Seit über sechs Jahren wird die tödliche Explosion auf dem Militärgelände in Waldhof juristisch aufgearbeitet. Nun stellt die Justiz überraschend die politische Verantwortung in den Fokus. Recherchen von Reporter.lu beleuchten die Hintergründe der Ermittlungen.
Was als Routine begann, endete in einem Desaster. Sprengstoffexperten des Kampfmittelräumdienstes der Armee (Sedal) bereiteten am 14. Februar 2019 im Militärlager in Waldhof alte Weltkriegsmunition für den Abtransport nach Belgien vor, um sie dort dauerhaft unschädlich zu machen. Doch gegen 10.30 Uhr explodierte eine 48 Kilogramm schwere US-amerikanische Artilleriegranate in einer Lagerhalle auf dem Gelände. Zwei Unteroffiziere des Sedal starben, zwei weitere Armeeangehörige einer anderen Einheit wurden schwer verletzt.
Die juristische Aufarbeitung des Unglücks zieht sich seit mehr als sechs Jahren hin. Inzwischen sind die Ermittlungen jedoch abgeschlossen. Ende Juni übergab die Staatsanwaltschaft ihre Anklageschrift an eine richterliche Ratskammer. Laut Informationen von Reporter.lu enthält sie brisante Vorwürfe – und stellt auch eine politische Verantwortung für das Unglück fest.
Die Staatsanwaltschaft will nämlich den früheren Verteidigungs- und Infrastrukturminister, François Bausch (Déi Gréng), auf die Anklagebank bringen. Die Ratskammer des Bezirksgerichts Luxemburg muss nun darüber befinden, ob genügend Hinweise für einen Prozess vorliegen. Eine Entscheidung in erster Instanz wird noch in diesem Jahr erwartet. Gegen diese kann Einspruch eingelegt werden.
Wende in der Strafverfolgung
Bis die Vorwürfe vor Gericht verhandelt werden könnten, dürfte demnach noch einige Zeit vergehen. Dennoch markiert die Anklageschrift eine deutliche Wendung bei der Strafverfolgung. Immerhin hat der zuständige Untersuchungsrichter François Bausch erst beschuldigt, nachdem die Ermittlungen mehr als fünf Jahre liefen. Wie das „Luxemburger Wort“ im Februar 2024 berichtete, galten zunächst der damalige General Alain Duschène und zwei Sprengstoffexperten als Beschuldigte.
Gegen die zwei Personen, die zum Zeitpunkt des Unfalls Mitglieder des Sedal waren, fordert die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift nun eine Einstellung des Verfahrens. Gegen sie liegen in den Augen der Ermittler offenbar nicht genügend belastende Elemente vor. Alain Duschène bleibt dagegen Beschuldigter. Der heute 65-Jährige war von 2017 bis zu seiner Pensionierung im September 2020 „Chef d’état-major“ der Luxemburger Armee.
Überraschend ist auch, dass die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der fahrlässigen Tötung in ihrer Anklageschrift verwirft. François Bausch und Alain Duschène sollen demnach nicht für den Tod der zwei Soldaten verantwortlich gemacht werden, sondern nur für die Verletzungen der beiden anderen Armeeangehörigen.
Der Ex-Minister und der Ex-General sollen demnach wegen fahrlässiger Körperverletzung („Coups et blessures involontaires“) vor eine Strafkammer des Bezirksgerichts gebracht werden …
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