Der Energieverbrauch von Immobilien wird immer wichtiger. Auch die Banken legen vermehrt ein Augenmerk auf die Energieklasse bei der Finanzierung. In den kommenden Jahren steigt die Relevanz des Energiepasses noch weiter. Der Grund: eine neue EU-Richtlinie.

Zugegeben, der Name ist etwas sperrig: Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Doch so sperrig der Name, so einfach ist der Zweck, den die EU-Richtlinie verfolgt. Gebäude in der Europäischen Union sollen ihren Teil zur Bewältigung der Klimaziele beisteuern. Konkret: Sie sollen weniger Energie verbrauchen. Und die Energie, die sie verbrauchen, soll möglichst nachhaltig sein. Anfang dieses Jahres verständigten sich die Kommission und das Parlament auf eine Verschärfung der Ziele.

Die Richtlinie wird auch Folgen für Luxemburg haben. Zum Teil macht sie sich bereits jetzt auf dem Immobilienmarkt bemerkbar. Auch, weil die Banken vermehrt ein Augenmerk auf die Energieklasse von Bestandsimmobilien legen, wenn es darum geht, ein Immobiliendarlehen zu bewilligen. Hinzu kommt: Selbst, wenn in den vergangenen Jahren viel gebaut wurde, ist der Großteil der Bestandsimmobilien in Luxemburg vergleichsweise alt und hat eine niedrige Energieeffizienzklasse.

Dabei gibt die EU ehrgeizige Ziele vor: Jeder Mitgliedstaat ist dazu verpflichtet, den durchschnittlichen Energieverbrauch von Wohngebäuden bis 2030 um 16 Prozent und bis 2035 um 20 bis 22 Prozent zu senken. Hinzu kommt: 55 Prozent dieser Einsparungen sollen durch die Renovierung von Wohnungen und Häusern, die besonders viel Energie verbrauchen, erreicht werden. Wie die Mitgliedstaaten diese Ziele erreichen wollen, bleibt ihnen überlassen, wenn sie die Richtlinie in nationales Recht umsetzen.

„Energiefresser“ in der Mehrheit

Die Bankenvereinigung „ABBL“ geht auf Nachfrage von Reporter.lu davon aus, dass 83 Prozent der Wohngebäude in Luxemburg sogenannte „Energiefresser“ sind – sprich, sie einen Energiepass zwischen D und G haben. Ähnliche Zahlen lieferte jüngst eine Analyse des Forschungsinstituts „Liser“ über die Daten aus der Volkszählung von 2021. So wurden etwa 78 Prozent aller Wohnungen vor 2011 gebaut, bei den Häusern liegt der Wert noch höher, nämlich bei 88 Prozent. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Immobilien weiterhin über ein fossiles Heizsystem verfügt. Nur 3,9 Prozent der Haushalte gaben an, mit einer Wärmepumpe zu heizen. Dagegen heizen 59,5 Prozent der Befragten mit Gas und 27,8 Prozent mit Heizöl.

Die Energieklasse hat einen Einfluss auf die Berechnung der monatlichen Fixkosten und demnach auf den finanziellen Grundbedarf des Kreditnehmers.“Michel Marx, „Spuerkeess“

Auch bei der energetischen Sanierung gibt es noch Raum zu Verbesserung. Denn nur 29 Prozent der Befragten gaben an, energetische Sanierungsmaßnahmen an ihrem Wohngebäude durchgeführt zu haben. Allerdings bestand in den Zahlen ein beachtlicher Unterschied zwischen Haus- und Wohnungsbesitzern …