Ein anderer Wochenrückblick ist möglich: Pünktlich zum Wochenende blickt unsere Redaktion mit einem Augenzwinkern auf jene Themen zurück, die uns und die Medien insgesamt beschäftigt haben. Dieses Mal: #Luc langweilt sich und Karnevalferien mal anders.

Leergefegte Straßen, verlassene Büros, Insta-Stories aus der Natur: Ja, haben wir denn schon wieder Corona-Lockdown? Nein, wir können beruhigt sein. Es sind einfach nur Karnevalsferien, des Luxemburgers liebste Jahreszeit, nach dem Autofestival, der „Päischtcroisiere“ und der „Schueberfouer“. Wer als guter Einheimischer, vorzugsweise Staatsdiener, etwas auf sich hält, reist natürlich für eine Woche in eines der beliebten Skigebiete direkt vor der Haustür.

In denen liegt zwar immer weniger natürliches Weiß. Doch dafür hat der Mensch ja schließlich Schneekanonen erfunden. Der Technik sei dank. Und das mit dem Klimaschützen hat – wie wir spätestens seit dem stabilen Genius-Premier Luc Frieden wissen – noch massig Zeit.

Anders als in den anderen 51 Wochen des Jahres machten diese Woche endlich auch mal unsere hochgeschätzten Parlamentarier Ferien. Manche mussten sich dabei auch von den Strapazen ihrer Tätigkeiten im Ausland erholen. Denn so eine Reise mit dem neuen Kooperationsminister #Xav ist wahrlich kein Erholungstrip. Davon können Sven Clement und Gusty Graas ein Liedchen singen.

Bereits die Bilder, die uns aus dem fernen Laos erreichten, zeugten nicht nur von einer großen modischen Stilsicherheit, sondern auch von aufopferungsvollen Aktivitäten. Allein Xav befreite in Eigenregie ein ganzes Reisfeld von Landminen. Wir hoffen, die Jury in Oslo hat da gut hingeschaut. Nachdem #Xav schon fast, also beinahe und haarscharf, den Krieg in der Ukraine beilegte, ist der Friedensnobelpreis an sich nur noch Formsache.

„Alles voller Lëtzeboier“ – Die goldene Regel, wenn man im Urlaub Landsleuten begegnet: bloß kein Blickkontakt. (Foto: Facebook)

Während Xav, Svenni und Gusty die touristischen Vorzüge von Laos genossen, widmeten sich Liz Braz, Fernand Etgen und Claude Haagen in Baku der harten Arbeit als Luxemburger Wahlbeobachter der Präsidentschaftswahl in Aserbaidschan. Da konnte sich die Neuabgeordnete aber auch wirklich glücklich schätzen.

Von wem könnte man wohl besser lernen, wie man ein scharfes Auge auf einen ordnungsgemäßen Ablauf von demokratischen Prozessen hat, als von dem Diekircher Demokratieversteher Claude. Und natürlich von Ferni, dem unparteiischsten und durchsetzungsfähigsten Parlamentspräsidenten, seit es Mehrheiten mit liberaler Beteiligung gibt. „Nur ein Wahlzettel pro Person, sonst mache ich Game-over!“, proklamierte der „Tiger“ dem Vernehmen nach gleich zu Beginn des Urnengangs. Claude pflichtete dem bei: „Et geet elo duer!“

CSV-Premiers unter sich

Apropos Schwergewichte der neueren Luxemburger Politikgeschichte: #Luc scheint sich in seiner neuen Rolle etwas einsam zu fühlen oder zu langweilen. Jedenfalls lud er seine CSV-Vorgänger Jacques Santer und Jean-Claude Juncker zu Kaffee und Kuchen ein. Bei einem entspannten Premierplausch, betört vom spukenden Geist von Senningen schwelgte das Triumvirat des wieder auferstandenen CSV-Staats in gemeinsamen Erinnerungen.

Offiziell drang zwar nichts von den Gesprächen nach außen. Doch laut mäßig informierten Kreisen boten #Jacques und #Jean-Claude dem jungen #Luc ihre dauerhaften Beraterdienste an. „Dat do, dat war näischt, do si mer eis jo eens“, kommentierte demnach Jacques Santer den Start der CSV-DP-Regierung.

