Für viele ukrainische Kriegsflüchtlinge war Luxemburg das Land der großen Hoffnungen. Doch ihr Schutzstatus und die hohen Wohnungspreise behindern ihre Integration im Land. Betroffene kritisieren ein unflexibles System, das viele Menschen im Provisorium gefangen hält.
„Eigentlich gebe ich Ihnen seit drei Jahren immer das gleiche Interview“, sagt Inna Yaremenko, Vizepräsidentin der Vereinigung „LUkraine“ und seit 2024 Repräsentantin des Ombudsmanns für Menschenrechte des ukrainischen Parlaments in Luxemburg. Lange kann sie aber nicht über ihre ironische Bemerkung lächeln. Schnell macht sich bei ihr Ernüchterung breit.
Sie und Nicolas Zharov, der Präsident von „LUkraine“, wirken müde an diesem grauen, verregneten Morgen in den Räumen der ukrainischen Bibliothek in Rollingergrund. Vor ein paar Tagen hat ein Social-Media-Post von Inna Yaremenko hohe Wellen geschlagen. Das Thema: die nach wie vor unhaltbaren Zustände im Erstaufnahmelager „Tony Rollman“ gleich neben dem Gebäude der Verwaltung des Europäischen Parlaments in Kirchberg. Fotos von dreckigen Toiletten, schimmeligen Waschbecken und verschmutzten Böden erinnerten noch einmal daran, wie bitter das Ankommen hierzulande für Geflüchtete ist.
Große Hoffnung auf Verbesserung haben die beiden Vertreter der ukrainischen Community nicht. Auch weil die Regierung die Ursache, warum bei rückläufigen Asylanträgen wenigstens die umstrittensten Aufnahmestrukturen nicht geschlossen werden, bei den Ukrainern sieht. „Das ONA nimmt nicht nur Asylsuchende auf, sondern auch Menschen mit temporärem Schutzstatus, also Ukrainer. Wir hatten aber in den letzten drei Monaten rund 100 solcher Menschen pro Monat in unseren Strukturen. Das ist eine substanzielle Steigerung“, erklärte Familienminister Max Hahn (DP) kürzlich im Parlament.
Keine neue Flüchtlingswelle
Nicolas Zharov ist nicht dieser Meinung. „Es sind nicht mehr als sonst. Ukrainer machen in der Gesamtheit um die 15 Prozent der Geflüchteten aus“, so der Präsident von „LUkraine“ im Gespräch mit Reporter.lu. Die Zahlen des Ministeriums für Innere Angelegenheiten von Léon Gloden (CSV) geben ihm recht. In den letzten drei Monaten des Jahres 2025 kamen zwar mehr als 100 Menschen pro Monat aus der Ukraine nach Luxemburg. Aber dies kam in den Jahren zuvor auch öfter vor.
Auf eine neue „Flüchtlingswelle“, womöglich ausgelöst durch die massiven russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine, kann man aus den Zahlen kaum schließen. Im Gegenteil: Nach dem ersten Kriegsjahr 2022 mit 5.244 Anträgen sanken die Zahlen im Folgejahr drastisch auf 960. Seitdem bleiben sie stabil mit 822 Asylanträgen im Jahr 2024 und 980 in 2025.
Wer in Luxemburg Fuß fassen will, muss diesen Lagern entkommen.“Nicolas Zharov, Präsident von „LUkraine“
Dass diese Menschen nun im „Tony Rollman“ enden werden, einer Struktur, die als provisorisch gedacht war und dennoch weiter genutzt wird, verärgert die Vertreter von „LUkraine“. Zumal eine der üblichen Perspektiven ist, dass sie nach dem Zeltlager in das wenige Meter entfernte „Bâtiment T“ gebracht werden, in dem die Zustände laut Betroffenen auch nicht viel besser seien. 1.200 Menschen leben in dem ehemaligen Bürogebäude. Und auch von dort zirkulieren Videos in den sozialen Medien, die unhaltbare hygienische Zustände anprangern …
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