Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: World Wide Lydie und ein Premier als Platzhalter.

Die Mondlandung, der Mauerfall, Gilles Mullers Triumph gegen Rafael Nadal: Es gibt diese historischen Ereignisse, da sitzt gefühlt die gesamte Welt oder zumindest eine ganze Nation vor den Übertragungsgeräten. Diese Woche war wieder einer dieser Momente.

Das Großherzogtum wurde Zeuge, als Lydie Polfer sich trotz ihrer vielen sonstigen Aufgaben die Zeit nahm, um im parlamentarischen Ausschuss für Kommunikation und Medien zu erscheinen – nur als „Ersatz“, wie sie betonte – und die zuständige Ministerin samt ihren hohen Beamten mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu konfrontieren. Um die Bedeutsamkeit ihrer Intervention zu betonen, zitieren wir hier den ganzen Wortlaut:

„Ech profitéiere vun der Präsenz vun sou ville Spezialisten, fir eng Fro ze stellen, déi ech elo gestallt krut an op déi ech net wierklech eng Äntwert weees, a wat ech awer keng flott Situatioun fannen: Wann een eppes siche geet, op dat elo op Google ass oder sou, losse mer soen, ech wees et net, e Swimmingpool oder iergend eppes, eng Decken, déi waarm mécht, an datt een dann dono direkt lauter Cookien kritt, déi engem dat ubidden am kommerzielle Punkt“, so Iron Lydie, die damit auf ein Neues ihre Nähe zum einfachen Volk – und auch zur Jugend – demonstrierte.

„Et si besonnesch och jonk Leit, déi, sou schéngt et, do vill sou Saache sichen ze kafen, an gëtt et do eng Méiglechkeet, fir dat ze ënnerbannen? Well ech hunn dat vun e puer Leit héieren an do hu X Leit hannendrun gesot: Ah jo, dat ass mir och scho geschitt. Dann hunn ech no eppes gesicht, op dat e Vëlo ass oder soss eppes, an da krut ech dono esou vill Publicitéiten, fir dat eben ze kafen. Gëtt et do eng Méiglechkeet, fir sech ofzedecken, sou, datt dat net geschitt?“, fragte der bekennende Fahrrad-Fan.

An dieser Stelle kommen wir nicht umhin, Parlamentspräsident Claude Wiseler zu danken, weil er uns die Übertragungen von Kommissionssitzungen geschenkt hat. Wie lange mussten wird darauf warten und wie lange wussten wir nicht, wie hart unsere Politiker hinter verschlossenen Türen schuften und Lösungen für die dringendsten Probleme ausarbeiten. Die delegierte Medienministerin Elisabeth Margue jedenfalls konnte Iron Lydie prompt Antworten liefern. Ob diese am Ende den gesuchten Swimmingpool oder die begehrte Heizdecke fand, entzieht sich aber leider unserer Kenntnis.

The Real Pim Shady

Ganz andere Probleme als Iron Lydie hat ihr Parteikollege aus Esch, Pim Knaff, auch bekannt als Pim Tonic oder Pim Shady. Seitdem irgendein daher gelaufenes Presseorgan berichtet hat, dass er wegen schwerer Steuerhinterziehung verurteilt wurde, verlangen doch tatsächlich Teile der Bevölkerung Konsequenzen, ja gar einen Rücktritt. Wo kommen wir denn da hin?

Das wäre ja ebenso absurd, wie wenn ein plagiierender Premier einräumen würde, abgeschrieben zu haben, oder wenn ein Bildungsminister für einen öffentlichen Ausraster Rechenschaft ablegen müsste, oder wenn für eine Millionen-Korruptionsaffäre in einer mit christlichen Werten regierten Gemeinde irgendjemand politische Verantwortung übernehmen müsste. Wir könnten die Liste weiter fortführen, doch wir wollen Ihnen nicht Ihr ganzes Wochenende nehmen …

Zum Glück für Pim und seine liberalen Freunde laufen die Dinge in Luxemburg jedenfalls anders. Naja, also dass er mit seinem „Jugement sur accord“ lieber unter dem Radar bleiben wollte, das hat nicht ganz geklappt. Doch immerhin kann er sich auf seinen Parteipräsidenten und auf seine Escher Buddies verlassen. Warum sollte man denn auch wegen einer strafrechtlichen Verurteilung Unruhe in eine so schöne Dreierkoalition bringen. Man wolle immerhin weiter eine ambitiöse Politik machen und es gebe noch viele Spielplätze einzuweihen, finden etwa die Escher Grünen. Dem Ämtersammler und Deontologiefetischisten Meris Sehovic gefällt das.

