Der Waldbrand in Ostbelgien brachte die Luxemburger Krisenkommunikation an ihre Grenzen. In der Reaktion auf die hohe Luftbelastung fehlte es nicht nur an klaren Botschaften, sondern auch an verlässlichen Messungen. Ein neues Gesetz dürfte nur teilweise Abhilfe schaffen.

Der Waldbrand im Hohen Venn traf Luxemburg unvorbereitet. „Das ist ein neues Phänomen, das uns überrascht hat. Man muss auch selbstkritisch sagen, dass man manches noch besser hätte machen können“, sagte Umweltminister Serge Wilmes (CSV) im Interview mit „RTL“ am Mittwoch. Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) sowie der „Haut-Commissaire à la protection nationale“ Guy Bley hatten zuvor die Krisenkommunikation verteidigt.

Allen zuständigen Verwaltungen war früh klar, dass es keine klaren Prozeduren für die Rauchbelastung eines großflächigen Waldbrandes gibt. Das zeigt das Protokoll der Sitzung der interministeriellen Koordinationsgruppe am späten Nachmittag von Sonntag voriger Woche, das Reporter.lu exklusiv vorliegt. Fehlende Messstationen und Übervorsicht führten dazu, dass die Regierung erst nach den ersten Spitzen der Feinstaubbelastung die Bevölkerung warnte. Ein Gesetzentwurf zur Luftqualität behebt einen Teil der Probleme, ist aber durch die Geschehnisse teilweise überholt.

Abseits der nationalen Notfallpläne

Die Behörden schätzten am 16. August die Lage falsch ein. Sie waren übervorsichtig: Es sollte keine Panik entstehen und man habe sich nicht dem Vorwurf aussetzen wollen, zu früh und zu viel zu warnen, sagte der Generaldirektor des Zivilschutzes im Innenministerium, Alain Becker, dem „Luxemburger Wort“. Diese Zögerlichkeit wird in parlamentarischen Anfragen von fast allen Fraktionen und Gruppierungen im Parlament kritisiert. Im Kabinett sei am darauffolgenden Montag festgehalten worden, die Krisenkommunikation über das Wochenende aufzuarbeiten, erklärte Serge Wilmes.

Doch es fehlte an Prozeduren, an denen sich Beamte gerne orientieren. „Wir befinden uns außerhalb der vom HCPN ausgearbeiteten Notfallpläne. Sollten in Luxemburg Empfehlungen ausgesprochen werden?“, fasst das Protokoll der Sitzung am 16. August zusammen. Unter der Leitung des „Haut-Commissariat à la protection nationale“ (HCPN) trafen sich um 17 Uhr an jenem Sonntag Vertreter der Umweltverwaltung, der Gesundheitsdirektion, der Rettungsdienste CGDIS und des Wetterdienstes „Meteolux“ in der sogenannten „Cellule d’évaluation interministérielle“.

Zwei Stunden zuvor hatte das CGDIS über das staatliche Warnsystem eine SMS versendet, die über Geruchsbelästigung durch Rauch aufgrund des Waldbrandes in Ostbelgien informierte. Am Samstagabend hatte der Rettungsdienst bereits eine solche Information auf der „LU-Alert“-Webseite veröffentlicht. Das Ziel war, einer möglichen Überlastung der Notrufzentrale vorzubeugen, erklärte das Staatsministerium auf Nachfrage von Reporter.lu …