zeigt sich die Konzernstrategie beim Personal: „Mediahuis“-CEO Gert Ysebaert beteuerte zwar noch im Mai 2020 im Interview mit der gerade erst erworbenen Zeitung: „Mediahuis hat keinen Plan zum Stellenabbau.“ Vier Monate später wurden 80 Angestellte von „Saint-Paul Luxembourg“ entlassen. Waren dort 2019 noch 306 Angestellte beschäftigt, gibt „Mediahuis Luxembourg“ in seiner Bilanz 2025 eine Belegschaft von 194 an. Die Personalkosten sanken von rund 26 Millionen Euro im Jahr 2020 auf aktuell 17,9 Millionen Euro, also um nicht weniger als 31 Prozent.

So nachvollziehbar die rezenten Gewinne von „Mediahuis Luxembourg“ vor dem Hintergrund der Ausgabenkürzungen erscheinen, so offensichtlich ist auch, dass Profitabilität für ein Medienunternehmen kein Selbstzweck sein kann. Auch wenn die Verantwortlichen des „Luxemburger Wort“ mit Nachdruck das Gegenteil behaupten würden: Durch massiven Stellenabbau lässt sich die journalistische Qualität kaum steigern. Mit der Entlassung (und durch den stetigen Exodus) von Journalisten gehen notgedrungen Erfahrung, Kompetenzen und Themenvielfalt verloren – und damit nicht zuletzt die Fähigkeit einer Redaktion, jenen tiefgründigen Journalismus zu produzieren, für den Leserinnen und Leser bereit sind, zu bezahlen.

Das Ausmaß der Luxemburger Pressekrise

Doch indem es auf Digitalisierung, Margen und Renditen setzt, verfolgt „Mediahuis Luxembourg“ zumindest eine erkennbare Strategie, um dem Auflagenschwund entgegenzuwirken. Dagegen geht es bei der Konkurrenz des früheren Bistumsblatts ans Eingemachte. Der Rückgang der zahlungswilligen Leserschaft beschränkt sich nämlich nicht auf das „Luxemburger Wort“. Vielmehr ist die Entwicklung in der restlichen Luxemburger Presselandschaft, etwa bei den Titeln aus dem Hause „Editpress“, noch weitaus kritischer.

2008 wies etwa das „Tageblatt“ noch eine Gesamtauflage von durchschnittlich 16.269 pro Tag aus; innerhalb von zehn Jahren schrumpfte diese Zahl um 43 Prozent auf 9.293 per Abonnement oder am Kiosk verkaufte Zeitungen. Laut den neuesten Zahlen des CIM von Anfang 2026 beläuft sich die bezahlte Auflage der Tageszeitung nur noch auf 6.675, darunter knapp 1.200 digitale Abos. Damit schrumpfte die zahlende Leserschaft des „Tageblatt“ in den letzten acht Jahren nochmals um 28 Prozent …