Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Léon Gloden und andere Könige des politischen Kegelspiels.

Ja, Sie haben uns erwischt! Viele haben es schon lange geahnt, mittlerweile sehen wir uns gezwungen, es formell zu bestätigen: Die Partei Fokus ist ein politisch-satirischer Spin-off der Retrospect-Redaktion. In einem Arbeitsvertrag mit Frank Engel, den Frank Engel freilich selbst für sich verfasste, verpflichtet sich der Spitzenhumorist, wöchentlich neues lustiges Material zu liefern. Dafür wird er natürlich entsprechend vergütet: Festgehalt, Flüssigspesen und erfolgsabhängige Boni inklusive, versteht sich.

Diese Woche ließ sich unser informeller humoristischer Mitarbeiter wieder etwas ganz Besonderes einfallen. Auf einer Pressekonferenz sollte er gemeinsam mit Monica Semedo alles, also wirklich alles und die ganze Wahrheit, zur sogenannten(!) „Mobbing“-Affäre gegen die Europaabgeordnete auf den Tisch legen. Nur zu dumm, dass das Verfahren geheim bleiben muss und somit die Pressekonferenz vergebens war. Wer konnte denn auch schon wissen, dass das EU-Parlament bei Verschwiegenheitsklauseln selbst für Luxemburger Scherzparteien keine Ausnahme macht?

Aber wie wir als zufriedene Auftraggeber schon lange wissen: Wenn Frank Engel sagt, er wird liefern, dann liefert er! Wegen seiner schlechten Freundeskreis-Erfahrungen will er auch stets beweisen, dass es sich bei unserem Arbeitsvertrag nicht um eine Scheinbeschäftigung handelt. Monica Semedo, das wahre Opfer ihrer eigenen Mobbing-Affären, musste sich dafür nur mit einer Maske mit dem aufgestickten Wort „Maulkuerf“ vor die Presse stellen. Wer da nicht lacht, ist selber schuld. #LOL

Die Verpflichtung der besten Satirikerin des EU-Parlaments seit Martin Sonneborn ist aber nur die erste Etappe auf dem unaufhaltsamen Weg zur Macht. Laut überaus humorfrei unterrichteten Kreisen wird die Opfervereinigung des politischen Establishments (Fokus) nämlich in den kommenden Wochen weitere Königstransfers verkünden. Roy Reding, Fränk Arndt, Roberto Traversini und Joe Thein sollen demnach rechtzeitig vor den Parlamentswahlen das Allstar-Team komplettieren. #Zesummen

Léon, der Amateur

„RTL“ strahlte diese Woche seinerseits die neuste Folge seiner Erfolgsserie „Und täglich grüßt das Bettelverbot“ aus. Léon „der Profi“ Gloden begeisterte das Publikum erneut in der Rolle des besserwisserischen Ministers, die ihm wie auf den Leib geschnitten ist.

Auf die Kritik der Generalstaatsanwaltschaft, dass Hunderte Strafverfahren von der Kriminalpolizei wegen des Bettelverbots nicht bearbeitet werden können, antwortete der Minister, dass der Brief gar ja nicht an ihn adressiert wurde: „Frau Solovieff hat einen Brief an den Minister für die innere Sicherheit mit Kopie an die Justizministerin verschickt. In der neuen Regierung gibt es jedoch keinen Minister für innere Sicherheit, sondern einen für innere Angelegenheiten. Ich verstehe aber, als ich den Brief las, dass er an mich gerichtet wurde.“ #Schachmatt

In den Kompetenzbereich des Ministers für innere Angelegenheiten, außerordentliche Arroganz und Klugscheißerei fällt aber offenbar ebenfalls die Abteilung für wahnwitzige Auslegungen von Fakten. Den Brief der Generalstaatsanwältin versteht Léon Gloden nämlich als „Hilferuf“, weil die vorherige Regierung nichts unternommen habe gegen die Drogenkriminalität. Erneut weiß der Innenminister rhetorisch zu überzeugen. Das findet zumindest der Minister selbst.

Nach einer weiteren Woche voller einwandfreier öffentlicher Auftritte und überzeugender Argumente: Léon Gloden bleibt von seiner Darbietung als Minister tief beeindruckt. (Foto: EU 2024)

Damit gelingt es der Produktionsfirma „Frieden Entertainment“ die Spannung bei jeder neuen Folge aufrechtzuerhalten. Gelingt es der Opposition endlich, den Minister dazu zu zwingen, Fehler einzugestehen? Schafft es die Generalstaatsanwaltschaft in einem neuen Brief sich an das richtige Ministerium zu wenden? Alles das und vieles mehr erfahren wir leider erst in der nächsten Folge „Und täglich grüßt das Bettelverbot“.

