Im Jahr 2019 forderte ein Munitionsunglück im Armeelager in Waldhof Tote und Verletzte. Recherchen von Reporter.lu zeigen, dass schwerwiegende Missstände im Lager über drei Jahrzehnte hinweg bekannt waren. Einen Schuldigen soll es dafür jedoch nicht geben.

Als der „Chef d’Etat-major“ Guy Lentz im Februar 1999 dem zuständigen Minister Alex Bodry (LSAP) einen Brief schickt, ist der Verfall schon weit fortgeschritten. „Je tiens à préciser, Monsieur le Ministre, qu’il n’est plus possible de continuer sur cette voie et que les chefs hiérarchiques à l’Armée ne sauraient plus prendre leur responsabilité quant à la sécurité dans les installations militaires“, so der Chef der Luxemburger Armee an den damaligen Minister der „Force publique“. Einen Monat später findet Guy Lentz noch deutlichere Worte. In einem weiteren Brief schreibt er von einem „Etat désastreux“ des Militärlagers in Waldhof.

Genau dort explodierte 20 Jahre später, am 14. Februar 2019, bei einem Routineeinsatz eine Artilleriegranate und tötete zwei erfahrene Mitglieder des „Service de déminage de l’Armée luxembourgeoise“ (Sedal). Zwei weitere Militärangehörige wurden schwer verletzt. Zeugenaussagen weckten bei den Ermittlern schnell Zweifel an der Konformität des Lagers.

Ein Untersuchungsrichter ordnete Hausdurchsuchungen bei der Armee sowie beim Ministerium für Mobilität und öffentliche Arbeiten sowie im Verteidigungsministerium an. Beamte der Kriminalpolizei beschlagnahmten Sitzungsprotokolle, Briefe, Stellungnahmen und Berichte. Die Ermittlungen sollten klären, inwiefern politisch Verantwortliche und die Militärführung über die marode Infrastruktur des Militärlagers informiert waren und warum das Areal nicht instand gesetzt wurde. Eine mögliche Mitverantwortung für das Unglück stand im Raum.

Nagetiere und andere Sicherheitsmängel

Die Ermittlungen ergaben zwar, dass der schlechte Zustand des Lagers den Verantwortlichen hinlänglich bekannt war. Strafrechtliche Folgen wird das Munitionsunglück aber dennoch nicht haben. Wie Reporter.lu im September 2025 exklusiv berichtete, wollte die Staatsanwaltschaft den ehemaligen Verteidigungs- und Infrastrukturminister François Bausch (Déi Gréng) und den früheren Armeechef Alain Duschène (2017-2020) wegen fahrlässiger Körperverletzung anklagen.

Ende November 2025 entschied jedoch eine richterliche Ratskammer des Berufungsgerichts, dass es nicht genügend belastende Beweise für einen Prozess gibt. Damit wurde ein vorheriger Beschluss der ersten Instanz aufgehoben. Ende September 2025 hatte ein Richtergremium noch grünes Licht für ein Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegeben.

Angesichts dieser Politik des Abwartens und Vertröstens (…) befürchte ich, dass der Zeitpunkt bald gekommen ist, an dem die Luxemburger Armee die Sicherheit (…) nicht mehr gewährleisten kann.“Audit zur Arbeitssicherheit im Militärlager

Reporter.lu liegt die schriftliche Begründung der Entscheidung der Ratskammer aus erster und zweiter Instanz vor. Diese Dokumente geben Einblick in die Ermittlungen, deren Ergebnisse ohne öffentlichen Prozess eigentlich im Verborgenen bleiben sollten. Die Untersuchungen der Kriminalpolizei brachten allerdings brisante Missstände im Lager zutage. Über Jahrzehnte hinweg wurden notwendige Verbesserungen nicht oder nur teilweise durchgeführt – und das trotz wiederholter Warnungen …