Recherchen von Reporter.lu belegen: Das Rote Kreuz setzt Familien auf die Straße, selbst wenn sie schutzbedürftig sind. Die Praxis ist aus mehreren Gründen fragwürdig. Sie erklärt sich auch durch interne Konflikte zwischen zwei Abteilungen.
„Die soziale Integration von Personen, die internationalen und vorübergehenden Schutz genießen, auf der Grundlage eines interkulturellen Ansatzes zu erleichtern.“ Das verspricht das Luxemburger Rote Kreuz auf seiner Webseite. Gewährleisten soll das eine eigene Abteilung mit dem Namen „Lëtzebuerger Integratiouns- a Sozialkohäsiouns-Zenter“ (Lisko). Die Sozialarbeiter dieses Integrationsdienstes begleiten die Geflüchteten in ihrem Alltag.
Für die Wohnungsvergabe an die Flüchtlinge ist beim Roten Kreuz hingegen eine andere Abteilung verantwortlich: die „Cellule de Logement Encadrement Solidaire“ (CLES). Sie kümmert sich um den bürokratischen Ablauf – verfügt aber auch über eigene Sozialarbeiter, die die Verträge mit den Geflüchteten abwickeln und kontrollieren sollen, ob die Bedingungen eingehalten werden.
Reporter.lu berichtete bereits, dass diese Abteilung etwa ukrainische Geflüchtete, die in den vergangenen Jahren in Sozialwohnungen unterkamen, per Gerichtsbeschluss auf die Straße setzen lassen will. Interne Dokumente, die die Redaktion einsehen konnte, legen nahe, dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt. Im Gegenteil: Besagte Abteilung beendete in mehreren Fällen ihre Unterbringungsangebote – auch wenn die Menschen, die dort leben, weiter hilfsbedürftig sind und kaum eine Chance haben, eine Wohnung auf dem regulären Immobilienmarkt zu finden.
Fragwürdige Praktiken
Dies führt zu internen Konflikten zwischen dem Integrationsdienst des Roten Kreuzes und der Abteilung für die Wohnungsvergabe. So kam es zu Situationen, in denen die Verträge für Wohnungen gekündigt wurden, ohne dass die Sozialarbeiter des Integrationsdienstes Bescheid wussten oder ohne dass die Betroffenen auf die Vorwürfe antworten konnten.
Da gibt es zum Beispiel den Fall einer alleinerziehenden Frau mit drei Kindern, deren Vertrag von der Abteilung für Wohnungsvergabe zwar verlängert worden war. Doch der zuständige Sozialarbeiter war ohne Übersetzer vorstellig geworden und die Frau konnte so nicht verstehen, dass sie gerade die letzte Verlängerung von drei Monaten unterschrieben hatte. Auch finden sich in den Dokumenten Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Abteilung, die ohne Vorwarnung in die Wohnungen eindrangen. 2022 führte so ein Fall zu einer Anzeige bei der Polizei, als sich ein Mitarbeiter ins Schlafzimmer einer Frau begeben hatte, die nur mit einem Nachthemd bekleidet war.
Das Rote Kreuz agiert hier genauso wie das ONA und profitiert davon, dass es die Möglichkeit hat, zweitklassige Mietverträge abzuschließen, bei denen die Geflüchteten keine Rechte haben.“Frank Wies, Anwalt und Menschenrechtsaktivist
In den meisten Fällen sind allerdings Streitigkeiten über Geld der Grund, warum die Wohnungen gekündigt werden. Dabei ist es aber oft so, dass die Buchhaltung des Roten Kreuzes sowohl für die Geflüchteten als auch für die Sozialarbeiter des Integrationsdienstes Rätsel aufgibt.
Ein Paradebeispiel ist das einer syrischen Familie, die im Süden des Landes untergekommen war: Obwohl der Vater die Miete immer pünktlich überwiesen hatte, wurden ihm auf einmal Rückstände von mehreren Tausend Euro vorgeworfen. Die Ursache waren gestiegene Nebenkosten, die sich über mehrere Jahre angehäuft hatten. Familie und Sozialarbeiter waren darüber aber nicht in Kenntnis gesetzt worden …
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