Posen mit Maschinengewehr, lustige Beiträge auf Social Media: Die Kommunikation der Verteidigungsministerin banalisiert nicht nur die Realität von Krieg und Frieden. Sie offenbart auch die Strategielosigkeit einer Regierung in unsicheren Zeiten. Ein Kommentar.

„Stell dir vor, es ist Krieg und alle lachen darüber“: So könnte die Luxemburger Nachdichtung des berühmten Zitats aus der deutschen Friedensbewegung der 1980er Jahre lauten. Denn heute, im Jahr 2026, scheint es keinen größeren Aufschrei zu geben, wenn eine amtierende Verteidigungsministerin sich lachend, ja himmelhochjauchzend auf einem Armeestützpunkt mit einem Maschinengewehr ablichten lässt.

Zugegeben: Das Foto stammt aus dem vergangenen Jahr und ist im Kontext des Tages der offenen Tür der Luxemburger Armee entstanden. Und nicht nur die Ministerin Yuriko Backes (DP), sondern auch Politiker anderer Parteien sind dabei dem Aufruf „Souriez, vous êtes filmés et photographiés“ gefolgt.

Und doch ist es ein Schnappschuss mit hoher Symbolkraft. Denn was hier mit einem ausgelassenen Grinsen in die Kameras gehalten wird, ist kein harmloses Spielzeug auf einem Volksfest oder ein Gericht auf der „Foire agricole“, sondern ein Universalmaschinengewehr des Typs FN MAG, das laut Herstellerbeschreibung bis zu 1.000 Schuss pro Minute abfeuern kann. Es wurde konstruiert, um mit massiver Durchschlagskraft gegnerische Stellungen einzunehmen. Eine Waffe, deren einziger Zweck die effiziente Gewaltausübung auf dem Schlachtfeld ist, also Menschen zu töten.

PR-Inhalte statt politische Aussagen

Ein weiteres rezentes Beispiel deutet auf das gleiche leichtfertige, und in dieser Form neue Verständnis von Krieg und Frieden in der Luxemburger Politik hin. Dass das Ministerium von Yuriko Backes KI-generierte, mit Panzern und Kampfflugzeugen bedruckte Euro-Banknoten, auf Social Media präsentierte, taugt dabei nicht zu dem Skandal, zu dem ihn manche Oppositionspolitiker machen wollten. Auch dass die Ministerin den Beitrag nach Kritik kassierte und eine persönliche Freigabe dementierte, ist nicht das Problem. Bezeichnend ist allerdings schon, dass man im Verteidigungsministerium tödliches Kriegsgerät offenbar als lustig-trendigen Content wie jeden anderen versteht.

Die lässige Attitüde symbolisiert eine Regierung, die im Namen des ganzen Landes die ernste Realität verkennt – und damit nicht zuletzt die eigene Armee als gewöhnlichen Inhalt politischer PR banalisiert.“

Jetzt könnte man beides natürlich als unglücklichen Fauxpas im Sommerloch bezeichnen und dementsprechend mit einem müden Lachen abtun. Doch dafür ist die Symbolik zu stark und die damit vermittelte Botschaft zu aussagekräftig. Denn die Motive der lachenden Ministerin mit dem Maschinengewehr und der offenbar allzu locker sitzende Zwinkersmiley-Emoji ihrer Beamten passen nämlich ins Gesamtbild.

Dieses Bild ist das einer Luxemburger Verteidigungspolitik, die sich im Zuge des andauernden Ukrainekriegs zwar gründlich gewandelt hat, der allerdings jeglicher strategische Unterbau fehlt …