Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: junge Hüpfer und Glanzstunden des Journalismus.

Es war einmal ein Wallaby, das wollte kein Känguru sein, wurde aber von allen dazu gemacht. Zu Hause wollte es auch nicht mehr sein und so hat es sich „duerch d’Bascht gemaach“. Sammy, wie das Beuteltier gerufen wurde, hatte genug von seinem total natürlichen Consdorfer Lebensraum. Und so machte es sich aus dem Staub und lebte seinen Traum. Das ganze Großherzogtum war außer Rand und Band – zumindest, wenn man der Breaking-Kangaroo-News-Berichterstattung der Leitmedien glauben darf.

Sammy war also in aller Munde. Der ACL sah in ihm ein Verkehrsproblem, die ADR vermutete einen illegalen Einwanderer oder zumindest einen Grenzgänger, der kein Luxemburgisch spricht. Die DP hingegen wollte den jungen Hüpfer als Talent verkaufen, das ganz ohne Xavier Bettels Trampolin den Sprung nach ganz oben schaffen könnte. Deutschland führte sogar wieder Grenzkontrollen ein. Die Luxemburger Presse wiederum frohlockte. Das Sommerloch kommt aber auch jedes Jahr früher.

Die Regierung war hingegen ratlos. Denn laut Landwirtschafts- und Freiwild-Ministerin Martine Hansen gibt es hierzulande keinen Experten für Kängurus. „Wie bitte?“, schallte es da von der anderen Seite der Mosel – pardon – aus Remich: Daniel Frères schnappte sich sogleich ein Netz und – schwupps – war Sammy wieder da, wo er hingehört. In Consdorf, auch bekannt als das Australien der Großregion.

Beutelnde Qualitätsdebatten

„Sie waren sehr nervös“, sagte Daniel Frères nach der Fangaktion dem „Luxemburger Wort“ und bezog sich damit auf Sammys tierische Angehörigen. Jetzt, wo Sammy wieder wohlbehalten zu Hause ist, sei das Familienglück wieder perfekt. Die Wiedersehensfreude sei sehr groß gewesen, erklärte der einfühlsamste Piraten-Politiker, seit es total unproblematische Kandidaten und Parteienanzeigen finanzierende Immobilienmakler gibt.

Zuvor hatte „RTL“ berichtet: „D’Fro ass just: wëll de Männchen iwwerhaapt rëm heem? Eisen Informatiounen no huet en zwou Frae mat zwee Kanner sëtze gelooss. Vläicht war dat dem gudde Jong einfach ze vill.“ Tja, so geht Qualitätsjournalismus im Jahr 2024. Das ist schwer zu toppen, allenfalls durch ein „Face à Face“ von Tom Weidig und Tatta Tom – Vorhang auf für ein kleines bisschen Krawall-Journalismus. Und alle Kanäle offen für Kommentare. Die Klicks heilen eben alle Mittel. Und spätestens jetzt wissen wir: Jede einzelne der vielen Millionen, die der Staat dem Sender Jahr für Jahr für seinen Dienst am Gemeinwohl überweist, sind hier gut aufgehoben.

Es waren aber auch anstrengende Tage für Medien und Politik. Denn Sammy hatte es sogar ins Parlament geschafft. Also nicht er selbst, sondern als Thema – wobei im Luxemburger Wahlsystem hätte das Promi-Beuteltier bestimmt gute Chancen, Abgeordneter zu werden. Bis es so weit ist, mussten nun aber erst einmal andere in die Bresche springen. Fernand „Tiger“ Etgen und Dr. Alexandra Schoos bombardierten Martine Hansen mit Fragen zur Gattung der Diprotodontia. Ihr Fazit: Auch „kleine Schweine“ benötigen eine Genehmigung.

Eine solche Anmerkung bleibt in einem derart ehrenhaften Haus wie der „Chamber“ natürlich nicht ohne Raunen, sodass Martine Hansen klarstellen musste, dass sie „Schweine mit vier Beinen“ gemeint habe. Da sind wir ja beruhigt. Auch, dass sich unsere Politiker einfach für nichts zu schade sind. Doch zu ihrer Ehrenrettung muss man betonen, dass sie zu diesem Moment bereits anderthalb Tage öffentlicher Sitzungen hinter sich hatten. Da kann man schon mal etwas übermütig oder unseriös werden. Fragen Sie mal Barbara Agostino (Retrospect berichtete).

Zu dumm für den „Zirkus“

Apropos ehrenhafte Abgeordnete. Diese können sich jetzt darauf freuen, bald einen Neuzugang zu begrüßen. Im Fußball würde man von einem Toptransfer sprechen. Die ADR kann nämlich nun endlich Fernand Kartheiser nach Europa schicken und dafür den rhetorisch ähnlich brillanten Dan Hardy zum Krautmarkt abordnen.

