Die Einnahmen aus dem Tabakverkauf erreichen auch dieses Jahr neue Höchststände. Der Finanzminister begrüßt das, gesundheitspolitische Bedenken bleiben weitestgehend außen vor. Doch auf EU-Ebene wächst der Widerstand gegen das Luxemburger Laissez-faire.

Luxemburg wird mehr und mehr zum Tabak-Eldorado. Bereits nächstes Jahr könnten die Steuereinnahmen aus den Tabakverkäufen an der Zwei-Milliarden-Euro-Grenze kratzen. Die für diese Steuern zuständige Zollverwaltung geht in ihren Prognosen für 2026 nämlich von Einnahmen aus den Tabakverkäufen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro aus. Demnach hätten sich diese Steuereinnahmen in nur vier Jahren nahezu verdoppelt. 2022 lagen sie erstmals über einer Milliarde Euro.

Noch atemberaubender wird die Entwicklung, wenn man das Verkaufsvolumen bei den Tabakverkäufen betrachtet. Mehr als 5,3 Milliarden Zigaretten werden laut den Schätzungen der Zollbehörde dieses Jahr in Luxemburg verkauft. Zum Vergleich: 2021 wurden hierzulande insgesamt 3,6 Milliarden Zigaretten verkauft. Hinzu kommen noch einmal 6.650 Tonnen an losem Tabak. Damit könnte jeder Einwohner jährlich mit etwa 392 Zigarettenpackungen versorgt werden, also mit mehr als einer Schachtel am Tag.

Die Zahlen werden umso eindrücklicher, wenn man sie mit dem Verkaufsvolumen anderer EU-Staaten vergleicht. In Belgien wurden 2024 insgesamt 2,4 Milliarden Zigaretten verkauft, also weniger als die Hälfte. In Dänemark, das mit 5,9 Millionen Einwohner etwa neunmal mehr Einwohner zählt als Luxemburg, wurden im selben Jahr nur rund 3,5 Milliarden Zigaretten verkauft. Und auch wenn Frankreich rund 95-mal so viele Einwohner zählt als Luxemburg, wurden dort nur etwa viermal mehr Zigaretten verkauft, nämlich rund 19 Milliarden Stück.

Die Raucher in der Grenzregion

Der Grund für die hohen Verkaufszahlen ist offensichtlich: der niedrige Preis. In seinem Bericht zum Staatshaushalt stellt der Rechnungshof nüchtern fest: „Les écarts persistants de fiscalité et de prix du tabac entre les Etats membres de l’Union européenne entretiennent une dynamique d’achats transfrontaliers particulièrement marquée dans la Grande Région. Le Luxembourg, dont les prix demeurent sensiblement inférieurs à ceux pratiqués en France, en Belgique et en Allemagne, constitue un point d’approvisionnement privilégié pour les consommateurs frontaliers.“

Im Klartext: Luxemburg setzt die Preise tiefer an als seine Nachbarstaaten, um bewusst Tabakkäufer anzulocken. Zigarettenverkäufe sind damit, neben einem attraktiven Steuerumfeld und günstigem Sprit, eine weitere Nische des Luxemburger Modells und eine bewusste Monetarisierung der eigenen Souveränität. Allerdings auf Kosten der Gesundheitspolitik in den Nachbarländern und darüber hinaus …