Die europäische Urheberrechtsreform ist ein politisches Desaster – für alle. Die EU-Kommission beschimpft Bürger als Marionetten, Aktivisten beklagen den Untergang des Internets und Lobbys schlagen über die Stränge. Und am Ende steht eine verpasste Chance. Ein Kommentar.

Es ist ein politischer Streit im Ausnahmezustand. Jugendliche kommen aus ihrem Kinderzimmer und wollen mit den Eltern über eine EU-Richtlinie diskutieren. Im Rechtsausschuss streiten Europaabgeordnete so unversöhnlich wie selten zuvor. Die großen Verlagshäuser und ihre Verbände machen mächtig Druck. Und etwa in Deutschland entdecken Politiker erst jetzt, dass sie kurz vor den Europawahlen Millionen Bürger gegen sich aufgebracht haben.

Ende März wird das Europaparlament ein letztes Mal über die Copyrightrichtlinie abstimmen – dafür machte der Rechtsausschuss am Dienstag den Weg frei. Man darf sich einen epischen Showdown erwarten: von automatisierten Telefonanrufen bei Abgeordneten über offene Drohungen von Konzernen bis zu einer EU-Kommission, die bei Kritik Bürger als Marionetten von Onlineriesen darstellt.

Segnet das Parlament den Text ab, dann bekommen wir ein Urheberrecht im Internet, das mehr Fragen aufwirft, als es Probleme löst …