Wer von Armut bedroht ist, ist eine Frage der Definition. In den letzten Jahrzehnten haben sich mehrere Methoden zur Messung der Armut bewährt. Die verschiedenen Ansätze führen allerdings zu teils widersprüchlichen Ergebnissen. Ein Überblick.

Altbewährt und doch verhasst. Die Einfachheit der Armutsrisiko-Statistik ist auch zugleich ihr Fluch. Jemand ist von Armut gefährdet, wenn er oder sie mit weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens einer Gesellschaft auskommen muss, so die am weitesten anerkannte Definition. Demnach ist der Anteil an Menschen, die in Luxemburg von Armut gefährdet sind, im letzten Jahrzehnt um mehr als vier Prozentpunkte gestiegen.

Vor etwas mehr als zehn Jahren hat die EU eine neue Definition der Armut eingeführt. Anstatt sich rein auf das Einkommen zu beschränken, fließen auch materielle Deprivation und Langzeitarbeitslosigkeit in die Berechnung ein. Folglich leidet man unter materiellen Mängel, wenn man drei von neun von der EU festgelegte Waren nicht besitzt.

Ein Mensch, der sich also etwa keine Waschmaschine, keine Ferien und kein Auto leisten kann, gilt demnach als arm oder sozial ausgegrenzt – und dies unabhängig davon, ob man unter das statistisch berechnete Armutsrisiko fällt oder nicht. Gleiches gilt, wenn in einem Haushalt weniger als 20 Prozent der erwerbsfähigen Menschen arbeiten …