Armutsstatistiken rütteln regelmäßig das reiche Luxemburg auf. Kaum eine Zahl wird kontroverser diskutiert und gedeutet als das Armutsrisiko. Anstatt der Statistik den Kampf anzusagen, sollte die Politik das Problem endlich anerkennen und aktiv bekämpfen. Ein Kommentar.

„Man muss Statistiken stets relativieren. Ich bevorzuge es, unter dem luxemburgischen Armutsrisiko zu leben statt mit 90 Prozent des rumänischen Medianeinkommens auskommen zu müssen.“ sagte der Arbeitsminister Dan Kersch (LSAP) am Freitag im Interview mit dem „Lëtzebuerger Land“.

Armut als Ansichtssache? Nach den Wirtschaftsverbänden übernehmen nun also selbst ranghohe Sozialdemokraten den Diskurs der Relativierung des Armutsrisikos. Das ist zwar bedauerlich, aber letztlich auch verständlich. Das Eingeständnis des Problems wäre nämlich auch ein Eingeständnis des selbst verschuldeten politischen Versagens.

Zahlen, die Politik gestalten

Die entscheidende Frage ist, ob Armut ein Problem der Gesamtbevölkerung ist oder nur ein Randphänomen bleibt. Wird sie allgegenwärtig, reicht es nicht mehr, nur an kleinen Stellschrauben zu drehen. Wenn man es mit der Armutsbekämpfung ernst nimmt, wären eine wesentliche Erhöhung von Mindestlohn und Sozialhilfe oder der massive und rasche Bau von Sozialwohnungen unausweichlich …