Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: geklaute Siege und politische Eigentore.

Schiebung, Skandal, Komplott, ein Angriff auf die nationale Identität! Die Aufregung unter der Woche war groß, die Solidarität noch größer. Wie einst bei „Luxleaks“ wehrte sich das ganze Land, jung wie alt, groß wie klein, woke wie ADR, gegen die ungerechte Behandlung Luxemburgs durch böse ausländische Mächte. Was war geschehen?

Die Fußballnationalmannschaft war auf schändlichste Art und Weise ihrer historischen Chance beraubt worden, an der nächsten Europameisterschaft teilzunehmen. Durch einen spanischen Schiedsrichter, sein Teufelswerkzeug VAR und die dunklen Seilschaften, die sich all das ausgedacht hatten. „UEFA zerstéiert de Fussball“, stellte der alte M-Block-Ultra Fred Keup nach dem x-ten Frust-Humpen fest. Die sozialen Medien gaben ihm recht. Nationaltrainer Luc Holtz auch.

Dabei hatte doch wirklich jeder den „Rout Léiwen“ die Daumen gedrückt. Wirklich jeder. Sogar Marc Lies hatte eine Pause von seinem selbst auferlegten Facebook-Sabbat gemacht und tauchte in einem berauschenden Humpejang-Video der CSV auf. So viele Politiker in denselben Farben und mit den gleichen Schals sieht man sonst nur auf einem DP-Kongress. Doch der ist erst am 20. April. Übrigens ein historisch betrachtet ungünstiger Tag, um möglicherweise eine neue Führung zu wählen. Aber, was wissen wir schon …

Fußball und andere Weisheiten

Doch Wahlen sind bei der DP bekanntlich wie Fußball: Wahre Fankultur, viel Phrasendrescherei und am Ende gewinnt immer Xavier Bettel. Der Cristiano Ronaldo unter den Luxemburger Politikern konnte sich denn auch diesmal bei der traditionsreichen „Politmonitor“-Wahl zum beliebtesten Politiker durchsetzen. Allerdings nur, weil der gewohnte Goldjunge Lionel Messi, pardon, Jean Asselborn nicht zur Wahl zugelassen wurde. Jang hätte wohl sowieso keine Zeit gehabt, weil er irgendwo in der deutschen Provinz den Welterklärer geben musste. Egal, ob Dresden, Lüneburg oder Marienberg, Hauptsache eine Bühne.

Jangs Parteikollegin Paulette Lenert – die Frau, die einst als Premierministerin Verantwortung übernehmen wollte, die Älteren werden sich erinnern – war ihrerseits wohl froh, nur auf dem zweiten Platz gelandet zu sein. In vertrauter Paulette-Nationale-Manier war sie sich bis zuletzt nicht ganz sicher, ob sie wirklich so beliebt, und überhaupt Politikerin, sein möchte. Das Ganze ist sowieso nur ein Spiel, oder wie die Fußballphilosophin Paulette, frei nach Otto Rehakles, sagen würde: Mal verliert man und mal gewinnen die anderen.

Am Tag des Länderspiels hatte sich doch glatt ein junger, unbekannter Fan heimlich ins Kulturministerium geschlichen. (Foto: Instagram)

Ob Luc Frieden sich über seinen dritten Platz auf dem Beliebtheitspodium freute, ist nicht überliefert. Wahrscheinlich ist es ihm aber auch nicht so wichtig. Dem Taktikfuchs geht es nach seinem Comeback um den gemeinsamen Erfolg, um den Senninger Teamgeist, darum, Mitglied „an dëser superer Partei“ zu sein. Wenn es ihm ums Ego, Macht, Titel oder Krönungszeremonien gehen würde, könnte er sich ja gleich als Premier auch noch zum CSV-Parteipräsidenten wählen lassen. Doch das wäre ja in etwa so abwegig, wie wenn ein „Goalgetter“ wegen häuslicher Gewalt verurteilt und niemand infrage stellen würde, ob er weiter für die Nationalelf auflaufen dürfe.

Bedingt „verdeedegungsbereet“

Apropos CSV-Parteipräsident. Nachdem wir vor Kurzem einräumen mussten, dass die Partei Fokus ein politisch-satirischer Spin-off der Retrospect-Redaktion ist, hielt „Headwriter“ Frank Engel Wort und lieferte auch für diese Ausgabe. Oder hatten Sie etwa gedacht, er würde sich von plumpen Einschüchterungsversuchen des EU-Parlaments davon abhalten lassen? Das wäre ja so glaubhaft, als würden irgendwelche „komischen Geheimgremien“ in Brüssel ständig „junge, nicht-weiße Frauen“ sanktionieren, nur weil diese ihre faulen Assistenten zum Arbeiten bringen wollen und Frank Engel das bei „RTL“ erzählen würde.

Gutes Personal ist halt schwierig zu finden, das weiß niemand besser als der Eric Cantona unter den Hobbypolitikern. Und seine Partei (aka „lauter Mëller do“) zusammenzuhalten, das ist ein Fulltimejob – mit verdientem Beraterhonorar. „Dir kënnt awer net dauerhaft, Är Engagementer, déi Dir an engem Bündnis hutt, vernoléissege respektiv einfach mol net erreechen, wëssend, datt dat och dozou féiert, datt Dir Iech net ausseruerdentlech beléift maacht an dem Club.“ Treffender als er selbst hätte wohl niemand die Probleme zwischen Frank Engel und Parteikollegen formulieren können. Ach so, es ging gar nicht um Fokus oder die CSV, sondern um die NATO? Sorry, unser Fehler.

Berufssatiriker, Politikermime mit Herz für Tiere und kreative Parteifinanzen: Frank Engel. (Foto: Facebook)

Wie es der Frankster mit Fußball hält, wissen wir als stets uninformierte und nur auf PR-ausgerichtete Journalisten leider nicht. Er wäre aber mit Sicherheit ein super Trainer. Denn er kennt die alte Sportweisheit „Offense sells Tickets, Defense wins Championships“ und so brauche es in ganz Europa „verdeedegungsbereet Bierger“, proklamierte Engel. Auf dem Platz würde er da wohl am liebsten den Bus im Strafraum parken. Lydie Polfer schnürt diese bekanntlich gerne zusammen und lässt die Tram auch nicht in die „Neipuertsgaas“. Doch wir schweifen ab …

Als erfahrener Erfolgscoach würde Frank Engel auch sicherlich nicht vor der schwierigen Entscheidung zurückschrecken, wen von seinem Starensemble er aufs Feld schicken würde. „Et gi jo Leit hei am Land, déi hale mech fir intellektuell begrenzt zourechnungsfäeg, mee sou topeg, datt ech gemengt hat, d’Kandidatur vum Monica Semedo géing net kontestéiert, sinn ech jo dann awer net“, ließ sich der alte Schachtelsatz-Fetischist zumindest etwas in die Karten schauen.

Neusten, total unseriösen Informationen zufolge arbeitet Frank Engel auch bereits am nächsten Transfercoup: CMCM-Abräumer Fabio Secci, derzeit noch bei der LSAP unter Vertrag, soll kurz vor einer Verpflichtung bei Fokus stehen.


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