Hunderte von Minderjährigen halten Anteile an Gesellschaften in Luxemburg – viele sind sogar jünger als die Firmen, die sie laut dem Handelsregister kontrollieren. Eine neue Recherche im Rahmen des „OpenLux“-Projekts offenbart eine andauernde problematische Praxis.

Ein einjähriger Junge aus der Mongolei, dem große Anteile einer Kohlefirma in der Wüste Gobi gehören; ein elfjähriger Aserbaidschaner, der Profite aus Staatsverträgen mit Turkmenistan und China erzielt; eine russische Teenagerin, die unter ihren Milliarden an Kapital auch Investitionen in kanadische und kalifornische Pensionssysteme zählen kann: Dies sind nur einige von mindestens 291 Minderjährigen, die erhebliche Anteile an luxemburgischen Firmen entweder besitzen oder kontrollieren. Das zeigen Recherchen im Rahmen des „OpenLux“-Projekts, an dem Reporter.lu beteiligt war und das vom „Organized Crime & Corruption Reporting Projet“ (OCCRP) koordiniert wurde.

Auch wenn es in Luxemburg laut Gesetz mittlerweile schwieriger ist, Minderjährige als Besitzer einzusetzen, so haben viele Namen beim OCCRP und seinen Medienpartnern die Alarmglocken läuten lassen. Darunter: Minderjährige, deren Eltern Oligarchen, Kriminelle oder Personen aus dem Dunstkreis von politisch einflussreichen Figuren sind. Ein Viertel von ihnen ist jünger als die Gesellschaften, die sie laut Handelsregister besitzen oder an denen sie Anteile halten sollen.

Familientrusts als zusätzliche Tarnung

Als Luxemburg 2019 das „Registre des bénéficiaires effectifs“(RBE) einführte, war es zum ersten Mal möglich, die Namen der wahren Besitzer und nicht nur jene der Verwalter der eingetragenen Gesellschaften zu erfahren. Doch es gab eine wesentliche Ausnahmeregelung: Besitzer, die sich einem unverhältnismäßigen Risiko von Betrug, Entführung, Erpressung oder Bedrohung ausgesetzt sahen, bekamen drei Jahre Zeit, ehe auch ihre Namen veröffentlicht wurden. In der Zwischenzeit konnten auch sie, wie es das Gesetz vorsieht, einen Antrag auf Nicht-Veröffentlichung stellen.

Das heißt auch: Die Anzahl der Minderjährigen könnte weitaus höher sein, weil ihre Anträge immer positiv beantwortet werden, wie Yves Gonner, Direktor des Handelsregisters, auf Nachfrage von Reporter.lu bestätigt. Weitere 290 Begünstigte waren zur Zeit ihres Eintrags ins Handelsregister 18 oder 19 Jahre alt, was es wahrscheinlich macht, dass sie bereits Anteile besaßen, als sie noch Minderjährige waren.

Solche Register sind nur so nützlich wie die Informationen, die sie enthalten. OpenLux hätte ein Warnsignal sein sollen.“Maira Martini, „Transparency International“

Doch warum besitzen so viele Kinder Gesellschaften, von denen einige Vermögenswerte von mehreren Millionen halten? Im Falle eines Familienbetriebs kann es durchaus vorkommen, dass Eltern als Teil eines Erbschaftsplans Anteile an ihren Nachwuchs weitergeben. Fakt ist trotzdem, dass viele Kinder zum Zeitpunkt der Firmengründungen nicht einmal geboren waren, und dass manche ihrer Eltern in keinen einsehbaren Dokumenten auftauchen. Dies legt einen anderen Verdacht nahe: Es ging darum, einen weiteren Schleier der Geheimhaltung hinzuzufügen, ehe die von Luxemburg gesetzte Drei-Jahre-Deadline ausgelaufen war …