Das Geschäft mit den Urlaubern ist Ägyptens Schlüsselbranche. Junge Unternehmer in Kairo wollen den Tourismus innovativ weiterentwickeln. Doch die Sicherheitslage im Land und die Folgen des Klimawandels erschweren zunehmend ihre Mission.

Der schmucklose graue Zweckbau, gelegen auf einer der geschäftigsten Straßen von Downtown Kairo, verrät nichts von der Welt, die sich in seinem Hinterhof verbirgt. Zwischen Kleidergeschäften, Fastfood-Restaurants und einem Kino, vorbei an hippen Graffitis führt eine Wendeltreppe nach oben zu einer Dachterrasse. Junge Ägypter sitzen hier über ihre Laptops gebeugt auf mit Kissen bestückten Paletten. Schnurrende Katzen tapsen umher und in einem Bücherregal stehen neben einer Ausgabe des Koran einschlägige Bestseller über Themen wie Management, Unternehmensgründung und Selbstentfaltung.

Hier liegt das „Startup Haus Cairo“, Ideenschmiede und Treffpunkt junger Tech-Entrepreneure und App-Entwickler in der 10-Millionen-Metropole. Im diesem Start-up entstehen Ideen, die das Leben der Ägypter einfacher machen sollen: Etwa eine nationale Bus-Sharing-App, die den Arbeitsweg von Tausenden Kairoern im alltäglichen Verkehrschaos erleichtern soll. Oder eine Internet-Plattform, die Firmen mit Stellenangeboten und junge Menschen auf Arbeitssuche schneller miteinander verbinden soll.

Unternehmen mit gesellschaftlichem Zweck

„Das Unternehmertum in Ägypten wird immer reifer. Dies wirkt sich letztlich auch positiv auf unser Wirtschaftswachstum aus“, sagt die 26-jährige Rawan Bassam, die seit einem Jahr das Start-up Haus leitet. „Ein guter sozialer Entrepreneur ist nicht in erster Linie von seinem Start-up überzeugt, sondern von dem, was er gesellschaftlich bewirken will.“

Ein solcher Unternehmer ist der 27-jährige Amir Abdallah. Abdallah steht in einem von Glaswänden umgebenen Arbeitszimmer vor einer Handvoll Freunden und deutet auf einen schicken Flachbildschirm. Darauf ist eine digitale Landkarte von Ägypten abgebildet. Mit roter Umkreisung zeigt sie die Touristen-Hotspots entlang des Nils und am Roten Meer an — die Pyramiden von Gize, die Ruinen von Luxor und Abu Simbel, die Tauchparadiese am Roten Meer. „Wussten Sie, dass es weit mehr als 100 Pyramiden in Ägypten gibt?“, fragt Abdallah in die Runde. „Warum reisen wir Ägypter eigentlich immer nur an dieselben Orte?“