Die ersten Verurteilten im Caritas-Skandal sind zwei Bulgaren. Sie gründeten in Spanien Firmen und eröffneten Bankkonten, über die rund 20 Millionen Euro verschwanden. Das geht aus den Urteilen gegen sie hervor. Die Scheinfirmen wurden dabei nicht nur für diesen Betrug genutzt.
Der 15. Februar 2024 ist ein leicht bewölkter Tag im andalusischen Granada, die Temperatur liegt bei 21 Grad. An diesem Tag betritt Rafaelo I. in Begleitung einer Frau mit langen dunklen Haaren und dunkler Haut ein Notarbüro. Dort unterschreibt er die Gründungspapiere für eine Firma. Vier Tage später hebt er eine weitere Gesellschaft aus der Taufe, diesmal im 120 Kilometer entfernten Malaga. In der Folge eröffnet er auch Bankkonten für beide Gesellschaften.
So erzählt er es der Luxemburger Staatsanwaltschaft. Rafaelo I. gibt an, in Spanien Arbeit gesucht zu haben. Deshalb habe er diese Papiere unterschrieben. Den Tipp, nach Spanien zu gehen, hatte er angeblich von seinem Freund Ivan T., dem ebenfalls zur Last gelegt wird, Gesellschaften und Konten eröffnet zu haben, die mit dem Caritas-Betrug in Verbindung stehen. Beide Männer waren Ende Januar dieses Jahres verhaftet worden und sitzen seitdem in Luxemburg in Untersuchungshaft. Bald dürften sie aber nun freikommen.
Beide haben nämlich einen Deal mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt und wurden jetzt, fast genau ein Jahr nach Bekanntwerden des Skandals, im Rahmen eines sogenannten „Jugement sur accord“ zu 18 Monaten Gefängnis, davon 15 Monate auf Bewährung, und zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt. Die siebte Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg behielt Betrug, Geldwäsche und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung als Straftatbestände gegen sie zurück. Aufgrund ihrer Untersuchungshaft könnten sie bereits nächsten Monat freikommen und zurück nach Bulgarien reisen.
Handlanger der Geldwäscher
Ivan T. und Rafaelo I. waren nur auf der untersten Stufe Strohmänner des Netzwerkes, das mutmaßlich dafür verantwortlich ist, der Caritas mehr als 61 Millionen Euro gestohlen zu haben. In den Urteilen, die Reporter.lu vorliegen, bestätigt die Staatsanwaltschaft, dass sie von einem sogenannten Präsidentenbetrug („Fraude au président“) ausgeht. Diese Hypothese habe sich rasch nach der Hausdurchsuchung bei der Caritas-Finanzdirektorin und ihren Vernehmungen ergeben. Bisher Unbekannte hätten sich als Generaldirektor der Caritas sowie als Anwalt aus Paris ausgegeben, heißt es weiter. Reporter.lu hatte bereits Mitte August 2024 exklusiv berichtet, wie die Betrugsmasche abgelaufen war. und dass die Spur nach Bulgarien führt.
Ivan T. sowie die von ihm gegründete Gesellschaft sind bekannt in Deutschland, weil sie in Beziehung zu verdächtigen Transaktionen nach China stehen.“Staatsanwaltschaft Luxemburg
Die frühere Caritas-Finanzdirektorin gilt weiterhin als beschuldigt. Laut den Urteilen gegen die Bulgaren werden ihr Betrug, Fälschung, Diebstahl, IT-Betrug und Vertrauensmissbrauch vorgeworfen. Zwischen Februar und Juli 2024 hatte sie Hunderte Überweisungen ins Ausland getätigt. Am Ende stand für die Caritas ein Verlust von 61.208.830 Euro zu Buche. Ein Drittel dieses Geldes floss über die von Rafaelo I. und Ivan T. eröffneten Konten – insgesamt über 20 Millionen Euro. Die Konten hatten sie vornehmlich bei der „ Banco Bilbao Vizcaya Argentaria“ (BBVA) eröffnet, der zweitgrößten Bank Spaniens. Die Überweisungen der Caritas landeten zwischen Ende Mai und Anfang Juni 2024 auf den Konten der Firmen von Rafaelo I. Von dort flossen sie in kleineren Summen auf weitere Konten der Scheinfirmen bei anderen spanischen Banken.
Das gleiche Vorgehen förderten die Ermittlungen auch im Fall von Ivan T. zutage. Auch er hatte, bereits im November 2023, in Madrid drei Gesellschaften gegründet und Bankkonten eröffnet …
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