Clearstream, Fonds, Banken, Investoren: Akteure am Luxemburger Finanzplatz sind tief in den milliardenschweren Cum-Ex-Skandal verstrickt. Der erste Strafprozess in Deutschland wird auch hierzulande ernste Folgen haben. Denn die Ausrede, dass alles legal war, steht auf der Kippe.

In Sachen Cum-Ex gibt es zwei Sichtweisen: Die einen sehen die dubiosen Aktiendeals als geniale Ausnutzung einer Gesetzeslücke. Die anderen sehen in diesen Geschäften ein „kriminelles Glanzstück“, wie es ein deutscher Richter ausdrückte. Das Resultat war das gleiche: Investmentfonds und Banken ließen sich von Staaten eine auf Dividenden erhobene Steuer mehrmals erstatten. Sie machten also Gewinn auf Kosten der Steuerzahler.

Über die Grenze zwischen Genialität und Kriminalität entscheidet aktuell das Landgericht Bonn. Angeklagt sind zwei Aktienhändler, die den deutschen Staat um 400 Millionen Euro betrogen haben sollen. Da sie umfangreich mit der Justiz kooperiert haben, dient dieser Prozess aber vor allem der Frage, ob die Cum-Ex-Geschäfte tatsächlich „nur“ eine Gesetzeslücke ausnutzten.

Finanzaufsicht CSSF wartet auf Richterspruch

Selbst anerkannte luxemburgische Anwälte sind überzeugt, dass die Cum-Ex-Geschäfte legal waren. Vieles deutet darauf hin, dass diese Ansicht das Ende des Bonner Musterprozesses nicht überleben wird …