Bald neun Jahre nach der großen Revolution von 2011 kommt Ägypten immer noch nicht zur Ruhe. Die politische Lage bleibt angespannt. Neue Protestbewegungen sind nicht ausgeschlossen – auch wenn sich die Fronten leicht verschoben haben.

Dieser Tage ist der Tahrir-Platz eine Baustelle. Das politisch-ökonomische Herz Kairos ist vollends mit Bauzäunen versehen, offiziell zur „Renovierung und Verschönerung“, so hieß es aus dem ägyptischen Ministerium für Wohnungsbau.

Der Geschäftigkeit um den weitläufigen Knotenpunkt tut dies jedoch wenig Abbruch: Scharen von gut gekleideten Büroangestellten strömen aus Metro-Schächten und kämpfen gegen eine schier endlose Blechlawine an. Immer wieder verkeilen sich Autos und Fußgänger, bringen sich gegenseitig zum Stillstand, doch irgendwie scheint alles ohne größere Zwischenfälle seinen Gang zu nehmen.

Fast vergisst man bei all dem Alltagswahnsinn in der größten Stadt der arabischen Welt, dass sich hier vor neun Jahren die Bühne befand für die wohl berühmteste Protestbewegung in der MENA-Region des 21. Jahrhunderts. Sie war die Mutter des „Arabischen Frühlings“, die fast schon sprichwörtliche Tahrir-Revolution. Seitdem ist viel Wasser den Nil hinab geflossen und so sind manche politische Stürme über Kairo hinweg gezogen …