Der Flugverkehr ist in Luxemburg klimaschädlicher als alle Autos. Doch in der Debatte um den Ausbau des Findel spielen die dadurch verursachten Emissionen kaum eine Rolle. Warum ein ganzer Wirtschaftszweig dem Erreichen der Klimaneutralität im Weg steht.

„In sieben EU-Ländern hat der Luftverkehr mittlerweile größere Auswirkungen auf das Klima als der Autoverkehr“, titelte die Brüsseler Lobbyorganisation „Transport and Environment“ im März. Zu diesen Staaten gehört neben Malta, den Niederlanden oder Griechenland auch Luxemburg. Flugzeuge verursachten demzufolge über drei Millionen Tonnen CO2, während der Autoverkehr im Land für über zwei Millionen Tonnen an Emissionen verantwortlich war.

Es ist eine dieser Statistiken, die nicht so recht ins politische Bild passt. Denn die Regierung sieht ein enormes Wachstum für den internationalen Flughafen am Findel vor und erwägt sogar den Bau eines zweiten Flughafens. Bis 2050 soll sich die Zahl der Passagiere verdoppeln und das Frachtaufkommen um die Hälfte wachsen. Allein in den kommenden sechs Jahren investiert der Staat eine Milliarde Euro in den Luxemburger Flughafen, wie es ein im April vorgestellter „Masterplan“ vorsieht.

Flugverkehr bleibt außen vor

Im Vordergrund der Debatte standen ökonomische Gründe, etwa dass der Flughafen 13 Prozent zur Wirtschaftsleistung beitragen soll. Um den Klimaschutz ging es nur nebenbei. Dabei ist der Widerspruch zwischen den Klimazielen der Regierung und dem politisch geteilten Enthusiasmus für neue Luxair-Maschinen und Direktflüge nach New York offensichtlich.

Ausgeblendet wurde bisher die Tatsache, dass der Luftverkehr in Luxemburg inzwischen klimaschädlicher als Autos und Industrie ist. Kaum ein Politiker würde über eine Verdopplung der Industrieproduktion oder des Straßenverkehrs sprechen, ohne die Folgen für die Klimapolitik zumindest zu erwähnen. Das dürfte maßgeblich daran liegen, dass die Emissionen der Flugzeuge nicht in den nationalen Klimabilanzen auftauchen …