Mary Faltz wurde von ihrem Vater missbraucht. Ihr Bruder Adolf El Assal gab ihm dennoch eine Rolle in seinem Netflix-Film. Als sie dagegen vorging, verlor er alles – und startete mit dem Vater einen Rachefeldzug gegen seine Schwester, wie ein Gericht nun festhielt.

Als sich Mary Faltz und ihr Vater Ende Januar vor Gericht wiedersehen, ist es bereits das dritte Mal, dass sie sich vor einem Richter begegnen. Nachdem der Vater im Februar 2012 wegen mehrfacher Vergewaltigung seiner Tochter zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war, ging er in Berufung. In zweiter Instanz erreichte er im Dezember 2012, dass seine Haftstrafe teilweise in Bewährung umgewandelt wurde. Das Berufungsgericht argumentierte damals: „Angesichts des Alters des Angeklagten, aber vor allem wegen der Folgen für die Ehefrau und seine anderen Kinder, die durch eine lange Haftstrafe provoziert werden könnten, entscheidet das Gericht auf eine teilweise Bewährungsstrafe.“

Doch damit waren die Zwistigkeiten in der Familie El Assal nicht vorbei. In dem aktuellen Verfahren verklagte Mary Faltz ihren Vater und ihren Bruder Adolf El Assal wegen Verleumdung. Der Hintergrund der Geschichte liegt dabei mehr als sechs Jahre zurück. 2019 veröffentlicht Adolf El Assal seine Komödie „Sawah“ über einen ägyptischen DJ, der in Luxemburg strandet und sich dort mit Migrationsbehörden und der Unterwelt auseinandersetzen muss. Eine Nebenrolle in diesem autobiografisch angehauchten Film gab der Regisseur und Drehbuchschreiber Adolf El Assal ausgerechnet dem Vater, der zur Zeit des Drehs gerade wieder aus dem Gefängnis entlassen worden war.

Als der Film auch noch auf der Film- und Serienplattform „Netflix“ landete und dort eine Zeit lang als Nummer eins im Trend lag, wurde es der Schwester zu viel. Sie empfand die Rolle des Vaters als glorifizierend, wie Reporter.lu berichtete. Über ihren Anwalt wandte sie sich an die Luxemburger Filmförderung, die den Film wesentlich finanziert hatte. Kurze Zeit später begann eine Diffamierungskampagne gegen Mary Faltz, hinter der sie ihren Vater und ihren Bruder vermutete. Sie erstattete Anzeige. Mitte Februar hielt das Bezirksgericht Luxemburg jetzt die Schuld der beiden für einen Teil der Anklagepunkte fest.

Filmfonds stoppte Förderung

Der Protest von Mary Faltz gegen den Film ihres Bruders im Jahr 2019 hatte Folgen. Seine Karriere sei „komplett ruiniert“, beklagte Adolf El Assal, der seinen Namen im April 2024 in Adam Adolf Ghobrial umändern ließ. Das geht aus seiner Aussage vor der Polizei hervor, die im Urteil des Bezirksgerichts, das Reporter.lu vorliegt, zitiert wird.

Da der „Film Fund Luxembourg“ sich der problematischen Nebenrolle des Vaters nicht bewusst war, suspendierte die staatliche Filmförderung 2023 zunächst die Finanzierung des nächsten El-Assal-Films „Hooped“. Dabei ging es um drei Millionen Euro. Zudem bekam er seine berufliche Ehrenhaftigkeit aberkannt, was den Regisseur und Produzenten dauerhaft vom Zugang zu Fördermitteln des staatlichen Fonds ausschloss. Dies bestätigte Film-Fund-Direktor Guy Daleiden auf Nachfrage von Reporter.lu.

Verschuldet, arbeitslos und kürzlich von seiner Partnerin verlassen, pochte Adam Ghobrial darauf, dass er seit den Beschuldigungen seiner Schwester Mary Faltz alles verloren habe.“Aus dem Urteil des Diffamierungsprozesses

Das Resultat: Die Produktion von „Hooped“ wurde gestoppt. Auch die Firma „Wady Films“, die Adolf El Assal 2015 gegründet hatte, ging daraufhin in die Insolvenz. Es war diese Firma, die über die Jahre hinweg die Gelder des Filmfonds in die Produktionen von Adolf El Assal und seiner Kollegen steckte. Die Produktionsfirma „Deal Productions“, die am Film „Sawah“ beteiligt war, ging auf Distanz. Das Unternehmen, das unter anderem von der Schauspielerin Désirée Nosbusch gegründet worden war, entschuldigte sich in einer Pressemitteilung Mitte März 2023 für die Zusammenarbeit.

Kurz darauf begann eine breit angelegte Verleumdungskampagne gegen Mary Faltz …