Das Jahr 2026 sollte eigentlich eine Stabilisierung auf dem Wohnungsmarkt bringen. Doch nicht nur die weltpolitische Lage hat diese Hoffnung gekippt. Die Immobilienkrise droht, sich erneut zu verschärfen. Dabei bleiben der Regierung nur wenige Optionen.

Was bringt 2026 für den Immobilienmarkt? Wer Vertretern aus der Branche diese Frage vor einigen Monaten stellte, konnte in den Antworten fast so etwas wie Optimismus erkennen. Die Stoßrichtung damals: Das neue Jahr bringt die lang ersehnte Stabilisierung. Sinkende Zinsen und angepasste Preise sorgen für mehr Aktivität. Nach dem Bestand werde sich 2026 auch der Neubau erholen. Große Preissprünge seien zwar keine zu erwarten, aber das sei normal. Der Markt müsse schließlich in ein neues Gleichgewicht finden, in eine neue Normalität. Die Immobilienkrise werde dabei wieder zu jener Wohnungskrise, die Luxemburg seit Jahren kennt.

Aktuell ist von diesem Optimismus in der Branche allerdings nichts mehr zu spüren. Die Eskalation im Nahen Osten ließ die Ölpreise nach oben schnellen und damit auch die Inflationserwartungen. Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr gelten bereits als sicher und demnach dürften auch die Zinsen auf Immobilienkredite wieder ansteigen.

Die Folgen auch für Luxemburg sind derzeit zwar noch nicht vollends absehbar. Dennoch droht ein Energieschock, der vielleicht sogar jenen in den Schatten stellt, den der russische Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 ausgelöst hatte. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ gab der Direktor der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Fatih Birol, eine düstere Prognose zu den Folgen des Konflikts im Iran ab: „Betrachtet man die drei großen Öl- und Gaskrisen der Vergangenheit, so ist die aktuelle Krise schwerwiegender als die von 1973, 1979 und 2022 zusammen.“

Alles zurück auf null

Bereits 2022 hatte die geopolitische Lage direkte Auswirkungen auf Luxemburg und auf den Immobilienmarkt. Die Europäische Zentralbank sah sich damals gezwungen, den Leitzins drastisch zu erhöhen, um so die Inflation zu bekämpfen. In der Folge stiegen auch die Zinsen auf Immobiliendarlehen drastisch, zeitweise auf über fünf Prozent. Es war ein Zinssprung, der den Immobilienmarkt in Luxemburg in eine seiner bislang schwersten Krisen stürzte. Die Aktivität brach ein, Immobilienentwickler mussten Konkurs anmelden und zahlreiche Käufer warten bis heute darauf, dass ihre Immobilien fertiggestellt werden.

Ce n’est pas qu’une question entre acheteurs et promoteurs. Il y a aussi des banques qui ont financé des promoteurs et on ne peut pas mettre tout le monde par terre.“Pierre Clément, Direktor von „Nexvia“

Es ist eine Krise, von der sich der Markt bis heute nicht erholt hat und die sich nun ins Jahr 2026 zu verlängern droht. Denn was die aktuelle Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage ein wenig überdeckt: Bereits Ende vergangenen Jahres gab es Anzeichen dafür, dass der Immobilienmarkt sich nicht wie erwartet erholen würde …