Callcenter-Abzocker haben nicht nur „Kunden“ aus dem Großherzogtum im Visier. Sie nutzen auch fragwürdige „virtuelle IBAN-Konten“ in Luxemburg, um an das Geld der Opfer zu gelangen. Zudem geben sie örtliche Banken als Partner aus, um seriös zu wirken.
„Ich habe eine Bitte: Sobald Sie das Geld überwiesen haben, machen Sie bitte einen Screenshot für meine Finanzabteilung“, sagt der angebliche Kundenberater am Telefon. Der Mann, der sich „Leonard Lambert“ nennt, erklärt der Luxemburger Frührentnerin sogar, wie sie den Bildschirm ihres Smartphones abfotografieren könne. Danach überweist die Frau 250 Euro auf eine Bank in Malta – das Eintrittsticket in die Welt der vorgegaukelten Investmentmöglichkeiten.
In dieser Welt der Callcenter-Abzocke geht es ordentlich zu. Alles wird fein säuberlich notiert. Und es soll schnell gehen. Denn sobald klar ist, dass die erste Überweisung geklappt hat, übernimmt ein zweiter Betrüger, der sich als Finanzexperte ausgibt und das Opfer zu immer weiteren angeblichen Investments in Kryptowährungen drängt. Der Schaden erreicht dann im Schnitt in Luxemburg fünf- bis sechsstellige Summen, wie Reporter.lu bereits berichtete.
Die Bitte nach einem Screenshot kommt nicht von ungefähr: Sehr häufig scheitern die Transaktionen an die Abzocker. Die Hausbank des „Kunden“, der Zahlungsdienstleister oder auch die Kryptobörsen stoppen die Überweisung – wegen des berechtigten Verdachts, dass etwas nicht stimmt. Die Betrugsnetzwerke suchen deshalb immer neue Wege, um möglichst ohne Hürden an das Geld ihrer Opfer zu kommen.
Die Herausforderung ist groß: Über 260 Millionen Euro nahmen zwei Netzwerke innerhalb weniger Jahre ein. Ein Teil dieser Summe floss über eine Luxemburger Bank. Doch der Finanzplatz leidet ebenfalls unter einem anderen Phänomen: Die Betrüger nutzen angebliche Geschäftsbeziehungen mit etablierten Luxemburger Finanzinstituten wie der „Banque de Luxemburg“, um das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen.
Geldflüsse über Luxemburger Bank
Ein Datenleak erlaubt es erstmals, im Detail nachzuverfolgen, wie diese Callcenter und die Netzwerke das Finanzsystem für ihre Zwecke missbrauchen. „Scam Empire“ ist eine gemeinsame Recherche von 32 Medien weltweit, die auf Dateien fußt, die ein Whistleblower an den schwedischen Fernsehsender „SVT“ weitergab und die von der internationalen investigativen Journalismus-Plattform „Organised Crime and Corruption Reporting Project“ (OCCRP) koordiniert wurde.
Kriminelle können virtuelle IBANs missbrauchen, um die Bewegungen illegaler Gelder zu verschleiern.“GAFI-Bericht
Die internen Unterlagen der Callcenter zeigen zwei Methoden: Die „Kunden“ überweisen entweder das Geld auf das Konto einer Scheinfirma aufgrund einer falschen Rechnung. Oder sie transferieren die Summe über einen Zahlungsdienstleister an das Konto einer Krypto-Börse, auf das die Betrüger Zugriff haben. Bei beiden Methoden spielte unter anderem eine Luxemburger Bank eine Rolle: „Banking Circle“ mit Sitz am Boulevard de la Foire in Luxemburg-Stadt.
Unter den internen Dokumenten eines israelisch-europäischen Callcenter-Netzwerks sind nämlich auch Dutzende Screenshots, die Überweisungen an internationale Bankkontonummern (IBAN) mit Luxemburger Kennung (LU) belegen. Alle enthalten die Bankleitzahl sowie das Geschäftskennzeichen (BIC) von Banking Circle. Laut Recherchen von Reporter.lu belaufen sich diese Transaktionen auf mehr als 800.000 Euro. Dazu kommen Überweisungen, die in einer Klage von 71 geprellten spanischen Kunden aufgeführt werden, die Reporter.lu einsehen konnte. Diese Transaktionen von insgesamt über 730.000 Euro wurden ebenfalls über Banking Circle ausgeführt …
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