Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Flotte Premierphasen und ein unschlagbares Duo.

Die Tage werden wieder länger, die Sonne strahlt, der Frühling erwacht. Die Karnevalsferien sind zu Ende und die Luxemburger voller Energie und guter Laune aus dem Skiurlaub zurück, nur um dann festzustellen: alles wie gehabt. Die Wohnungskrise ist trotz „Logementsdësch“ – pardon, der „Réunion nationale du logement“ – noch immer nicht gelöst, die Baubranche meldet neue Pleiten und das Bettelverbot bleibt ein viel diskutiertes Thema.

Dabei kann man Léon Gloden nun wirklich nicht vorwerfen, dass seine Strategie nicht von spektakulärem Erfolg gekrönt wäre. Immerhin konnten die zig eigens in die Hauptstadt beorderten Polizisten doch tatsächlich ganze zwei Verstöße gegen das Bettelverbot feststellen. Gut, bei dem einen handelte sich um die Selbstanzeige eines Grünen-Politikers. Aber immerhin konnte ein anderer Mann, der doch tatsächlich Passanten mit einem Becher hinterherlief, aus dem Verkehr gezogen werden.

Die Lydie-Dämmerung

Da hat Léon, der Profi, dem internationalen Betteleinetzwerk aber mal einen so richtig schweren Schlag versetzt. Und dass es die „Beweise“, die der „Chief security officer“ der „Luxemburg S.A.“ ins Feld führte, als er von „großen deutschen Limousinen mit belgischen Kennzeichen“ sprach, nun doch nicht gibt, geschenkt. Hauptsache, Iron Lydie ist zufrieden.

Auf dem Zenith ihres Erfolgs erlebt Iron Lydie allerdings Gegenwind – aus den eigenen Reihen. Ein gewisses „Team Cahen“ fordert laut dem „Lëtzebuerger Land“ die Matriarchin heraus. Vier DP-Leute sollen die heilige Lydie-Linie – nach unten treten – nicht mehr unterstützen. Aber Gott sei Dank kann Lydie noch auf ihre Lieblingswadenbeißer Patrick und Claude zählen. Die gehorchen aufs Wort. Man will allerdings nicht wissen, wie es in DP-Fraktionssitzungen abgeht, wenn die öffentlichen Auslassungen bereits grenzwertig sind.

Dabei gibt es – wie es der Staatsminister, der lieber Premier genannt werden möchte, proklamierte – ja auch wirklich Wichtigeres, über das die Presse gefälligst zu berichten hat. Zum Beispiel über Georges Mischos Verhältnis zur Luxemburger Sportpresse. Oder dem von Claude Meisch zu seinen Beamten. Oder dem von Simone Beissel zum Recht auf Menschenwürde.

Nein! Doch! Oooh!

Oder über das Budget. Da möchte Luc Frieden gerne das heilige „Triple A“ behalten, das Defizit drücken und die Staatsverschuldung nicht zu doll anschwellen lassen. Zusätzliche Steuern soll es nicht geben, für Betriebe sogar weniger. Wie das Ganze aufgehen soll, sagte #Luc immer noch nicht. Sparen will er jedenfalls nicht. Also doch. Irgendwie schon. Aber so nennen will er es nicht. „Ich will das Wort gar nicht gebrauchen“, sagte er dem „Lëtzebuerger Land“. Und: „Ich weiß gar nicht, was am Sparen so negativ sein soll.“ Also doch! Oder? Also wenn, dann nur super sozial gestaffelt. Und das am richtigen Ende der Nahrungskette. Immerhin geht es um „flott Aarbechtsplazen“.

Anscheinend hat CEO Luc seinen Vorstandsmitgliedern beim Teambuilding im Senninger Schloss bereits aufgetragen, nach neuen Einnahmequellen zu suchen. Das erklärt auch den Besuch von Gilles Roth und Elisabeth Margue im „Casino 2000“ in Bad Mondorf. Vor allem der Mamer Hütchenspieler weiß halt, wie viel Potenzial im Glücksspiel liegt. Da gibt es in Luxemburg sicher noch Luft nach oben. Und irgendwo müssen die Einsätze ja hin. Das Luxemburger Monopoly ist bekanntlich vorbei. Vorübergehend zumindest. Doch das Sofortmaßnahmenpaket der Regierung zur Wiederbelebung der Immobilienspekulation wird da schon Abhilfe schaffen. #RienNeVaPlus

Ein Mann mit Visionen oder der neueste Trend im Skibrillen-Segment. (Foto: Ministère des Finances)

Gilles Roth ist aber bekanntlich auch jemand, der über den Tellerrand hinausschaut und dessen Visionen nicht an der kommunalen Skipiste Halt machen. So jettete er mal kurz nach Berlin, um sich von Christian Lindner Tipps in Sachen Finanzpolitik zu holen. Der Liberale weiß bekanntlich, dass Probleme nur „dornige Chancen“ sind. Vielleicht findet sich also auch in Luxemburg noch irgendwo ein Sondervermögen, das man zweckentfremden könnte. Und da soll sich mal ein Gericht erdreisten, das als unrechtmäßig zu beurteilen: In Sachen Rechtsstaatlichkeit macht dieser Regierung bekanntlich niemand etwas vor. Léon, übernehmen Sie!

