Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: Schlechte Schüler und eine letzte Runde.

Schnee, Eisregen, Glätte: Winter is coming – pardon, ist da. Wie mit allen zur Verfügung stehenden Alarmglocken angekündigt, versank das Großherzogtum Mitte der Woche im Winterchaos. Die Parole lautete Corona-like: „Bleift doheem!“ Und der Großteil der Luxemburger gehorchte. Dabei hätten die Kinder doch so gerne die Schulbank gedrückt. Und ihre Lehrerinnen und Lehrer sowieso. Man hat als Lehrkörper ja auch sonst nie frei.

Nicht frei, das hatten am Mittwoch hingegen die Mitglieder der harmonischsten Regierung, seit es konservativ-liberale Koalitionen gibt. Oberlehrer Luc Frieden hatte die schwarz-blaue Rasselbande nach Senningen bestellt – Sie wissen schon, dieser Ort, dem dieser ganz besondere Geist innewohnt. Nach dem Ministerrat wollte der erfahrene Medienmann – der einst in Esch bei Wind und Wetter Zeitungen austrug und später in Gasperich bei Gegenwind von uneinsichtigen Journalisten mega-erfolgreich ein Medienunternehmen leitete – die Presse empfangen. Das Wetter machte #Luc allerdings diesmal einen Strich durch die Rechnung.

Selbst Ministerlimousinen fuhren nicht und der Ministerrat fand per Videokonferenz statt. Was der Premier verkünden wollte, bleibt sein Geheimnis. Das Protokoll des Treffens wies wenig Spektakuläres auf. Vielleicht wollte der neue Schlossherr auch nur in aller Transparenz erzählen, wie schön es in Senningen ist und wo er künftig seine Kamingespräche mit den Journalisten führen will. Warm wurde es am Mittwoch dem Vernehmen nach trotzdem so manchem Minister.

Ein ahnungsloser Tausendsassa

Absolut nicht vertrauenswürdigen Informationen zufolge las Oberlehrer Luc nämlich dem einen oder anderen Mitglied seiner nach dem unbeliebten Bezirksprinzip zusammengewürfelten Klasse ordentlich die Leviten. Dass die neue Regierung durch das offenbar von vielen Menschen als gar nicht so super empfundene Bettelverbot als kaltherzig angesehen wird, fand der neue Luc nun gar nicht cool.

Problemschüler Léon Gloden verstand da die Welt nicht mehr. Er habe doch nur die Hausaufgaben gemacht, die ihm die strenge Iron Lydie aufgegeben hat. Und nun  unterstellen ihm sogar Verfassungsexperten, er wolle „Liichtmëssdag“ abschaffen. Wie man es macht, macht man es falsch. Politik ist einfach so ungerecht. Der kleine Léon motzte daraufhin erst mal etwas auf der stillen Treppe. Da konnte er dann auch keine weiteren Märchen über Dekrete von anno dazumal erzählen.

Dass Léon, der Profi, es nicht so mit Jurisprudenz und Gesetzestexten hat, hatte keiner ahnen können – er selbst auch nicht. Schließlich war er als Abgeordneter der Top-Verdiener des Parlaments mit 17-Stunden-Arbeitstagen – laut eigener Aussage. Dann wird er Innenminister und live on air von einem Staatsanwalt wie ein Erstsemester abgekanzelt – peinlich. Was seine Ex-Kollegen von der prestigeträchtigen Kanzlei EHP dazu wohl sagen? Da kann selbst Napoleon den kleinen Léon vor Spott nicht schützen. Gut, dass es am selben Tag Eisregen gab. Und gut, dass in einer solchen Lage nicht der Innenminister zuständig ist – halt, doch!

Yuriko in the Army Now

Wesentlich mehr Spaß in ihrem neuen Job hat dagegen die neue Verteidigungsministerin, die sich im Nebenjob auch um Bauen, Mobilität und Gleichberechtigung kümmern soll. Sie verbindet aber alles ganz vorbildlich. Um die Frauenquote der Armee zu verbessern, ist Yuriko einfach selbst der Truppe beigetreten. Im neuen Rekrutenjahrgang war eine Frau die Beste – Zufall oder nicht?

Yuriko fährt schon mal das Panzerfahrzeug vor. (Foto: MAEE)

Die Chanel-Kette wurde durch Panzerketten ersetzt. Zack, zack. Auf dem Härebierg finden demnächst auch Lehrgänge statt, wie im aktiven Kampfeinsatz gegendert wird. „Wir müssen auch von Soldatinnen sprechen und nicht nur von Soldaten. Da muss auch gegendert werden“, sagte die Tarnmuster-Ministerin im „RTL“-Interview.

Wie bei der Tanzeinlage auf der Weihnachtsfeier der Armee führt die Ministerin ihre Generäle mit harter Hand. „Wir müssen boots on the ground haben“, dekretierte sie. Überzeugt bei der Armee hat Yuriko die Jobsicherheit. „Ech wär ganz frou, wann ech mol kéint eng Kéier en Job fir 5 Joer maachen“, sagte sie. Sie bringe sogar Erfahrung mit: Sie war als Diplomatin schon mal bei einem NATO-Gipfel dabei. Sie freue sich jedenfalls auf ihren nächsten Auslandseinsatz in „Lituanien“. Klingt gefährlich.

