Ein riesiges Leak über Offshoregesellschaften löste 2016 Schockwellen am Luxemburger Finanzplatz aus. Die Behörden drängten auf Transparenz. Doch bis heute tobt ein Kampf zwischen ihnen, den Finanzdienstleistern und deren lichtscheuen Kunden.

Achselzucken: Das war die Reaktion der Luxemburger Finanzwelt als die Bombe am 3. April 2016 platzte. Was in den „Panama Papers“ zum Vorschein komme, seien „alte Kamellen“ sagte etwa der Anwalt Alain Steichen dem „Luxemburger Wort“. RTL zitierte Experten mit den Worten, das sei ein Geschäftsmodell, das seit zehn Jahren in Luxemburg nicht mehr bestehe.

Heute, drei Jahre später, wird klar, dass die Experten die Lage beschönigten. Vor allem unterschätzten sie die Reaktion der Luxemburger Behörden. Die Steuerverwaltung forderte von Vermittlern Informationen zu Besitzern von Panama-Gesellschaften. Die Aufsichtsbehörde CSSF verhängte Strafen in Höhe von insgesamt zwei Millionen Euro. Und bei der „Cellule du renseignement financier“ (CRF) gingen massenweise Meldungen zu möglichen Geldwäsche-Fällen ein.

Top-Mossfon-Kunde gerät ins Schleudern

Der Graben zwischen PR und Realität wird am deutlichsten am damaligen BIL-Generaldirektor Hugues Delcourt. Die „Panama Papers“ seien kein Thema, das die Kunden der Bankgruppe beschäftigte, sagte er im Juni 2016 dem „Quotidien“. Dabei war die BIL-Tochter Experta weltweit der beste Kunde der Kanzlei Mossack Fonseca (Mossfon), deren Kundendaten öffentlich wurden. Experta vermittelte im Laufe der Jahre über 1.600 Offshoregesellschaften über den Dienstleister in Panama.

Im April 2016 behauptete das Unternehmen, es habe „in der Vergangenheit“ seinen Kunden diese Dienste angeboten. Erst 2014 tauchte aber in den Jahresberichten der Hinweis auf, dass Experta seinen Kundenstamm säuberte und Offshorefirmen in großer Zahl auflöste.

Erst nach den „Panama Papers“ beschleunigte sich der Wandel. Im Juni und Juli 2016 wurden der Generaldirektor sowie der Finanzchef ausgetauscht und eine neue kommerzielle Strategie definiert. 2017 folgten weitere Wechsel in der Direktion. Währenddessen versuchten die Mitarbeiter von Experta panisch die Beziehungen zu Mossfon zu kappen, wie die „Woxx“ auf Grundlage eines neuen Leaks berichtete.

Die „Panama Papers“ hätten das Ergebnis negativ beeinflusst, erklärte das Unternehmen, auch weil Kunden sich abwendeten. Das einträgliche Geschäft mit Kommissionen für Firmen in Steuerparadiesen brach ein. 2016 endete mit einem Verlust von 1,3 Millionen Euro, 2017 mit einer Million Euro im Minus. Die BIL-Tochter senkte ihr Kapital um 2,3 Millionen Euro auf 125.000 Euro, um die Verluste aufzufangen. Seit Februar heißt das Unternehmen nun BIL Fund & Corporate Services.

Wie eine Bank in 20 Minuten ihren Ruf ruinieren kann

Die frenetische Aktivität nach den Enthüllungen beschränkte sich nicht auf die BIL-Tochter. Die Besitzer von Offshore-Gesellschaften mussten erklären, ob und wie sie diese Strukturen in ihrer Steuererklärung aufführten. Die überwältigende Mehrheit biss in den sauren Apfel und regelte ihre Lage mit der Steuerverwaltung ihres Heimatlandes, stellt CRF-Direktor Max Braun fest.

Doch manche wählten einen anderen Weg…