Wieder mehr Verkäufe sowie steigende Preise: Der Immobilienmarkt zeigte Ende 2024 Zeichen einer Entspannung. Doch es bleibt fraglich, wie nachhaltig die Tendenz ist. Auch weil es Indizien gibt, dass der Markt bereits wieder an Dynamik verliert. Eine Analyse.

Selbst Jean-Paul Scheuren bleibt skeptisch. Auf die mögliche Erholung auf dem Luxemburger Immobilienmarkt angesprochen und die Frage, ob der Rubel jetzt wieder rolle, sagt der Vizepräsident der Immobilienkammer: „Das ist alles mit Vorsicht zu genießen.“ Er glaube auch nur wenig an den verzeichneten Preisanstieg und auch nicht daran, dass die Mieten nicht mehr ansteigen würden, so Jean-Paul Scheuren im Gespräch mit „RTL“.

Dabei deuten die jüngsten Zahlen des „Statec“ und des „Observatoire de l’habitat“ schon darauf hin, dass sich der Immobilienmarkt deutlich erholen könnte. Bei Bestandsimmobilien lag die Anzahl der Verkäufe im vierten Quartal 2024 mit 1.734 Transaktionen bereits wieder fast auf Vorkrisenniveau. Auch was die Verkäufe über das Gesamtjahr betrifft, wurden 2024 mit insgesamt 4.055 verkauften Wohnungen fast wieder so viele bestehende Immobilien verkauft wie 2019, als 4.039 Wohnungen einen neuen Eigentümer fanden. Zudem gab es erstmals seit 2022 einen Anstieg bei den Preisen – nämlich um 1,4 Prozent.

Handelt es sich um eine Trendwende oder nur um ein vorübergehendes Strohfeuer? Sollte man skeptisch bleiben? Ein Blick auf die rezenten Statistiken zu den Zinsentwicklungen, auf das Kreditvolumen insgesamt sowie auf die Tendenz bei den Kreditausfällen gibt in der Tat Grund zur Vorsicht. Dazu mahnt auch der Internationale Währungsfonds (IMF) in seinem Zwischenbericht zur wirtschaftlichen Lage in Luxemburg. Zudem ist die Frage einer nachhaltigen Erholung auf dem Immobilienmarkt auch eine politische.

Entspannung unter Vorbehalt

Einen Grund zur Skepsis liefern die Zahlen zum Neubausegment. 2024 wurden zwar insgesamt 218 Neubauwohnungen mehr verkauft als 2023, doch im langjährigen Vergleich liegen die Transaktionen weiterhin auf dem Tiefpunkt. Erreichte der Neubau im Jahr 2019 mit 3.200 notariellen Verkaufsakten seinen absoluten Höchstpunkt, waren es 2024 trotz des verhaltenen Anstiegs lediglich 789. Hinzu kommt: Ein beachtlicher Teil der Verkäufe geht auf das staatliche Aufkaufprogramm zurück. Denn die öffentliche Hand erwarb 2024 insgesamt 208 Wohnungen als „Vente en l’état futur d’achèvement“ (VEFA).

Vorsicht ist auch bei der Stabilisierung der Preise im Bestand angebracht. Denn die Regierung hat durch ihre zum Teil widersprüchlichen Aussagen den Markt mit verunsichert …