In gefährliche Gefilde begab sich auch der Klassenclown der Regierung. Xav setzte auf Reisen in die Krisenregionen dieser Erde seine Mission fort: „Nur mal kurz die Welt retten“. Die ersten Buchstaben seines Namens sind bereits auf dem Friedensnobelpreis eingraviert. Der Rest ist Formsache. In Davos wunderte sich derweil Wolodymyr Selenskyj, wer denn dieser neue Luc ist und wo dieser Xav abgeblieben ist, der ihm einst so gute Tipps in Sachen Kommunikation gab.

No Jang, no more

Jang hat dagegen fertig. Er schmeißt hin, hat keine Lust mehr. Und vor allem nicht auf die Europawahlen, wie er am Mittwoch verkündete – natürlich per Facebook. Wenn seine geliebten Sozialisten Nicolas Schmit zum EU-Spitzenkandidaten machen und nicht ihn – dann ist Schluss mit Politik! Es kann niemanden neben dem Jang geben!

Jangs Entscheidung hat natürlich nichts damit zu tun, dass alle „Parteifreunde“ froh sind, ihn los zu sein und dass die Interviewanfragen von deutschen Medien seltener werden. Nein, überhaupt gar nicht. Er habe sehr viele „Engagementer, déi ech am Ausland fir déi nächst Méint ugebuede krut“.

„Och Politiker si keng Dauerbrenner“, meint Jang etwa resigniert. Sein Freund Sergey Lawrow gewinnt jetzt ihr internes Duell, wer am längsten Außenminister ist. Nun gut, in einer „lupenreinen Demokratie“ ist es auch einfacher, sich am Amt festzuklammern.

Ganz loslassen kann Jang aber nicht. In einer unverhohlenen Drohung versichert er, seiner Partei zur Verfügung zu stehen, um ihr zu helfen, gut bei den Wahlen abzuschneiden. Da musste die versammelte Sozialistenschar auf ihrem Neujahrsempfang in der „Fabrik“ – klar, Arbeiter halt – erst mal einen großen Schluck aus dem Sektglas nehmen.

Tage feiern, wie sie fallen

In die „Chamber“ wollte Jang bekanntlich nicht. Sein Glück. Anders als die faulen Schüler und Lehrer hatten die arbeitswütigsten Volksvertreter, seit es parlamentarische Demokratien gibt, nämlich keinen schneefreien Tag. Das Parlament hatte die einzige Plenarsitzung der Woche nämlich schon am Dienstag angesetzt. #Pech Dafür hatte man sich aber einige richtig schwere Brocken aufgehalst: zwei bilaterale Abkommen, darunter eines mit „Lituanien“, und das vielleicht wichtigste Gesetz des Jahres. Nein, nicht der Haushalt oder die Lösung der Wohnungskrise. Sondern der Text, um das Dilemma zu lösen, dass Christi Himmelfahrt und der Europatag in diesem Jahr auf denselben Tag fallen.

Gut, dass die Politik ein wachsames Auge auf Feier- und Urlaubstage hat. Marc Spautz, dem letzten Vertreter des sozialen CSV-Flügels, war das Problem bereits im Januar 2023 aufgefallen, woraufhin er flugs eine parlamentarische Anfrage gestellt hatte. Als Dank durfte er nun als Fraktionsvorsitzender, Ausschusspräsident und Berichterstatter das Gesetz vorstellen. Für Ex-Arbeitsminister Georges Engel gab es hingegen nur Dank von der eigenen Partei. Politik ist halt ungerecht. Fragen Sie mal Léon Gloden.

Ex-Minister mit Preisschild. Oder „enger Posch voller Iddien“? (Foto: Facebook/LSAP)

Mehr als ungerecht empfand es derweil Sam Tanson, dass Claude Wiseler ihr am Dienstag nicht das Wort erteilen wollte. Der neue Zeitspar-Parlamentspräsident war der Meinung, trotz namentlicher Erwähnung sei dafür nun keine Zeit in der „Question time“. Oberstudienrat Wiseler hatte am Morgen wohl das Richtige gefrühstückt und den Tiger in sich entdeckt. Schade, vielleicht hätte die ehemalige Justizministerin der neuen Law-and-Order-Regierung da schon erklären können, was denn nun zur Bettelei im Strafgesetzbuch steht.

Womöglich hätte das Parlament sich sogar dazu durchringen können, irgendwann mal eventuelle Rechtsunsicherheiten zu beheben. Offenbar ist dazu doch tatsächlich der Gesetzgeber zuständig. Doch dafür fehlte wohl wie so oft die Zeit.

Zeit nahm sich die „Chamber“ dafür für die wirklich wichtigen Dinge. Insgesamt zwölf verdienten Ex-Parlamentariern wurde der Titel des Ehrenabgeordneten verliehen. Hier die Namen in alphabetischer Reihenfolge und absolut kommentarlos: Semiray Ahmedova, Jean Asselborn, Simone Asselborn-Bintz, Tess Burton, Frank Colabianchi, Jean-Marie Halsdorf, Ali Kaes, Henri Kox, Charles Margue, Lydia Mutsch, Roy Reding und Jean-Paul Schaaf. Die Retrospect-Redaktion gratuliert und wünscht allen Titelträgern ein geruhsames und schneechaosfreies Wochenende.


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