Apropos etwas vormachen: Auch Serge Wilmes, unbestätigten Informationen zufolge nicht nur Minister für nicht nervende Umweltpolitik, sondern auch für den am Hungertuch nagenden öffentlichen Dienst, soll sich indes an den Sparmaßnahmen beteiligen. Wie Wilmes von seinen Beamten lernte, sollen die Staatsbediensteten doch weitaus besser verdienen, als es die CGFP immer behauptet. Die bekommen sogar ein 13. Monatsgehalt und ihr Lohn ist anscheinend auch noch an sowas wie einen Punktewert gebunden. #WatSaachen Na warte, bis das der geniale CEO und Sparfuchs #Luc erfährt …

Lucky Frank und die lustige Fokus-Bande

Für ihre geniale Bescheidenheit sind auch Frank Engel und Monica Semedo bekannt. Der Frankster beweist seit seiner Parteigründung wahres Führungstalent. Nachdem das bei der CSV nicht ganz so optimal klappte, stehen die Truppen von Fokus Pokus nun wie ein Mann hinter ihrem einen Mann. Keine gewetzten Messer, keine Widerworte, keine internen Streitereien, keine Parteirauswürfe, keine Geldsorgen, dafür Beraterhonorare und Spesen für alle. Also vor allem für Frank Engel.

Da können die Europawahlen kommen. Bis dahin werden sich die Gläubiger wohl noch etwas gedulden müssen. Immerhin ist nach der Wahl im Juni dank staatlicher Parteienfinanzierung ein wahrer Geldsegen zu erwarten. Denn Fokus schickt nicht nur den visionärsten Europapolitiker und erfolgreichsten Parteipräsidenten aller Zeiten ins Rennen, sondern auch noch die Wellbeing-At-Work-Beauftragte der Luxemburger Politik, Monica Semedo.

Wen kümmert es da, dass Engel einst im „RTL“-Interview in Bezug auf Monica Semedo meinte, wer seine Mitarbeiter terrorisiere, der verdiene kein öffentliches Amt. Doch getreu dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ ist das alles vergeben und vergessen. Oder wie es der Frankster nun an der Seite von Semedo bei „Radio 100,7“ ausdrückte: „Ech hat gemengt schéissen ze missen, ouni eng Ahnung ze hunn woufir.“

Warum diese beiden Giganten der Krisenkommunikation überhaupt zusammenfanden, fragte dann noch der „tendenziöse“ Moderator, der einfach nicht wahrhaben wollte, wie unfassbar clever und überzeugend die Fokus-Wahlstrategie ist. Und Lucky Frank schoss ein weiteres Mal schneller als sein Schatten: „Sicher nicht, damit wir uns das Leben einfacher machen…“ #MajoDann

Eine Sternstunde der politischen Kommunikation (v.l.n.r.): Frank Engel, Monica Semedo und der böse, tendenziöse Nullchecker „Herr Mertens“. (Foto: Screenshot Radio 100,7)

Und in der Tat: Die Neuverpflichtung ist für die Luxemburger Nano-Partei ein wahrer Befreiungsschlag. Das Talent und enorme politische Kapital von Monica Semedo konnte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen. Immerhin ist Semedo, laut Semedo, ganz allein für den europäischen Mindestlohn verantwortlich. Ok, ja ein gewisser Luxemburger EU-Kommissar auch irgendwie, aber ohne sie wäre das sicher nichts geworden.

Darüber sollte die Presse mal berichten, anstatt über lapidare „Mobbing“-Affären. Der wahre Skandal sei denn auch die Faulheit und Inkompetenz ihrer Mitarbeiter gewesen, so Semedo zu ihrer ganz und gar unironischen Verteidigung. Gutes Personal zu finden, ist halt enorm schwer für stabil-geniale Führungspersönlichkeiten. Eine gewisse Monarchengattin kann davon ein Lied singen.

An dieser Stelle wollen wir aber noch ganz unbescheiden in Frank-Engel-Manier daran erinnern, dass wir von der Retrospect-Redaktion das alles – also, sowieso immer alles – schon vorher wussten. Nur beim Parteinamen lagen wir leider falsch. Es wurde bekanntlich weder die „Engel-Go-Partei“ (kurz: EGO) noch die „Victims of the Establishment“ (kurz: VICE), sondern die „Arbeits- und Geldbeschaffungsmaßnahme für Frank Engel“ (kurz: Fokus).


Mehr Retrospect