Das Rote Kreuz vermittelte drei Jahre lang Wohnungen an Flüchtlinge aus der Ukraine. Jetzt beendet die Organisation ihr Programm. Wer nicht ausziehen kann oder will, dem droht ein Gerichtsverfahren. Auf Härtefälle wird dabei keine Rücksicht genommen.
Als Russland die Ukraine im Februar 2022 überfällt, ist die Sympathie mit den Opfern des Angriffskrieges groß. Viele Luxemburger nehmen selbst Geflüchtete bei sich auf oder stellen ihre Häuser und Wohnungen zur Verfügung. So auch Gérard*, der ein kleines Apartment in Hauptstadtnähe besitzt und dort eine ukrainische Familie unentgeltlich wohnen lässt. Die Vermittlung übernimmt damals das Luxemburger Rote Kreuz, das auch für die Nebenkosten für Strom, Gas und Wasser aufkommt.
Die Verträge wurden – ähnlich wie der temporäre internationale Schutz, unter dem die Ukrainer stehen – seitdem jedes Jahr verlängert. Doch im Herbst vergangenen Jahres teilte das Rote Kreuz den Bewohnern plötzlich mit, dass das Programm beendet werde. Bis zum März 2025 müssten sie eine neue Bleibe finden, so die unmissverständliche Botschaft. Reporter.lu berichtete bereits über derartige Fälle.
Was bisher nicht bekannt war, ist, dass die Eigentümer der Wohnungen vom Roten Kreuz nicht über diese Vorgehensweise in Kenntnis gesetzt wurden. Oder zumindest nicht alle: Denn als Gérard mit seinen Mietern Mitte April Kontakt aufnahm, musste er mehr als erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass diese bereits vor die Tür gesetzt worden waren. „Wir leben aktuell in einem Flüchtlingscamp. Die Wohnungsschlüssel hat das Rote Kreuz“, so die Nachricht, die Gérard an dem Tag erhielt.
Das Flüchtlingscamp, das ist in diesem Fall das „Centre de primo-accueil Toni Rollmann“ in Kirchberg. Eine Zeltstadt, in der mitunter menschenunwürdige Zustände herrschen sollen. Es ist nicht die einzige marode Struktur des „Office national de l’accueil“ (ONA), die problematisch ist, wie Reporter.lu bereits berichtete.
Rotes Kreuz lässt Programm auslaufen
Das Rote Kreuz hatte Gérard zwar Mitte März per Einschreiben mitgeteilt, dass das Programm beendet werde. Die Bewohner sollten allerdings bis Ende Mai Zeit haben, sich eine neue Bleibe zu suchen. „Das ist ein Skandal, wie hier mit den Menschen umgegangen wird. Ich schäme mich dafür“, sagt er im Gespräch mit Reporter.lu. Er erklärt, dass er die Geflüchteten gerne weiter in seiner Immobilie hätte wohnen lassen. Die Nebenkosten hätten in dem Fall aber weiter von einem Träger übernommen werden sollen.
Doch weder das ONA noch das Rote Kreuz seien ihm diesbezüglich entgegengekommen. Dabei handelte es sich bei den Bewohnern um eine 80-jährige Frau und ihren 60-jährigen Sohn. Also um durchaus schutzbedürftige Menschen, die kaum auf dem Luxemburger Arbeitsmarkt Fuß fassen und auf dem regulären Wohnungsmarkt eine Unterkunft finden können.
Gérard zeigt sich ernüchtert. Spenden will er dem Roten Kreuz in Zukunft nichts mehr. Eigenen Angaben zufolge hat er durch das Vorgehen der gemeinnützigen Vereinigung mehrere Tausend Euro verloren. Denn hätte er gewusst, dass die Familie bereits ausgezogen war, hätte er die Immobilie an jemand anderen vermieten können. Seine Kritik bezieht sich aber vor allem auf den unsozialen Umgang und die mangelhafte Kommunikation der „Croix-Rouge“.
Hilfsorganisation zieht vor Gericht
In Düdelingen gibt es zwei weitere Härtefälle, die sich nicht ohne Widerstand der Bürokratie des Roten Kreuzes ergeben wollen. Reporter.lu hatte bereits Anfang Mai über ein älteres Ehepaar berichtet, das erfolglos versucht hatte, gegen das ONA vorzugehen. Jetzt steht dem Paar ein neuer Prozess ins Haus. Diesmal ist es das Rote Kreuz, das es per Gericht dazu bringen will, die Wohnung zu verlassen …
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