Obwohl der CEO der Produktionsfirma bereits neue Projekte wie „Better Call Gio“, eine Drama-Miniserie über die Lösung der Wohnungskrise, angekündigt hat, besteht Léon Gloden offenbar auf der Fortsetzung seiner Erfolgsserie. Eine Absetzung scheint in der Tat unwahrscheinlich.

Eher der zurückhaltende Typ

Ähnlich souverän wie Gloden reagierte der Virtuose der politischen Krisenkommunikation, Marc Lies, auf die Kontroverse um seine nächtlichen Facebook-Eskapaden. Im Wortlaut: „Ja, aber Nein, also irgendwie doch, oder vielmehr naja, also es tut mir wirklich leid, ich bin ja gar nicht Rechts, aber man wird ja wohl noch angeheitert gegen Ausländer hetzen dürfen, also wirklich Sorry, oder vielmehr Sorry, aber nicht Sorry, und überhaupt, was soll das Ganze, Gambia ist schuld, grénge Wouscht do, obwohl, im Grunde wurde ich ja falsch verstanden, bin nur auf der Maus meines PCs ausgerutscht und dann unglücklich mit der Nase auf die Tastatur gefallen, nawell Prost!“

Als gebannter Zuschauer fühlte man sich da doch direkt an die Passage aus dem CSV-Satire-Magazin „Zäit fir eng nei Politik“ erinnert, das vor den Wahlen an sämtliche Haushalte verteilt wurde und offensichtlich als Begleitheft zur neuen Serie gedacht war. Dort hieß es jedenfalls akkurat: „Marc Lies ist eher der zurückhaltende Typ. Mit seiner besonnenen, aber auch direkten Art ist er der beste Beweis, dass man in der Politik auch ohne viel Tamtam und ohne Selfies und Posts in Endlosschleife politisch erfolgreich sein kann. Polemik bringt das Land keinen Schritt weiter, davon ist er überzeugt.“ #SoTrue

Nawell puer Klatzen am Kullang

Der geneigte Cineast erkennt: Die Nebendarsteller avancieren zu den wahren Stars der Serie. Und auch altgediente Mimen, die schon fast in Vergessenheit geraten waren, trumpfen wieder auf. So auch François Bausch, der nach Léon Glodens „Rundumschlag“ gegen Rot-Grün – was macht eigentlich die DP? – zum Gegenschlag ansetzte. Bei „RTL“ fragte er sich, ob Léon Gloden jemals in seine Regierungsrolle hineinfinden wird. „Deen huet schonn esou vill Klatzen an de Kullang geheit, bei mir doheem hätten se gesot, wéini trëfft deen endlech mol eng Keel“, so Fränz „The Dude“ Bausch.

„An ech hat geduecht, mir wären Amateuren…“: François Bausch mit dem ehemaligen Hauptdarsteller der mittlerweile abgesetzten Dramedy-Serie „Blau-Rot-Grün“. (Foto: Matic Zorman)

Als er noch neu in seiner Rolle als Polizeiminister gewesen sei, habe er sich extra hinten im Einsatzwagen versteckt, um sich ein Bild der Polizeiarbeit zu machen, so Fränz weiter. So geht „Method acting“. Da brauche es keine Show und keinen Sheriff, der wild um sich schieße. Léon Gloden müsste den Grünen eigentlich „Merci soen“, befand der einstige Deputy von Blau-Rot-Grün. Einfach so zu behaupten, er und seine ehemaligen Kollegen seien schuld an der ganzen Sicherheitsmisere, das wär ja noch schöner. Da könnte man gleich behaupten, die Ressorts innere Sicherheit und Wohnungsbau hätten in den vergangenen Jahren in Händen des grünen Laiendarstellers Henri Kox gelegen.

Der Erzählstrang „Wer hat’s erfunden?“ oder eher „Wer hat Schuld?“ wird sich wohl noch länger durch die Serie ziehen. Dabei wissen wir doch seit Léon Gloden, Marc Lies und Simone Beissel längst die Antwort: Im Zweifel waren es Hühnerdiebe in Limousinen mit ausländischen Kennzeichen, die nicht genug gefüttert wurden. Trotzdem werden uns die Autoren dieser Erfolgsstory mit Sicherheit auch künftig mit weiteren spannenden Wendungen und Fragen begeistern:

Trifft Léon, der Amateur, auch mal einen Kegel? Wann ist die nächste Pressekonferenz von Fokus Pokus? Wie viel müssen die Tabaktouristen noch rauchen, damit wir noch mehr „Netto vom Brutto“ bekommen? Wann sehen wir endlich wieder Xav auf der großen Bühne? Wird Gérard Schockmel doch noch Gesundheitsminister? Wann schlägt Luc Frieden endlich mal mit der Faust auf den Tisch? Wer bezahlt heute die Cocktails und Weine von Franz Fayot? Und was macht eigentlich Marc Hansen? Bleiben Sie dran!


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