Dieser hat in seiner Zeit als „RTL“-Journalist gelernt, richtig kritisch zu denken, was ihm denn auch während der Covid-Pandemie zugutekam. Mittlerweile sind seine Gedankengänge so geschärft, dass er ein Reichsbürgersymbol nur noch dann als Profilbild benutzt, wenn er das Bild „schéin“ findet, wie er seinem früheren Arbeitgeber erklärte. Auf kritische Fragen zu antworten, das ist ihm aber doch bisweilen „ze domm“. Gleiches gilt offenbar für den Versuch, zwei unfallfreie, nicht komplett sinnfreie Sätze aneinanderzureihen.

Mit welchen Dossiers er in der „Chamber“ betraut wird, das wusste Dan Hardy auch noch nicht, doch Alexandra Schoos habe bereits den Wohnungsbau an ihn abgeben wollen, so der Natur und Menschen liebende Dan, der Gast Gibéryen sein Vorbild nennt. Wenn er wie dieser auftritt, lohnt sich endlich wieder das Eintrittsgeld für den „Zirkus“, wie Liz Braz die „Plenière“-Sitzungen im Interview mit „Radio 100,7“  bezeichnete. #Stimmung

Ein „flotter“ Masterplan

In diese Manege muss – Amt oblige – hin und wieder auch Luc Frieden. Und wenn der Premier schon mal ran muss, dann gibt er sich auch Mühe, in seine erste Rede zur Lage der Nation auch etwas Inhalt hineinzupacken und darin auch nur ein einziges Mal „flott“ zu sagen, nur um dann von der Opposition vorgeworfen zu bekommen, da sei ja nichts Neues drin. Und das mit der „Simplification administrative“ würde ja auch nicht alle Probleme lösen. Stimmt wohl, denn sonst hätten einige der werten Abgeordneten, als sie noch in der Regierung waren, vielleicht selbst mal ein paar Prozeduren abgebaut.

„Etat de la nation“, Europawahlen, Interviews, Friedenskonferenz, Ministerrat und dazwischen immer wieder nach Brüssel: Als Premier hat man aber auch nie Zeit für sich. Und wenn man dann doch einmal im heimischen Schloss Senningen eingekehrt ist, die Krawatte einen Millimeter gelöst und es sich vor dem Kamin bequem gemacht hat, dann läutet es an der Schlosstür. Der Donald war da. Nein, nicht der Trump, auch nicht Duck und auch nicht Sutherland – Rest in Peace. Donald Tusk stattete #Luc einen Besuch ab und teilte ihm mutmaßlich mit, dass das mit diesem Christophe Hansen als EU-Kommissar nun vielleicht doch nichts werden könnte.

So was aber auch. Dabei hatte dieser Christophe Hansen doch eigens dafür das EU-Parlament verlassen, um in Luxemburg nicht Mitglied der neuen Regierung zu werden, um so wieder für das Europaparlament zu kandidieren, um dann nicht dorthin zu wollen, sondern in die Kommission berufen zu werden. Bei einem solchen Plan konnte doch eigentlich nichts schiefgehen.

Vive de Sammy

Luc Frieden freute sich daraufhin erst einmal auf ein erholsames Wochenende ohne viele Termine. Doch dann erinnerten ihn seine Mitarbeiter, dass ja Nationalfeiertag vor der Tür steht. Zu seiner Zeit musste er nur ins Te Deum, jetzt gibt es ja noch diese komische zivile Zeremonie. Und bestimmt muss er am Vorabend auch mit Guillaume und Stéphanie nach Esch, nur um dann dort wieder vom kleinen Charles die Schau gestohlen zu bekommen. Aber wenigstens gibt es im beschaulichen Minett keine Politiker, die irgendwie eine CSV-geführte Koalition ins Wanken bringen könnten. Oder etwa doch?

Doch da muss Luc als CEO des Landes nun durch. Total unbestätigten und absolut unseriösen Informationen zufolge soll er nämlich Wallaby Sammy und/oder Daniel Frères einen Orden verleihen. Immerhin brachten die beiden etwas Freude ins Leben der Luxemburger, die so mal eine Woche nicht an die brodelnden Krisen dieser Welt denken mussten.

Und sowieso ist #Luc ein großer Fan der großherzoglichen Familie. Und diese gilt es ja an diesem Wochenende zu feiern. Ok, vielleicht wäre er lieber selbst der Monarch. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Mit einem Schloss hat es ja immerhin schon geklappt. Zu viele Paläste werden sowieso mit der Zeit zu teuer. Und dann erst das Personal. Fragen Sie mal Heng, Tréis und Co, wie man da mit läppischen 18,5 Millionen Euro auskommen muss. Das sind ja ähnliche Almosen-Summen wie sie „RTL“ jedes Jahr vom Steuerzahler für die neusten Känguru-News erhält. #Peanuts

In diesem Sinne: Vive Lëtzebuerg, Vive de Grand-Duc, Vive de Luc und Vive de Sammy!


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