Nur die wirklich guten Freunde dürfen Jang Jean nennen. Das gilt für Ex-Ministerinnen, aber auch für eingebettete Journalisten. (Screenshot: Facebook/Corinne Cahen)

Apropos Einweihen: Dass nach Pim Knaff einmal eine Straße, ein Platz oder möglicherweise eine Kneipe benannt wird, ist im rosaroten – pardon – liberalblauen Luxemburg nicht auszuschließen. Nun ist aber erst einmal der Heilsbringer der CSV an der Reihe. Luc Frieden hat nämlich tatsächlich das geschafft, was Jean-Claude Juncker bis dato verwehrt blieb. Nach ihm wird ein Platz in seinem Heimatort Contern benannt. Diese Ehre wurde dort bisher nur denen zuteil, die wirklich etwas im Leben geleistet haben: Prinz Charles etwa. Nach dem vierjährigen Spross von Erbgroßherzog Guillaume ist in Oetringen ein Park benannt.

Genug geleistet, das hat #Luc offenbar nicht für jeden. Die Conterner DP, auf nationaler Ebene immerhin der Koalitionspartner der CSV, findet einen Frieden-Platz im Ort nämlich gar nicht so „flott“. „Wenn Luc Frieden eines Tages eine ordentliche Bilanz seines Schaffens vorlegen kann, dann darf ruhig ein Platz nach ihm benannt werden“, befand laut „Tageblatt“ DP-Rat Robert Axmann. Jetzt sei es aber noch zu früh: „Das ist eine Praxis, die vielleicht in Diktaturen üblich ist, aber nicht hier bei uns!“, so der DP-Lokalpolitiker. Jean-Claude Juncker dürfte demnach seinen einstigen Dauphin künftig mit „Hello, Dictator“ begrüßen.

Weitsichtiger als in Contern war man derweil im Kanton Vianden. Die Ortschaft Bettel nämlich hatte man schon lange vor Amtsantritt eines gewissen Xavier so benannt. Dieser Xavier Bettel wird bekanntlich – laut Xavier Bettel – immer wieder gefragt, wann er denn einen Top-Job auf EU-Ebene übernimmt. Laut „Politico“ trauen ihm das aber eher wenige zu. „Er scheint ein toller Typ zu sein, mit dem man ein Bierchen trinken kann, aber ich bezweifle, dass viele am Tisch ihm die Außenpolitik (der EU) anvertrauen würden“, zitiert das „Luxemburger Wort“ aus dem „Politico“-Artikel einen hochrangigen Diplomaten.

Drama, Baby!

Mit Namen, da kennt sich auch Barbara Agostino aus. Vor Kurzem ergriff die Präsidentin des parlamentarischen Ausschusses für Bildung in einer seiner Sitzungen das Wort, um den anderen Abgeordneten das zu erklären, was sie noch nicht wussten und vielleicht auch nie wissen wollten: Nämlich, dass die Abkürzung der Bildungsrichtung IEES zu ihrer Zeit für „Institut d’études érotiques et sexuelles“ stand. Gut, dass wir darüber gesprochen haben, dachte sich da der direkt neben ihr sitzende Claude Meisch. Oder wenn man seinen Gesichtsausdruck deuten wollte, wünschte er sich vielleicht auch einfach nur eine Tasse Kaffee.

Die authentische Barbara hatte dieser Tage aber auch noch andere Anekdoten parat. So gab sie auf Facebook preis, dass sie ohne die BIL niemals ihre erste Kindertagestätte hätte eröffnen können, da ihr sonst keine Bank einen Kredit habe geben wollen. Solche Botschaften in solch schweren Zeiten freuen einen doch als Bank, umso mehr, wenn an die Message gleich noch ein Link der BIL anhängig ist, mit dem diese um Neukunden wirbt. Dass sie selbst damit Werbung für die Bank gemacht haben soll, wie böse Medien à la „Radio 100,7“ in den Raum stellten, dieses „Drama“ konnte Barbara nun gar nicht nachvollziehen. Sie habe den Leuten einfach nur von ihren positiven Erfahrungen mit der BIL im Gegensatz zu anderen Banken erzählen wollen.

Ja, wie man das als Werbung verstehen könnte, das wissen wir auch nicht. Deshalb nutzen wir die Gelegenheit, um an dieser Stelle und ganz ohne Hintergedanken von unseren guten Erfahrungen mit dem Retrospect zu berichten und wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre sowie ein schönes Wochenende. Ach ja, Wählen gehen, nicht vergessen!


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