„Bei all deem Tamtam vun der Press an der Oppositioun, denk drun, wourëms et eis an der CSV ëmmer gaang ass a weider goe muss: Haaptsaach Premier a Regéieren. De Rescht kanns de vergiessen“, dozierte dagegen der zweite Ehrenstaatsminister Jean-Claude Juncker. Mit dem familienväterlichen Zusatz: „Blaméier eis just net mäi Jong.“

Die Hits der 80er, 90er und „das Beste“ von Heute. (Foto: SIP/Julien Warnand)

Mit all den Sorgen der Normalsterblichen hat das Staatsoberhaupt bekanntlich nichts zu tun. Während der Premier mit Ex-Premiers palavert und die anderen Luxemburger beim Après-Ski Aperol Spritz und Schoki mit Rum schlürfen, muss Großherzog Henri … na was schon … arbeiten!

Wie wir Untertanen das schon aus der Pandemie kannten, lässt sich der Monarch bei seinen Amtsgeschäften aber nicht vom Urlaub abhalten. Sei es Biarritz oder Cabasson: So bringet mir all die Gesetze, die Ihre Königliche Hoheit unterzeichnen soll!

Für das Jahr 2024 hat sich der Großherzog aber etwas ganz Besonderes ausgedacht. Am 1. Februar unterschrieb er laut dem offiziellen Amtsblatt eine Verordnung im beschaulichen Nazca. Ob sich dafür wirklich ein Beamter auf die lange Reise nach Peru machen musste? Ob manche Unterschriften vielleicht auch noch warten können bis zum Urlaubsende? Das sind alles Fragen, die wir als gewöhnlicher Pöbel nicht nur nicht beantworten können, sondern die uns auch gar nichts angehen.

Corinne mischt sich ein

War also sonst noch was? Ach ja, es gibt auch noch ganz gewöhnliche Politiker, die ihrer Arbeit auch während der Karnevalsferien nachgehen. Zu unserer aller Freude gehört auch Corinne Cahen dazu. Sonst hätten wir diese Woche nicht erfahren, wie „passionant“ doch das Thema Obdachlosigkeit ist und dass sie der Kriminalität im Bahnhofsviertel nun mit Konzerten entgegenwirken will.

Ob sie das Bettelverbot ihrer BFF Iron Lydie mitgetragen hätte, wenn sie denn bereits damals auf dem „Knuedler“ in Verantwortung gewesen wäre, statt Mitglied der längst vergessenen, aber immer „immens kollegialen“ – blau-rot-grünen Regierung zu sein, das beantwortete Corinne mit ganz klaren Worten: „Éier esou eppes an de Gemengerot kënnt, gëtt jo am Schäfferot doriwwer diskutéiert. An ech hätt vläicht do dat opbruecht, allerdéngs sinn ech lo an där doten Majoritéit an dofir sinn ech dann och an där Majoritéit dran…“ Also ja, nee, oder so was dazwischen. Klartext wie man ihn von Corinne kennt. Mitgehangen, mitgefangen halt. Oder: mittendrin, statt nur dabei.

Es sei wichtig, dass Leute in der Politik seien, die neu seien und voller Tatendrang und vielleicht auch mal zu weit ausholen würden und sich danach auch vielleicht revidieren müssen, meinte Corinne Cahen noch. Damit kann sie natürlich nur Iron Lydie gemeint haben, die bekanntermaßen erst ganz neu im Politikgeschäft ist. Und nicht Léon Gloden, der immerhin lange Jahre für Recht und Ordnung in der Kriminalitätshochburg Grevenmacher gesorgt hat.

Denn Corinne scheint ein Fan von Léon Gloden zu sein. Immerhin hat sie ihm mit #leon100 eine eigene Kampagne auf Social Media gewidmet. Oder bezieht sich das gar nicht auf die 100-tägige Schonfrist für den neuen Minister und das Ganze hat eher etwas mit ihrem Nebenjob im Schuhfachhandel zu tun? Die Retrospect-Redaktion will sich da keinen Spekulationen hingeben. Auch nicht darüber, wen Corinne denn da gemeint haben könnte, der „de Mond virun de Walen immens voll geholl“ haben soll. Oder wie Paulette Lenert es ausdrücken würde: Man weiß es einfach nicht …


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