Ende Dezember führte die Justiz Hausdurchsuchungen bei mehreren luxemburgischen Gesellschaften durch. Die Ermittlungen betreffen laut Recherchen von REPORTER  einen mutmaßlichen Steuerbetrug von mehr als zehn Millionen Euro. Es ist der erste Fall, in dem der Luxemburger Staat Schaden durch Cum-Ex-Geschäfte erlitt.

Einer der Hauptverdächtigen in der europaweiten Cum-Ex-Affäre soll auch in Luxemburg zugeschlagen haben. Der Brite Sanjay Shah versuchte mit dubiosen Aktiendeals den Luxemburger Staat um mehrere Millionen Euro zu betrügen.

Kriminalbeamte durchsuchten im Dezember die Büros von Gesellschaften, die in Verbindung mit Shah stehen. Der Untersuchungsrichter ermittelt wegen Verdacht auf Steuerbetrug („escroquerie fiscale“). Das bestätigte Justizsprecher Henri Eippers auf Nachfrage.

Recherchen von REPORTER ergaben, dass der Hedgefonds-Manager mithilfe von drei Briefkastenfirmen fiktive Aktiendeals in Milliardenhöhe betrieb. Das Ziel: Steuern vom Luxemburger Staat zurückzufordern, die nie gezahlt wurden.

Ein europaweiter Schaden von über einer Milliarde Euro

Shah gilt als einer der Drahtzieher von sogenannten Cum-Ex-Geschäften, die die europäischen Staatskassen insgesamt um mindestens 55 Milliarden Euro brachten. In Dänemark soll er allein mindestens 1,21 Milliarden Euro erbeutet haben, in Belgien 201,5 Millionen Euro. Der Fondsmanager nutzte ebenfalls Luxemburger Firmen, um das erbeutete Geld zu verteilen, wie REPORTER bereits im November berichtete.

Unbestritten ist, dass der 48-Jährige hierzulande aktiv war. Shah gibt selbst zu, Aktiendeals in Luxemburg durchgeführt zu haben. Das geht aus einer handschriftlichen Erklärung von Mai 2018 hervor, die dem „Handelsblatt“ sowie einer australischen Zeitung vorliegt.

Genau wie in anderen Ländern geht es um ein besonders dreistes Steuervergehen: Der Verdacht ist, dass die Beteiligten den Staat betrogen haben und so direkt in die Staatskasse griffen. Wie das System funktioniert, lesen Sie hier: Fragen und Antworten zum Cum-Ex-Skandal.

Es geht also nicht darum, dass Sanjay Shah Steuern nicht gezahlt hat, sondern er forderte vom Luxemburger Staat Geld, das ihm nicht zustand. Steuerbetrug ist eine Straftat und kann mit einer Haftstrafe von ein bis fünf Jahren sowie einer Geldstrafe von bis zu einer Million Euro geahndet werden.

Die Aktiengeschäfte seien legal und keinesfalls betrügerisch gewesen, betonte ein Sprecher von Sanjay Shah auf Nachfrage von REPORTER.

Konkursverwalter deckt Unregelmäßigkeiten auf

Dreh- und Angelpunkt ist ein unscheinbares Bürogebäude im Viertel Limpertsberg. An der Anschrift 121, Avenue de la Faïencerie haben unter Hunderten anderen Gesellschaften die Firmen Athena Equity Trading, Pallas Equity Trading und Pandia Equity Trading ihren Sitz. Ihre Existenz und ihre Vorgehensweise sind ein neues Moment im Cum-Ex-Skandal. In den zahlreichen internationalen Berichten über Shahs Geschäfte tauchten sie bisher nicht auf.

Das Handelsgericht erklärte die drei Gesellschaften bereits im Mai 2017 (Athena) und im August 2017 (Pallas und Pandia) für insolvent und setzte Konkursverwalter ein.

„Ich habe Irregularitäten in den Büchern der Gesellschaft festgestellt“, erklärt der Athena-Verwalter Laurent Bizzotto im Gespräch mit REPORTER. Es geht um die Rückerstattung der Quellensteuer durch die Luxemburger Steuerverwaltung.