Die Dreierkoalition hat ein neues Programm. Dabei fällt eine weiche, aber bestimmte Dominanz der Liberalen ins Auge. Doch auch die LSAP behält ihre Daseinsberechtigung. Ein gesteigerter politischer Einfluss der Grünen muss sich aber erst zeigen.

Etienne Schneider schaut grimmig, auch ein bisschen müde. Unmutig starrt er über die Köpfe der Journalisten hinweg und fixiert einen Punkt in der Ferne. Dann senkt er wieder resigniert den Kopf. Für den sonst so selbstbewussten LSAP-Spitzenkandidaten ist diese Attitüde recht ungewohnt.

Auch Felix Braz schaut sehr ernst. So als müsste der Verhandlungsführer von Déi Gréng gleich eine sehr schwere Nachricht überbringen. Eigentlich hätten beide aber eher Grund zur Freude: Beide Politiker werden als potenzielle nächste Vize-Premierminister gehandelt.

Selbst Xavier Bettels Gesichtsausdruck spiegelt nicht die von ihm ausgesprochenen Worte der „Freude und Ehre“ darüber wider, dass man die Verhandlungen rasch abgeschlossen und sich auf „ein ehrgeiziges Programm“ geeinigt hat. Friede-Freude-Eierkuchen-Schlagzeilen wollten die Koalitionspartner der drei zukünftigen Regierungsparteien bei der Neuauflage von Blau-Rot-Grün wohl vermeiden. Nach außen wollen sie zumindest den Anschein erwecken, dass hier hart oder zumindest konsequent in der Sache miteinander gerungen wurde.

Die liberale Dominanz kann kommen

Nur Corinne Cahen scheint in Feierlaune. Verständlich wird ihr breites Lächeln, als sie voller Elan das Wort ergreift. Eine Maßnahme nach der anderen, die es aus dem DP-Wahlprogramm in das Koalitionsabkommen schaffte, listet sie wie aus der Flinte geschossen auf. Ihr Resümee: „Die Kaufkraft der Menschen wird gestärkt, ohne dass die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe verloren geht.“

Dieses Mantra soll auch nicht von der Erhöhung des Mindestlohns um 100 Euro untergraben werden. Die Liberalen können sich jedenfalls mit der Ansicht von Etienne Schneider am Donnerstag nicht anfreunden, wonach es dem Mindestlohnempfänger …