Premier Xavier Bettel und Finanzminister Pierre Gramegna empfingen den Stammeschef Raoni aus dem Amazonas und versprachen ihm 100.000 Euro. Doch die Gebaren seiner Begleiter ignorierten sie. Nun ist fraglich, ob das Geld überhaupt bei den Ureinwohnern in Brasilien ankommt.

Es ist ein Fototermin, wie Staatsminister Xavier Bettel ihn mag: Die Bilder zeigen den Premier, wie er mit dem Häuptling Raoni scherzt und dem Gast die Kunstsammlung in seinem Büro zeigt. „Ich habe persönlich sehr viel Sympathie für Ihren Kampf, das Gebiet Ihres Volkes und den Regenwald zu schützen“, sagte der Premier bei dieser Gelegenheit. Zusammen mit Finanzminister Pierre Gramegna versprach er, dass Luxemburgs Regierung dieses Anliegen mit 100.000 Euro unterstütze.

Gutes tun und darüber sprechen: Dass der Premier nach dem französischen Präsident Emmanuel Macron und vor Papst Franziskus den Führer des Volkes Kayapo empfing, war der Presseagentur AFP eine Meldung wert. Die Spende von 100.000 Euro fehlte darin genauso wenig, wie der Hinweis auf Luxemburg als Kompetenzzentrum für nachhaltige Finanzprodukte. Mehrere französische Medien übernahmen die Nachricht.

Der Fototermin am 20. Mai war zweifellos ein Erfolg der regierungspolitischen PR. Aber nur, weil die beiden Minister nicht infrage stellten, wen oder was sie mit dem Geld unterstützen werden. Gutgläubig förderten sie damit eine französische Vereinigung, die den Chef Raoni als Symbolfigur ausnutzt, um an Spenden zu kommen. Inzwischen ist zweifelhaft, ob sein Volk überhaupt Geld vom luxemburgischen Staat erhalten wird …