Bei der Aufnahme der Migranten auf den gestrandeten Rettungsschiffen „Lifeline“ und „Aquarius“ zeigte sich Luxemburg diesen Sommer solidarisch. Das Großherzogtum nahm insgesamt 20 Schutzbedürftige auf. Doch wer entscheidet, wer nach Luxemburg kommen darf und wie läuft die Umverteilung ab?

Nach diesem Sommer stehen vermutlich sowohl die „Aquarius“ als auch die „Lifeline“ symbolisch für die Solidaritätskrise in Europa. Nachdem die beiden Schiffe Migranten aus dem Mittelmeer gerettet hatten, irrten sie tagelang in internationalen Gewässern. Keiner der Küstenstaaten wollte sich mit den Menschen herumschlagen, die auf dem Weg nach Europa in Seenot gerieten.

Die vielen Aufrufe zu europäischer Solidarität stießen nur auf ein geringes Echo. Erst als sich ein paar wenige Mitgliedsstaaten bereit erklärten, Schutzsuchende bei sich aufzunehmen, durften die Schiffe in Malta und Spanien andocken und hunderte Menschen konnten endlich an Land. Letzte Woche navigierte auch die „Aquarius 2“ hafenlos durch die Gewässer.

Unter den wenigen Staaten, die sich diesen Sommer solidarisch zeigten, war auch Luxemburg. Im Juni teilte Premierminister Xavier Bettel auf Twitter mit, dass das Großherzogtum 15 Menschen aufnehmen würde, die Malta an Bord der Lifeline erreichten. Zwei Monate später folgte die Aufnahme von fünf weiteren Menschen, die von der Aquarius gerettet wurden. Sie wurden am 9. September von Malta nach Luxemburg gebracht.

https://twitter.com/xavier_bettel/status/1011977223597887489

Unterschiedliche Prozeduren

Doch wie entscheidet sich, wer nach Luxemburg kommen darf und wer nicht? Tatsächlich verteilen die maltesischen Autoritäten die betroffenen Menschen nicht aufs Geratewohl auf die solidarischen Staaten, erklärt ein hoher Beamter der Immigrationsdirektion des Außenministeriums.

In beiden Fällen reiste eine Delegation aus Vertretern der Immigrationsdirektion sowie des Aufnahme- und Integrationsamtes OLAI in die maltesische Hauptstadt Valletta. Die Vertreter interviewten potentielle Kandidaten und wählten die Migranten mit den größten Chancen auf internationalen Schutz aus.