Die Supermarktkette „Pall Center“ liefert sich seit Jahren einen Rechtsstreit mit ihrem früheren Finanzchef. Im Fokus steht der Verdacht der privaten Nutzung von Firmengeldern. Die Staatsanwaltschaft prüft derweil, ob der Fall strafrechtliche Folgen haben soll.
Eigentlich wollte das „Pall Center“ nur Ordnung in die eigenen Finanzen bringen. 2019 engagierte die Firmenchefin und Hauptaktionärin Christianne Wickler dafür die Beratungsgesellschaft „Growth and Performance Management Sarl-S“. Die Firma des selbständigen Unternehmensberaters Olivier Gasche sollte die Buchhaltung optimieren und die Geschäftsführung in der Finanzplanung beraten.
Für seine Mission wurde Olivier Gasche offiziell zum „Chief Financial Officer“ der Gruppe ernannt und erhielt weit reichende Befugnisse. Doch noch vor dem offiziellen Ende des Dreijahresvertrags beendete „Growth and Performance Management“ die Zusammenarbeit fristlos. Hintergrund sind mutmaßlich problematische Transaktionen in den Büchern von „Pall Center Exploitation SA“.
Seitdem beschäftigt der Fall die Gerichte. Reporter.lu hatte bereits 2022 über den Fall und die kontroverse Unternehmensführung von Christianne Wickler berichtet. Am vergangenen 14. Juli fällte die Handelskammer des Bezirksgerichts in Diekirch ein erstes Urteil. Die Richter gaben dem Kläger „Growth and Performance Management“ nur zum Teil recht, folgten aber auch der Argumentation von „Pall Center Exploitation“ nur bedingt.
Private Ausgaben und teure Schulungen
Was dem Rechtsstreit eine neue Dimension verleiht: Die Richter der Handelskammer leiteten das Dossier an die Staatsanwaltschaft weiter. Für die Verantwortlichen der „Pall Center“-Gruppe um Christianne Wickler könnte die Episode demnach im schlimmsten Fall strafrechtliche Konsequenzen haben.
Die Vorwürfe des ehemaligen CFO des „Pall Center“ wiegen schwer. Besonders brisant ist ein internes Audit, in dem der Finanzberater mehrere problematische Ausgaben feststellte. Dabei geht es zunächst um die mutmaßliche private Nutzung von Firmenkonten.
Der Vorstand darf sein Unternehmen nicht als Bank für Privatausgaben nutzen.“Urteil des Bezirksgerichts Diekirch
Allein für die Jahre 2018 und 2019 spricht der Prüfbericht von Ausgaben in Höhe von 145.800 Euro, die womöglich zu privaten Zwecken genutzt wurden, und einem negativen Saldo der Girokonten von insgesamt 444.200 Euro. Hinzu kommen nicht bezahlte Einkäufe durch die Vorstandsvorsitzende Christianne Wickler innerhalb der Supermarktkette in Höhe von 50.400 Euro. Ausgaben, die nicht im Interesse des Unternehmens stünden, so der damalige Finanzdirektor in seinem Audit.
Der Prüfbericht kritisiert auch die Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen „White Sneakers“ des Unternehmers Chris Dahl in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Eine Kooperation, die „Pall Center Exploitation“ über diesen Zeitraum insgesamt 1,46 Millionen Euro kosten sollte. Doch als Olivier Gasche die Geschäftsführung auf die Ausgaben ansprach, hätten weder Christianne Wickler noch Chris Dahl die dafür erbrachten Leistungen erklären können …
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